Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen


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       Marxistische Schulzeitung Bremen, 10.12.1981
       
       Landesparteitag der SPD in Bremen/Bremerhaven:
       

"OPPORTUNISTISCHE ANPASSEREI LEGITIMIERT NICHT ZUR POLITISCHEN FÜHRUNG" (DER KANZLER)

"Die Delegierten... spendeten nur nach seinem zweistündigen Ein- führungsreferat langen Beifall... Viele Mandatsträger standen un- ter einem 'Kanzler-Schock', wie der JUSPO-Landesvorsitzende Uwe Parpart formulierte." (Weser-Kurier 7.12.) Daß Helmut Schmidt ein g e w ä h l t e r Führer ist, heißt nicht, daß er sich in irgendeiner Entscheidung in Sachen Rüstung, Finanzen und Wirtschaft von der Meinung seines (parteiinternen) Fußvolkes a b h ä n g i g machen würde. Umgekehrt: was im Füh- rungsbunker über die "Nachrüstung" und das "Sparprogramm" be- schlossen wird, verlangt allein deswegen die unbedingte Zustim- mung der davon Betroffenen wie der kleinen Wasserträger an der Parteibasis. Alles andere, wie schon ein älterer begnadeter Füh- rer der deutschen Nation sinngemäß bemerkte, "legitimiert nicht zur politischen Führung." "Redet Euch nicht ein, daß Kriege früher harmlos waren!" -------------------------------------------------------- (Der Kanzler) ------------- ist ein gültiges Kanzler-Argument, daß unter Delegierten-Beifall alle Bedenklichkeiten gegenüber dem beschlossenen NATO- und BRD- Aufrüstungskurs vom Tisch fegt. Den Russen wird in Genf ihre Ent- waffnung abverlangt, ein Ziel, daß "wir" auch ohne den Verhand- lungsweg durch die Aufstellung einer Raketenerstschlagskapazität auf deutschem Boden anstreben, nachgerüstet wird also auf jeden Fall und in dieser unserer Programmatik ist ein Krieg nicht aus- zuschließen - also stellt Euch nicht so an, Kriege waren schon immer grausam!' So der Kanzler. Nur: wegen der G r a u s a m k e i t des Krieges prinzipiell an einer Politik Anstoß nehmen, die ihn als "letztes Mittel" nicht mehr ausschließt, wollte gar keiner der kritischen Parteitagsde- legierten. Da hätten sie ihren eingeflogenen Gast ja glatt an die frische Luft setzen müssen. Stattdessen haben sie ihm einen An- trag geschenkt, der - das Ziel von Kanzlers Nulloption voll teilt: "Rücknahme der In- stallierung von SS20-Raketen in Osteuropa" (Süddeutsche Zeitung) den bislang gepflegten Idealialismus, dieses Ziel ohne seine m i l i t ä r i s c h e Konsequenz für die BRD, die Nachrüstung nämlich, zu befürworten, endgültig aufgibt. "Ein Zusatzantrag des Unterbezirks Bremen Neustadt aber, der die Rücknahme des Nachrü- stungsteils im NATO-Doppelbeschluß will, wurde brav abgeschmet- tert." (Bremer Morgenpost) und schließlich damit die Krittelei am Doppelbeschluß zu den Akten gelegt. Die Delegierten können jetzt in Ruhe auf die nächste Nachrüstungswelle warten, bis sie wieder Zündstoff für Diskussionen haben. Es sei denn vorher ist 1983: denn dann wollen sie sich die andere Seite, die Russen zur Brust nehmen, wenn sie immer noch nicht abgerüstet haben: "Der Partei- tag beschloß außerdem für den Fall, daß die Abrüstungsziele in den jetzt begonnenen Verhandlungen nicht erreicht würden, die Einberufung eines Bundesparteitags." (Süddeutsche Zeitung) "Sonst müßt