Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN SPD - Von den noch besseren Deutschen


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       Die SPD und der Staatsvertrag
       

LAFONTAINE BESSERT GROSSDEUTSCHLAND NACH

Die Regierung Kohl ist mit ihrem Vertrag zur Eingemeindung der DDR sturzzufrieden. Sie findet sich einfach unnachbesserlich und ruft sich selber ein einstimmiges "Hurra" zu. Das macht die SPD unzufrieden. Nicht daß sie was gegen den Anschluß der DDR hätte - ein neues Großdeutschland, das finden die Sozis auch Klasse. Sie möchten nur gerne selber an der Spitze der europäischen Führungs- macht stehen. Damit ist das Oppositionsprogramm der SPD im deutschen Wahljahr 1990 klar: Lafontaine und seine Mannschaft denken sich lauter demokratische Billigheimer aus, mit denen sie gegen Kohl anstinken wollen, ohne den Inhalt seiner Politik zu kritisieren. Der Hauptschlager heißt: "Die CDU vernachlässigt bei ihrem An- schlußprogramm die soziale Frage". Das ist erstens gelogen. Denn die "soziale Frage" wird bei der Einführung der D-Mark drüben keineswegs vergessen, sie wird damit dort gerade geschaffen. Eine ordentliche Marktwirtschaft produziert jede Menge Sozialfälle, die eine kostengünstige Verwaltung brauchen. Das haben die christlichen Sozialpolitiker durchaus bedacht und beschlossen, das bewährte bundesdeutsche "soziale Netz" in ihre neuen Ostge- biete auszudehnen. Zweitens will ein Lafontaine selbstverständ- lich rein gar nichts gegen "soziale Kosten" eingewandt haben. Er will bloß x-mal darauf hingewiesen haben, daß der Kanzler die "notwendigen Kosten der Einheit" seinem Volk angeblich nicht ehr- lich genug gesagt hätte. So nach dem Motto: Die SPD ist einfach unschlagbar in Sachen Sozialstaat. Sie sorgt nicht nur für Sozi- alfälle, sie sagt auch immer schonungslos, daß die Größe der Na- tion ohne Armut beim Fußvolk nicht zu haben ist. Daneben kann man als verantwortlicher Sozialdemokrat gar nicht oft genug vor dem "gefährlichen Tempo der deutschen Einigung" warnen. Angeblich mißachten Kohl und Co. nämlich jede Geschwin- digkeitsbegrenzung für nationale Eroberungsfeldzüge und "über- fahren dabei rücksichtslos die (ost) deutschen Bürger". Welche Programmpunkte des christlich-sozialen Einigungsprogramms die SPD dem deutschen Volk in Ost- und West ersparen möchte, darf man natürlich nicht fragen. Das nationale Projekt findet sie ja insgesamt voll in Ordnung. Bleibt eigentlich bloß die Frage: Warum ein angeblich begrüßenswertes Volksbeglückungs-Programm dadurch schlecht werden soll, daß es schnell durchgezogen wird - oder umgekehrt, wieso der behauptete Schaden für die Betroffenen dadurch keiner mehr ist, weil derselbe Mist langsamer eingeführt wird? Aber solche Fragen haben in einem reifen demokratischen Parteienstreit wirklich nichts zu suchen. Eine "Nachbesserung" des Vertragswerks zur deutschen Einigung, die Forderung war sich die Lafontaine-Mannschaft einfach schul- dig. Und jeder hat sofort verstanden, wie sie gemeint war: Das deutsche Einigungswerk braucht den Duft der SPD, sonst nervt der Kohl hinterher im Wahlkampf ewig damit, daß er es ganz alleine vollbracht hat. Und damit der Kohl nicht damit nerven kann, die Sozis hätten die "deutsche Einheit verzögert", werden lauter "Verbesserungen" eingeklagt, die auch der hinterletzte Reaktionär von der CSU nicht als "undeutsch" entlarven kann: Die frischge- backene Privatwirtschaft in der Ostzone soll konkurrenzfähig wer- den - das ist doch wohl Sinn und Zweck der "Wirtschaftsunion". Die "Umweltproblematik" muß berücksichtigt werden - dagegen hat sowieso kein Schwein etwas, und ein gesamtdeutsches Umweltrecht hat der Töpfer längst in der Schublade. Noch einen ganz heißen Tip für die Bundesregierung hat die SPD: Sie soll bloß nicht ver- gessen, die Konten der alten SED-Obrigkeit im Zuge der DM-Umstel- lung zu enteignen. Man weiß ja nie, am Ende hätten die Kom- munistenfreunde von der CDU das glatt vergessen! Und damit endgültig niemand den unentbehrlichen Anteil der SPD an der deutschen Einheit übersehen kann, hat Lafontaine sich ein ungeheuer trickreiches Abstimmungsverfahren für seine Fraktion ausgedacht. Im Bundestag stimmen alle aufrechten Sozis gegen den "Kohlschen Alleingang", von den Nein-Stimmen der SPD hängt da nämlich praktisch sowieso nichts ab. Im Bundesrat dagegen, da hat die SPD seit kurzem die Mehrheit - und deshalb stimmen dort alle aufrechten deutschen Sozialdemokraten für ihr "einig deutsches Vaterland". So schön ist Politik eben nur in einer echten Demokratie: Jeder durchschaut die Manöver der konkurrierenden Parteien; jeder weiß, die Herrschaften streiten sich bloß um eines: Wer von ihnen das längst feststehende nationale Programm durchziehen darf. Und ge- nau da hat der freie Wähler die völlig freie Auswahl - ob ihm ein Gesamt-Deutschland mit einem großen dicken Kohl oder mit einem kleinen dicken Lafontaine an der Spitze besser gefällt. *** Deutschland für die D-Mark - D-Mark für Deutschland --------------------------------------------------- Der Staatsvertrag ist unterzeichnet; die Nation wird größer, rei- cher, stärker; von oben ist Jubel angesagt. Und was treibt das Volk? Es rechnet herum, nach Vorteil und Nachteil. - Das stört die Regierung. Denn vom Volk will sie in dieser Stunde des natio- nalen Triumphes ein Hurra! ohne Wenn und Aber. Das Berechnen er- ledigt s i e. Dabei rechnet und berechnet das geehrte Volk, in West und Ost, doch sowieso gar nicht vernünftig, sondern ganz verkehrt. Ausgerechnet am Geld toben Zonis und Wessies ihren Glauben an die n a t i o n a l e G e r e c h t i g k e i t aus: den Glauben, sie hätten ein a l l e i n i g e s (West) oder a u c h e i n (Ost) gutes deutsches Recht auf einen DM-Reichtum, den sie in Wirklichkeit gar nicht besitzen. Dabei übersieht das gute Volk ein wenig, daß mit der D-Mark nur e i n Recht verbunden ist. Nämlich das Recht derer, die genug davon haben, sie gewinnbringend zu benutzen. Also das restliche Volk dafür arbeiten zu lassen. zurück