Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 95, 05.06.1984
Bremen aktuell
DIE BREMER JUSOS
hatten ihre Jahresversammlung. "Jusos schlagen auf Kröning und
Kunick ein", berichtet der Weser-Kurier. Ja, sie waren wieder
furchtbar kritisch:
"Statt darüber zu räsonnieren, daß marxistisch-dogmatische An-
sätze bei den Jusos die Jugendlichen von uns fernhalten, so
sollte Konrad Kunick sich lieber an die eigene Nase fassen und
sich fragen, ob die Politik der Partei geeignet ist, mehr Jugend-
liche für die SPD zu gewinnen."
Merke: Die SPD-Politik liefert den Jugendlichen gute Gründe, der
SPD den Rücken zu kehren, sagen die Jusos. Aber dafür gibt's ja
die Jusos, damit die Jugend doch wieder Kunicks SPD in den Arsch
kriecht, sagen die Jusos. Und dafür, sagen die Jusos, werden sie
drin im Arsch der SPD doch wohl ihre "marxistisch-dogmatischen
Ansätze" haben dürfen, oder?!
"Marxistisch-dogmatisch" ansetzen, um bei der SPD zu landen, das
geht so:
E r s t e n s: Die SPD hat zu Bonner Regierungszeiten die Rake-
ten bestellt. Die Jusos gewinnen die Raketengegner für die SPD.
Sie machen mit bei der "Volksbefragung" gegen die Raketen - und
zwar so:
"Die Volksbefragung ist natürlich nicht repräsentativ, aber sie
kann die Friedensbewegung aktivieren. Letztlich wird man die Rü-
stungsspirale nur politisch aufhalten."
Merke: "Repräsentativ" sind nur vom Volk ermächtigte Kanzler wie
Schmidt und Kohl, die die Aufrüstung durchsetzen. Volkes Meinung
gegen deren Aufrüstungsbeschlüsse darf sich solche Verfassungs-
macht "natürlich nicht" anmaßen. Da verpflichten wie Kanzler Kohl
auch die Jusos den "Druck der Straße" auf gehorsame Ohnmacht.
Aber, denken die Jusos, das wird doch wohl das Volk zur Einsicht
"aktivieren", daß "nur politisch" was geht: die SPD zurück an die
Macht stimmen.
Z w e i t e n s: Koschnick verhandelt in den USA, damit mehr US-
Army-Umschlag via Bremerhaven/Bremen läuft. Die Jusos gewinnen
die Bombenzugstopper für die SPD. Sie unterschreiben den Aufruf
"Stoppt den Bombenzug" - und zwar so:
"Wir haben in der Friedensbewegung dem Aufruf zugestimmt, aber
jeder Juso muß da persönlich entscheiden, weil solche Aktionen
zivilen Ungehorsams größere rechtliche Risiken aufwerfen."
Und w e r wirft auf, was die Jusos nett "Risiken" nennen? Doch
wohl Krönings Polizeiknüppel und die Gerichte des Bremer Senats!
Damit rechnen die Jusos. Aber hinterher wird sich jeder verbeulte
Blockadeur voll auf die Jusos verlassen können. Dann werden sie
wieder als Kritik die verlogene Enttäuschung vorplärren, so was
passe nicht zu einem sozialdemokratischen Polizeiminister. Wie
jetzt nach Garlstedt:
"Statt sich empört zu zeigen über den brutalen Einsatz der nie-
dersächsischen Polizei in Garlstedt anläßlich des diesjährigen
Ostermarsches, bedauert der Bremer Innensenator die gewaltfreien
Aktionen der Friedensbewegung vor der US-Kaserne."
Drittens: Die Jusos sind auch total gegen "Frauen in der Bundes-
wehr" - und zwar so:
"Dies Emanzipation zu nennen, sei schlicht schizophren:
'Gleichzeitig schränkt die CDU auf allen anderen Gebieten die
Selbstbestimmung der Frau ein.' Erst wenn Frauen in anderen ge-
sellschaftlichen Bereichen die gleichen Chancen hätten wie Män-
ner, könnte man solches Gerede ernst nehmen."
Merke. Bei der CDU ist die Lüge, die Verpflichtung zum Kriegs-
dienst sei Emanzipatio eine Lüge. Die Jusos nehmen sie erst
"ernst wenn die Frauen ü b e r a l l in die gleiche Scheiße wie
die Männer geritten werden.
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