Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN PRAESIDENT - Vom Amt des Bürgerkönigs
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HUMANISMUS PUR
"Der Sozialismus hat zur Zeit keine Konjunktur. Aber ob er seine
Funktion als Pendant zum Kapitalismus definitiv beendet hat,
bleibt abzuwarten. Er hat Entscheidendes zur Kritik und damit zur
Korrektur von Auswüchsen des lernfähigen Kapitalismus beigetra-
gen. Mit dieser Rolle wäre es erst dann zu Ende, wenn es endgül-
tig nichts mehr zu kritisieren und zu korrigieren gäbe. Wer aber
will das im Ernst behaupten? Wir bleiben auf nüchterne Einsichten
in Stärken und Schwächen des Marktes dringend angewiesen."
(R. v. Weizsäcker, "Süddeutsche Zeitung" vom 27./28.1.)
Sagen wir doch schon immer, Herr Präsident! Ohne kommunistische
Kritik gibt's statt "nüchterne Einsichten" nur Dummheit und Ge-
meinheit allenthalben. Sieht man ja auch an Ihnen. Aber wahr-
scheinlich glauben Sie auch noch selbst, daß es Sie ehrt, der
praktischen Erledigung des "Sozialismus" auswärts - bei der nicht
zuletzt der Staat tatkräftig mitgewirkt hat, dem Sie vorstehen -
eine großmütige Geste nachzuschicken. Vermutlich haben Sie ja nur
vergessen, daß die Demokratie bei Ihnen daheim in bezug auf kom-
munistische "Einsichten" ausschließlich e i n e n Erkenntnisbe-
darf entwickelt hat - nämlich den des Sammelns von
"Erkenntnissen" über die, die sich beim "Kritisieren" auffällig
gemacht haben; und die stehen auszugsweise im jährlichen
Verfassungsschutzbericht. Oder wissen Sie womöglich nichts davon,
daß die "Lernfähigkeit" der Demokratie in Sachen "Korrektur von
Auswüchsen" einzig die Maßnahmen zur Ausmerzung des Kommunismus
betrifft?
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Veranstaltung Datum: 01.01.1988, Ort: Erlangen
Dozent: Peter Decker, Dauer: 1:18:52
Veranstalter: unbekannt
Thema: Kritik des Humanismus
Theorie des Humanismus: vom 'Mensch als Maß' zum Rigorismus huma-
nistischer Menschenbilder - Praxis des Humanismus: die Predigt
des Respekts vor dem geschädigten Subjekt - Humanismus der Wis-
senschaft - Menschlichkeit i.d. Politik - Humanisten/Kommunisten
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