Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 75, 16.05.1983
       
       Koschniks fünfte Kolonne zu den SPD-Kostenbescheiden über 160.000
       DM gegen 6. Mai-Demonstranten
       

JETZT BLOSS KEINE "UNKRITISCHE SPD-FEINDLICHKEIT"!

Zu einem fürchterlichen Schlag gegen den obigen Kostenbescheid der SPD haben die JUSOS ausgeholt. Der erste Hauptbetroffene die- ser finanziellen Ruinierung der Demonstranten vom 6. Mai ist - die SPD: "Die Glaubwürdigkeit sozialdemokratischer Alternativen zur Poli- tik der C-Parteien im Bereich demokratischer Rechte - so beschei- den sie auch sein mögen wird durch derartige Maßnahmen zugrunde- gerichtet." (JUSOS) Tja, ein echtes Problem: wenn die SPD-Regierung die Leute so hart rannimmt, glauben sie am Ende nicht mehr an menschenfreundliche Alternativen der SPD zur CDU, an die selbst so ein JUSO nicht mehr recht glaubt - "so bescheiden sie auch sein mögen"! Der Glaube kommt die Betroffenen wie die verurteilten Demonstranten zwar teuer zu stehen. Aber unnütz ist er deswegen noch lange nicht: eine SPD ohne Stimmen vermasselt dem Jungvolk der JUSOS doch glatt die politische Karriere in die höheren Ränge! Dabei geben sie sich solche Mühe, daß sie sich anläßlich der 160.000 Piepen gleich als der zweite Hauptbetroffene vorkommen: "Wir Jungsozialisten sehen uns jedenfalls außerstande, z.B. das Bremische Polizeigesetz trotz aller Kritik in Einzelfragen gegen CDU-Regelungen abzugrenzen, wenn in einem wichtigen Punkt die po- litische Praxis den Ansprächen der eigenen Gesetze derart konträr gegenübersteht." (JUSOS) Etwaige Zurückhaltung beim E i n s a t z der SPD-Staatsgewalt gegen Kritiker soll man als passablen Grund akzeptieren, daß solch eine Führung der offiziellen Gewalt Zustimmung verdient?! Da tickt wohl einer nicht sauber. Von wegen Zurückhaltung der SPD-Polizei im Unterschied zur CDU-Garde: der 6. Mai 80 hat die Betroffenen eines anderen belehrt. Das Bremische Polizeigesetz hat seine Menschenfreundlichkeit im übrigen darin: "Auf K i n d e r darf nicht geschossen werden." (WK 11.11.82) Nicht gewußt? Aber sicher wissen das JUSOS. Das darf man ihnen zufolge nur nicht sagen, denn diese Kritik wäre "unkritische SPD-Feind- lichkeit". Die Logik ist zwar seltsam, die Absicht aber klar. Dieses in Bremen so geschätzte Attribut "kritisch" wird einem Einwand gegen die SPD dann und nur dann zugebilligt, wenn er sich als Kritik zurücknimmt und in Werbung für das "kleinere Übel" übersetzt. Übel, und nicht zu klein. P.S.: Der Vorwurf "unkritische SPD-Feindlichkeit" ist den JUSOS gegen die Resolution der Marxistischen Gruppe zu den Kostenbe- scheiden eingefallen, die auf der letzten VV die Mehrheit fand. Nachzulesen in BHZ 74. zurück