Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 6, 27.11.1979
SPD: KERNKRAFTKRITIKER ZUR BRUST GENOMMEN
Leute, denen Autos, Jacken, Taschen usw. mit den gelbroten Pla-
ketten drauf gehören, können aufatmen. "Atomkraft? Nein danke!",
mit diesem Bescheid, der so tut, als wären sie in Sachen Atom-
kraft befragt worden, sind sie jetzt endlich innerhalb der Par-
teien, die die Energiepolitik m a c h e n, angemessen repräsen-
tiert. Mehrere SPD-Landesverbände setzen dem Leitantrag des Bun-
desvorstandes f ü r die Beibehaltung und den Ausbau der Kern-
energie auf dem anstehenden Vorwahlparteitag einen Antrag entge-
gen, in dem der "schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie"
gefordert wird.
"In einem Gespräch mit dem Weserkurier (17.11.79) betonte der
Bremer Senator SCHERF, der das Papier mitformuliert hat, falls
der Leitantrag des Bundesvorstandes mit dem e r w a r t e t e n
Stimmenverhältnis von 60 zu 40 a n g e n o m m e n wird, käme
darin das Eintreten einer qualifizierten Minderheit für einen an-
deren Weg zum Ausdruck."
SCHERF's Schlußfolgerung: 'Wähler entgelt's!' - nämlich daß die
SPD zu einem so beachtlichen Teil von "Nein, danke"-Sagern ge-
macht wird. Ermöglichen die es doch der Minderheit der Deutschen,
die ihr Votum gegen die Atomkraft, u.a. auf Meinungsknöpfen zum
Ausdruck bringen, eine q u a l i f i z i e r t e Minderheit zu
sein: indem sie sich von sozialdemokratischen Führungskräften in
Partei und Staat vertreten fühlen, die mit ihrer Person für das
Recht einstehen, den. (Aus-)Bau der Kernkraftwerke mit dem Aus-
druck des Mißfallens zu verbinden.
Das mußte ja den Bremern mal gesagt sein.
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