Ihr Euch einen anderen Kanzler suchen!" --------------------------------------------------- Daß die friedenspolitischen Maßnahmen des Rüstungskanzlers die ganze Wirtschaftskraft seiner Unternehmer, also den Fleiß und die Armut seines Volkes benutzen und mit Rationalisierungen voran- treiben, macht "beschäftigungspolitische Programme" und deren Fi- nanzierung überflüssig wie eine Vermehrung der brotlos gemachten notwendig. S o geht Vorkriegswirtschaft und nicht anders: "Sonst müßt Ihr Euch einen anderen Kanzler suchen!" (Bremer Mor- genpost) Die Antwort der Delegierten auf diese Erpressung: "Betretenes Schweigen." (Weser-Kurier) Klar: ein SPD-Landesver- band, der über Teile bundesdeutscher Kriegsproduktion bei Vulkan, VFW usw. Regie führt, für diese regionale "Wirtschaftskraft" we- der Subventionen noch die damit anfallenden Opfer in der Stati- stik der Berufskrankheiten und auf dem Arbeitsmarkt scheut, übt nicht am Kanzler-Programm Kritik vom Standpunkt der davon B e t r o f f e n e n. Die produziert man selbst mit. Womit die Brüder da "erpreßt" werden ist nichts anderes als ihr Wille zur Macht. Wer sich als Kritiker der R e g i e r u n g aufspielt, weil er um Ansehen und Erfolg seiner P a r t e i an der Macht bangt, der zeigt sich auch beeindruckt, wenn ein strahlender Kanzler damit angibt, daß seine weltweit beklatschten Erfolge im Einsatz dieser Macht gegen russische Kremlchefs und oppositionel- les Ungeziefer im Inneren der beste Erfolgsausweis der Partei sind. Die Bremer Morgenpost hat also nicht ganz Unrecht: "Bremer SPD: Brave Vasallen des Kanzlers". *** Schmidts Orientierungsrahmen für den Umgang mit westdeutschen Dissidenten: Einigkeit für recht und Freiheit -------------------------------- 1. Der Staat läßt sich nicht erpressen "Das Grundgesetz erlaubt es Regierungsmitgliedern nicht, außen- oder innenpolitischen Erpressungen nachzugeben." Politik geht nämlich genau umgekehrt: wenn die außenpolitischen Erpressungen der NATO-BRD den Einsatz ihrer Waffen unumgänglich machen, dann hat das Volk stramm zu stehen für diesen Auftrag, statt an ihm Kritik zu üben. 2. Opfer sind erlaubt... "Mit Blick auf die Atomkraftgegner meinte der Bundeskanzler, im deutschen Steinkohlebau würden noch dringend Arbeitskräfte benö- tigt. Dort sollten die Kernkraftgegner aktiv sein, zumal gegen- wärtig im deutschen Kohlebergbau mehr Ausländer als Deutsche be- schäftigt würden." Es verbietet sich, eine Parallele zu einer historischen, artver- wandten Parole zu ziehen: "Arbeit macht frei!" Die hing nämlich über g e s c h l o s s e n e n Anstalten. 3. ...oder sie werden hergestellt! "'Es gibt kein moralisches Widerstandsrecht gegen die verfas- sungsmäßige Ordnung!' Das Recht auf Widerstand richte sich gegen jene, die die Verfassungsordnung beseitigen wollten. Ich kenne den Grund für diese Verlegung (des Parteitages nach Bremerhaven) nicht. Hoffentlich ist es kein Ausweichen vor angekündigter Ge- walt. Das wäre nicht gut." Gut ist 1981 nur das Umgekehrte: Kritikern keine Möglichkeit zu lassen, dem staatlichen Gewaltmonopol auszuweichen. Das hat sich nicht nur Polizei und Armee, sondern dam das "Recht auf Wider- stand" gegen Oppositionelle verbindlich in seine Verfassung ge- schrieben. zurück