Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 18, 21.07.1982
Wochenschau
UNTER DEN SOZIALDEMOKRATEN
geht der Streit, wie bei jeder anderen demokratischen Partei, na-
türlich nicht um Nutzen und/oder Schaden für die Bürger, sondern
um den Erfolg der P o l i t i k. Dieser ist identisch mit der
Macht - ob man sie hat oder nicht. Hierin sind sich die "Linken",
die "Rechten", vor allen Schmidt und über allem Brandt sehr ei-
nig. Auch diejenigen, die den Krempel in Bonn der CDU/CSU hinzu-
schmeißen empfehlen, denken dabei an die nächsten Bundestagswah-
len. Unter "Regeneration in der Opposition" meinen sie mitnichten
eine Änderung im Sozialdemokratismus, sondern die Herausstellung
seiner reformerischen, "arbeitnehmerfreundlichen" Seite, damit
mit diesem "neuen" alten Profil in zwei Jahren eine Uni-
ons/Genscher-Regierung mittels neu eingeseifter Wählerstimmen ge-
kippt werden kann und man nicht selbst demnächst durch eine FDP-
Wende abserviert wird. In solchem Streit um die T a k t i k ma-
chen natürlich Äußerungen wie die des saarländischen SPD-Vorsit-
zenden Oskar Lafontaine Skandal die - gleichgültig, ob der Mann
das wollte oder ob er überhaupt den Sinn seiner Worte selber ge-
schnallt hat - ein fundamentales Stück Politik entlarven, übri-
gens nicht nur sozialdemokratischer sondern demokratischer über-
haupt. Alle G r u n d w e r t e sind solche der H e r r-
s c h a f t und damit (und nicht nur die Lafontaineschen "Sekun-
därtugenden") gleichgültig gegen ihre Form und ihre Zwecke.
"Pflichtgefühl, Berechenbarkeit Machbarkeit, Standhaftigkeit",
aber auch "Solidarität", also Tugenden pur und sans phrase sind
der I d e a l i s m u s, in dem das I n t e r e s s e, zu
dessen Nutzen sie befohlen werden, ebensowenig zur Sprache kommt,
wie die Bedürfnisse der Leute, die solche Tugenden sich ans Herz
legen sollen, ohne überflüssige Umwege über den V e r s t a n d.
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