Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN PRAESIDENT - Vom Amt des Bürgerkönigs
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WAS GUTE DEUTSCHE IN WEST UND OST JETZT TUN MÜSSEN
Fleißig arbeiten, richtig wählen, am Stammtisch dumm daherreden,
zur Nationalmannschaft halten, der Polizei nicht in die Quere
kommen?
Falsch geraten. Die vordringlichste Aufgabe der Deutschen besteht
darin, "die Teilung zu überwinden".
Mancher bildet sich ein, das wäre doch spätestens am 3. Oktober
passiert. Das war aber noch gar nichts - hat Bundespräsident v.
Weizsäcker bei seiner Ansprache am Brandenburger Tor festge-
stellt. "Wirkliche Einheit" gibt es nur, "wenn die Teilung in den
Herzen und Köpfen der Menschen überwunden ist" - sagte er. Wie
macht man das?
Deutsche/West müssen Herzen und Köpfe anstrengen, um das
"Teilen"
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hinzukriegen. Sollen sie den Geldbeutel herausziehen und den Os-
sis was spendieren? Freiwilliger Arbeitseinsatz in Leipziger
Mietwohnungen oder Lebensmittelpakete für verarmte Rentner? Nein,
die Wessis brauchen sich die Köpfe nicht zu zerbrechen, und Herz-
lichkeit ist auch nicht verlangt - die bundesdeutsche Obrigkeit
erledigt das für sie: Steuern rauf, Krankenkassenbeitrag rauf,
Benzin teurer usw. Der Staat kennt genügend Methoden, ans Geld
seiner Bürger zu kommen. Von wegen also, man würde "teilen" - der
Geldbeutel wird geschröpft, das ist alles. Allerdings sagen Poli-
tiker in offenherzigen Momenten schon selber, daß es genau so ge-
meint ist - aber dann immer mit dem Zusatz, es handele sich um
"ein notwendiges Opfer für die Landsleute". Das ist freilich ge-
nau so gelogen: Es handelt sich um eine Aufbesserung der Staats-
kasse. Die ist nicht deswegen strapaziert, weil der Staat den Os-
sis lauter Wohltaten zukommen lassen will, sondern weil er in den
neuen Ostgebieten seine Herrschaft in derselben Weise wie hier
etablieren will. Damit der erfolgreiche Zugriff des Kapitals auf
Land und Leute und die staatliche Verwaltung der damit einherge-
henden Armut funktionieren - dafür haben die Lohnsteuerzahler,
Sozialversicherten, Autofahrer ihren zwangsmäßigen Obulus abzu-
liefern.
Von den Deutschen/Ost scheint da mehr Einsatz von Kopf und Herz
verlangt zu sein. Sie müssen nämlich jetzt
"Eigeninitiative"
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zeigen. Weil das angeblich erstens der überhaupt hervorstechend-
ste Charakterzug eines Westbürgers und zweitens sauschwer zu er-
lernen ist, wenn er drittens vom SED-Regime 40 Jahre lang brutal
unterdrückt wurde, gibt der Bundespräsident den Ossis eine Hand-
reichung, was darunter zu verstehen ist: "Umlernen, umstellen,
umziehen, suchen, neu anfangen."
Aber auch sie brauchen sich nicht groß den Kopf darüber zu zer-
brechen, was sie lernen sollen, wie sie sich umstellen sollen,
wohin sie umziehen sollen, was sie suchen sollen. Das bleibt näm-
lich gar nicht ihrer Eigeninitiative überlassen. Das legen ihre
neuen Lebensverhältnisse ganz von selber fest - genauer: die
neuen Arbeitgeber, die Sozialhilfeverwalter, Arbeitsmarktberater
usw. Die Deutschen/Ost brauchen nur - m i t z u m a c h e n.
Also ungefähr haargenau dasselbe wie die Deutschen/West.
So gehört zusammen, was zusammenwächst.
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