Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen
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Personalien
Günter Brakelmann: am 5.7.82:
TAGEWERK EINES SPD-THEOLOGEN
Mut,
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Morgens plagt den frommen Günter schon sein Gewissen. Als angese-
hener Theologe und sozialdemokratischer Professor kann er doch
nicht die Brüder und Schwestern drüben einfach ihrem Schicksal im
deutschen Unrechtsstaat überlassen, wo doch "das arbeitende Volk
in beiden Teilen Deutschlands seine Hoffnungen in die SPD und die
Gewerkschaften des DGB" setzt. Natürlich nicht, weswegen er mit
einer "Großdemonstration in West und Ost" aufruft, die "das Recht
auf freie Reise, die Freiheit der politischen Gefangenen, unab-
hängige Gewerkschaften in der DDR und das Recht des deutschen
Volkes, über sein Schicksal zu entscheiden" auf ihre Fahnen ge-
schrieben hat. (Spiegel, 5.7.82).
Seiner christlichen Überzeugung ist er es doch schuldig, drüben
eine Bewegung gegen die gottlose Obrigkeit moralisch zu unter-
stützen.
Demut,
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Günter Brakelmann kennt aber nicht nur die christliche Tugend des
Mutes, die drüben bis zum Widerstand führen kann, sondern auch
die der Demut. Und letztere vermißt er hier bei seinen friedens-
bewegten Pfarrerkollegen. Also schreibt er am selben Tag einen
Brief des evangelischen Arbeitskreises "Sicherung des Friedens"
an seine Amtsbrüder, wirft ihnen Arroganz und Ignoranz vor und
legt ihnen die Bibel aus mit dem Ergebnis, daß die Kirche "keine
Ersatzpartei, Ersatzregierung, Ersatzministerium" sei, daß "der
christliche Glaube und die ihm entsprechende Ethik" nicht "die
allein richtigen politischen Instrumente mitliefere", sondern die
Lösung "solcher Fragen (Sicherheitspolitik) der praktischen
christlichen Vernunft" (das hat er vorn Christen Helmut Schmidt)
zu überlassen sei. (FR v. 6.7.82). Das "Friedensthema", für das
sich der SPD-Theologe ansonsten auch gerne zuständig erklärt,
darf hierzulande eben keinesfalls dazu benutzt werden, eine
"lebensgefährliche Alternative von 'Bewegung' zu 'System'" aufzu-
machen. Es ist einfach ein Gebot der Toleranz gegenüber der hier
offensichtlich gottgewollten Obrigkeit, keine "handfeste Politik
gegen die Regierung" zu betreiben.
und Schmidt-Vertrauen
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Gegen abend läßt er sich als prominenter SPD-Professor von der
Juso-HG einladen, um seinen jungen Parteifreunden als Mann der
parteipolitischen und seelsorgerischen Praxis guten Rat zu ertei-
len. ("Ist die SPD noch zu retten", 5.7., 17.00 Uhr Ausländerzim-
mer). Es sei schon immer intellektuelle Besserwisserei gewesen,
die aktuelle SPD-Poltik als schädlich für das Ansehen der
"Reform- und Diskussionspartei" zu problematisieren, die arbei-
tenden Menschen hätten - dafür stehe er ein - keine Distanz zu
"ihrem Staat". Dies als Ausdruck ihrer persönlichen Freiheit zu
respektieren halte er für Christenpflicht:
statt Überheblichkeit und Belehrung sei "liebevolles Einander-
die-Hand-Reichen" der beste Weg, die SPD zu retten. Er mit seiner
ganzen glaubwürdigen Person wolle Zeugnis dafür ablegen, daß Hel-
mut Schmidt ("Kennen Sie eigentlich den Menschen Helmut
Schmidt?") weiter für die gute SPD-Absichten praktisch einstehe.
Auf Basis dieses festen Vertrauens ("Der Herr ist mein Hirte")
ist Einigkeit in sozialistischen Utopien durchaus wieder möglich.
Wir wollen ja alle, daß "Arbeiter das Was und Wie der Produktion
bestimmen", ein "sozialpolitischer Neuanfang" a l s o
"eigentlich" wünschenswert wäre, meint der Studentenseelsorger.
Wahrhaft ein gerechtes Tagewerk!
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