Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen
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Kanzler-Kandidaten-Kür der SPD
LAFONTAINE - WER DENN SONST!
Jetzt ist die Überraschung perfekt: Oskar Lafontaine ist der Be-
ste. Das hat das SPD-Präsidium einstimmig herausgefunden. Und wie
recht es hat!
Oskar ist der Schönste!
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Wer möchte denn schon eine Trauerweide mit unerträglichen Ober-
lehrer-Allüren wie Vogel oder einen brunz-biederen-religiösen Fa-
milienpapi wie Rau zum Kanzler wählen? Da macht doch ein lässig-
eleganter Lafontaine entschieden mehr her. So einer spricht die
"Zielgruppe" der Frauen und "Jungwähler" an, ohne daß sich eine
Oma abgestoßen fühlen muß. Das macht sein "politischer Sex-Ap-
peal". Woher hat er den bloß?
Oskar war's noch nicht!
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Er ist also noch nicht als Kandidat verbraucht. Er hat noch nie
verloren. Parteivorsitzender Vogel konkurrierte vor acht Jahren
mit Kohl, fiel aber durch und läßt sich seither dem Wähler ein-
fach nicht verkaufen. Vor vier Jahren bei Johannes Rau das glei-
che. Die scheiden also von vorneherein aus, weil man dem Wähler
und dessen Recht auf unbedingte Erfolgstypen beim Regieren nicht
schon wieder die e r w i e s e n e n V e r l i e r e r von ge-
stern oder vorgestern für das wichtigste Amt im Staat vorsetzen
darf. Zwei nachweisliche Sieger hat die SPD zwar auch noch. Aber
der Kanzler-Bonus von denen ist auch nicht mehr der jüngste. Wie
läßt der sich retten?
Oskar ist der Enkel!
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Will sagen: Alle, die sich noch daran erinnern, daß die SPD auch
mal einen Kanzler hatte, sollen diese Kindheitserinnerung für
einen guten Grund halten, Lafontaine zu wählen. Zumal dieser
Mensch ein Enkel aus eigener Kraft ist:
Oskar ist schon ein Erfolgstyp!
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Schließlich hat dieser Mann erst neulich bewiesen, daß er siegen
kann. Da holte er für sich und seine Partei im Saarland die ab-
solute Mehrheit. Dabei hat sein Konkurrent von der CDU, Umwelt-
minister Töpfer, ziemlich alt ausgesehen. Obwohl der extra für
die Wahl ins Saarland umgezogen ist und eine "mörderische Ochsen-
tour" beim Wahlkampf hinter sich gebracht hat, hatte er von An-
fang an keine Chance. Lafontaine i s t nämlich erstens schon
"Landesvater" gewesen und hat zweitens immerzu genau damit
a n g e g e b e n. Den Saarländern hat dieses "Argument" schwer
imponiert. Zwar sind die Saarländer nicht viele. Zusammengenommen
erreichen sie noch nicht mal die 5%-Klausel. Aber gewonnen ist
gewonnen.
Und daraus kann die SPD ein "Signal für Bonn" heraushören. Man
muß es nur laut genug herausposaunen.
Oskar ist der Schlauste!
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Das haben die Mitglieder des SPD-Parteipräsidiums durch einen
Vergleich mit sich herausgefunden. Völlig von den Socken waren
sie, als Lafontaine ihnen seine nüchterne, aber messerscharfe
Kritik an Kanzler Kohl vorgetragen hat, der Anschluß der DDR sei
eine "sehr, sehr komplexe Angelegenheit", die man nicht so wie
dieser mit "Vereinfachungen anpacken" könne. Solche Äußerungen
bezeugen einen soliden Sachverstand, an dem sich differenziert
denkende Anschluß-Wähler begeistern können.
Oskar ist ein prima Kumpel!
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Zum Beispiel, wenn er ohne Krawatte und mit hochgekrempelten
Hemdsärmeln Arbeiter besuchen geht und mit ihnen ein Bier trinkt.
Und ihnen erklärt, daß die Sache mit den vielen Übersiedlern, die
"uns" immer mehr auf der Tasche liegen und besser drüben bleiben
sollen, so "nicht weiter gehen kann". Diese Masche reiten zwar
auch andere, wie etwa der Norbert Blüm mit seinem "mei Vadde war
Abeidde"; aber der steht ja nur in Nordrhein-Westfalen zur Wahl.
Oskar ist kein Anpaßler!
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Zum Beispiel hat er den Mut, den Gewerkschaftern seiner Partei
offen ins Gesicht zu sagen, was die sich eh' schon denken:
"Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich - das geht nicht.
Das spaltet nur Arbeitslose und Arbeitsplatzbesitzer." Das war
deswegen so tapfer, weil die Gewerkschafter sowieso nichts Bes-
seres wissen, als SPD zu wählen. Und alle anderen finden es gut,
wenn ausgerechnet ein SPD-ler sich von den Gewerkschaftsbossen
nichts sagen läßt.
Bleibt nur noch ein Problem:
Oskar ist kein Kanzler
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und das ist für den deutschen Wähler eine harte Nuß. Da müssen
sich nämlich glatt genügend Dumme finden, die ganz o h n e
K a n z l e r b o n u s Oskar deswegen wählen, weil er kein An-
paßler, ein prima Kumpel, eine Leuchte, erfolgreich, Enkel und
der Schönste im ganzen SPD-Parteipräsidium ist.
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Im Sommer steht uns die nächste Überraschung ins Haus: Das Präsi-
dium der CDU findet einstimmig heraus, daß Helmut Kohl ihr Bester
ist...
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