Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 63, 16.11.1982
       
       Bremen aktuell
       

ZWEI WOCHEN "KLASSENKAMPF VON UNTEN" - A LA SPD!

"Gesellschaftspolitisch ist die vielgefeierte Wende allerdings eindeutig: Es ist die Wende zum Klassenkampf von oben nach unten und zur Umverteilung von unten nach oben." (Beifall bei der SPD) (EHMKE zum Regierungswechsel) Gegen den Bonner "Rechtskurs" gehört sich das "Linksbündnis", sagt die Opposition neben der SPD und meint die SPD. So ist das ja auch vorgeschrieben. Auf jeden Fall hat die SPD ihr Bestes da- für getan, daß sie diese Art kritischer Unterstützung kassiert, wie zwei Wochen Regierungspolitik dieser Partei in Bremen zeigen. Daß nicht sie, sondern die Christliberalen in Bonn das Schicksal der Nation befehlen, ist wirklich nicht unbedingt nötig. SPD und Zimmermann: ------------------- Mehr Liberalität - für die Bedürfnisse der Polizei -------------------------------------------------- "Todesschuß wird nicht geregelt." Diese Lüge verbreitet der WE- SER-KURIER (11.11.) Über den SPD-Entwurf für ein neues Bremer Po- lizeigesetz. Einen eigenen Paragraphen für die Liquidierung von Staatsbürgern durch die Polizei haben die politischen Drahtzieher des inneren Gewaltapparates nämlich schlicht für ü b e r- f l ü s s i g befunden. Schließlich haben sich die Politiker die Polizei als Exekutivorgan ihrer G e n e r a l ermächtigung geschaffen, über Tod und Leben ihrer Untertanen zu entscheiden. Die Letzteren auch gegen ihren Willen in die Bahnen staatlicher Rechtsvorschriften zu zwingen, ist die polizeiliche Pflicht, Gewalt gegen die Leute folglich d a s Mittel ihres Berufs. Die Instrumente dazu sind die Waffen, die jeder Polizist ständig mit sich führt und an denen er bestens ausgebildet ist - wozu sonst als zu ihrer Anwendung? Die haben die sozialdemokratischen Rechtspolitiker konsequenterweise dem professionellen E r m e s- s e n von Polizisten freigestellt und nur eine Ausnahme kodifiziert, die die Regel garantiert nicht stört. "Auf Kinder darf nicht geschossen werden", will sagen, Mit denen wird man ja wohl auch so fertig. Gelassen meinten die SPDler, daß im übrigen die vorhandenen Bestimmungen ausreichen und dachten dabei z.B. an das "Recht auf Notwehr und Nothilfe". Das liegt nämlich im Prinzip immer auf Seiten der Polizei vor, weil ihre Gewaltanwendung r e c h t e n s, jede Gegenwehr des Verfolgten folglich als nackte, weil unerlaubte G e w a l t dingfest gemacht ist. Aus dieser Liberalität heraus ist auch der Begriff der "öffentlichen Ordnung" gestrichen worden, auf deren "Schutz" das noch geltende Gesetz die Polizei festlegt. Das hielten die Refor- mer für einen "alten Zopf aus vordemokratischen Zeiten". Als eine einzige Beengung gilt der modernen "Obrigkeit" nämlich, wenn auch nur der Anschein erweckt wird, als "schütze" die Polizei irgend- welche anderen - "öffentliche" - Anliegen, als die staatlichen Rechtsvorschriften und sich, den Gewaltapparat. Was die grünen Ballermänner sich bisher für den "Schutz des Rechts" an Freiheit ihrer T a t e n herausgenommen haben, erhält die entsprechende Freiheit qua Recht an die Seite gestellt - damit nicht immer erst eine etwas umständliche "Rechtsgrundlage" gebastelt werden muß: "Ferner möchte die SPD der Polizei das Recht einräumen, im Rahmen der vorbeugenden Verbrechensbekämpfung Kontrollen durchführen zu dürfen. Bislang geschieht das zwar auch schon. Diese werden je- doch mangels rechtlicher Grundlage meistens als Verkehrskontrol- len durchgeführt. SPD gegen Blüms Sozialabbau: Das Geld ist da - ---------------------------------------------- Die Armen sollen zahlen, die Reichen abschreiben! ------------------------------------------------- Straßenbahnen und Busse z.B. Die sind eine echte Sozialleistung für Leute, die zur Arbeit müssen und sich das Auto dafür nicht leisten können. Hin müssen sie aber, also müssen sie sich für Fahrkarten mehr leisten können - hat der Senat beschlossen. So was Soziales kann man doch nicht abbauen! Sozialwohnungen z.B. Ganz sozial hat der Staat dafür gesorgt, daß Vermieten auch an Leute lohnt, die einen Wohnsitz brauchen, um von Betrieben angestellt oder vom Arbeits- und Sozialamt abgefer- tigt zu werden, sich die Ware Wohnung von ihrem Einkommen aber gar nicht leisten können. Weil sie aber Sozialwohnungen b r a u c h e n, müssen sie auch mehr zahlen können, hat der Se- nat beschlossen. Und dieser Beschluß: "Diese Anhebung... beruhe auf gesetzlichen Zinserhöhungen für öf- fentliche Baudarlehen und der Kürzung von Zins- und Tilgungshil- fen." (WESER-KURIER 6./7.11.) "beruht" - auf dem Beschluß des Senats, auch aus diesem Sozialti- tel mehr zu kassieren. Das ist sozial, erstens weil Bremen kas- siert, und zweitens: "Um manchen Mietern die Erhöhung nicht als einen unliebsamen Weihnachtsgruß ins Haus zu schicken, wollen die Unternehmen teil- weise erst zum 1. Februar und 1. März zur Kasse bitten." Übrigens: Die staatliche Wohnungspolitik ist auf die Befriedigung des Bedürfnisses nach einer Wohnung gar nicht aus - was Sozial- wohnungen auch anzusehen ist! Deshalb entscheidet die Kalkulation eines Wohnungssuchenden, ob er sich eine frei finanzierte Wohnung leisten kann oder sich eine Sozialwohnung leisten muß, auch nicht, daß er schließlich bekommt, was ihm sein Geldbeutel dik- tiert: eine billigere Sozialwohnung. Das ist immer noch eine Frage der staatlichen Bemessung für den B-Schein. Und die hat der Senat so angesetzt, daß er jetzt "Fehlbeleger" entdecken kann. Doch halt, diese werden ja nur zusätzlich getroffen "von der Bremer Fehlbelegungsabgabe, die für mehr Gerechtigkeit (!) bei den Sozialmieten sorgen soll. Ja dann ist das ja glatt Sozial a u f bau! Altenpflegeheime z.B. Die sind ein schwerer Sozialfall, weil bei kaputten Rentenempfängern nichts zu holen ist, was der Staat nicht lieber gleich in seinen Kassen behält. Aber der SPD ist et- was eingefallen: "'Listige' Finanzkonstruktion für neues Altenpflegeheim. ... Wie Senatsdirektor Dr. Hans Christoph Hoppensack vom Senator für So- ziales gestern erklärte, soll der fast 15 Millionen Mark teure Neubau... von einer Investitionsgesellschaft über ein sogenanntes Bauherrenmodell finanziert werden - ein Novum für Bremen. (WESER- KURIER vom 11.11.) Der Senat schreibt die kaputten Alten ab, aber abgestellt werden müssen sie schon irgendwo. Das ist sozialstaatlich. Warum - so muß er sich gedacht haben - aus den toten Kosten des Kapitalismus nicht ein Abschreibungs g e s c h ä f t machen. Bleibt nur ein Haken: "Gegenstand der Beratung für die SPD-Bürgerschaftsabgeordneten sind die Folgekosten. Immerhin können nur wenige Rentner und Pen- sionäre die Pflegesätze von derzeit täglich 125 Mark selbst be- zahlen, zumal (!) keine Krankenversicherung einspringt." Der Rentner kann nicht, der Senat will nicht, die Krankenkasse soll nicht einspringen. Also: her mit dem Geld für die "Folgekosten" eines rentierlichen Abschreibungsgeschäfts. Der So- zialstaat wird schon wissen, an wen er sich da hält! SPD gegen Lambsdorffs "Unternehmerstaat": ----------------------------------------- "Nun lohnen sich Millionenobjekte. Industriehafenschleuse fertig: Großunternehmen reagierten mit Ausbaumaßnahmen." (WESER-KURIER vom 22.11.) Ein Problem aber haben die Bremer Sozialdemokraten. Wie entfes- selt man den "Klassenkampf von unten" aus der Landesregierung heraus gegen d a s Bonner Ressort? Doch, auch da ist ihnen et- was eingefallen: SPD gegen Wörner: "Kaserne nach Erler benennen!" ------------------------------------------------ Das ist ein Schlag gegen die Schwarzen! In seiner Art, nur an die "oben" zu denken, würde der Wörner doch glatt die Mobilisierung des Kanonenfutters unten vergeigen. Das will am Kasernentor we- nigstens den Namen eines Führers der Arbeiterbewegung sehen. Ir- gendwas muß ja auch die zu verteidigen haben. "Erler, der 1967 gestorben war, hatte sich in den fünfziger Jah- ren zum fahrenden militärpolitischen Sprecher seiner Partei ent- wickelt und war zum Verfechter einer klaren Verteidigungspolitik im Rahmen der NATO geworden." (WESER-KURIER, 10.11.) Klasse, der Mann! - Die schöne O p p o s i t i o n s tradition der SPD, Kaiser Wilhelm mit einem "Burgfrieden" in den Ersten Weltkrieg zu begleiten, hat er gleich nach dem Zweiten fortge- setzt mit einer kräftigen Opposition für den BRD-Weg in die NATO. Wenn so eine Opposition nicht zur F ü h r u n g ermächtigt! zurück