Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN PRAESIDENT - Vom Amt des Bürgerkönigs


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       Alle Welt  meint, man  verdient, was  man verdient,  wegen seiner
       Leistung. Das ist falsch.
       
       Warum verdient wer wieviel?
       

DER BUNDESPRÄSIDENT

40 Jahre alt und Deutscher muß einer sein, der diesen Beruf anstrebt. Das sind nicht gerade exklusive Zugangsvoraussetzungen. Ein Blick auf die Bezahlung jedoch verrät: Hier geht es um etwas Besonderes. Runde 20 Mio. DM im Jahr schüttet die BRD für dieses einzigartige Amt aus. Einzigartig ist der Job schon darin, daß er konkurrenzlos ist. Diesen Arbeitsplatz gibt es jeweils nur ein- mal, und für mindestens 5 Jahre ist er garantiert. Dies führt ganz zwangsläufig dazu, daß es nur sehr wenigen - bisher insge- samt 6 - gelungen ist, diesen Arbeitsplatz zu besitzen. Beharr- lich hält sich deswegen das Gerücht, wer dieses besondere Amt er- hält, muß auch was Besonderes sein. Angesichts der "Persönlichkeiten" der bisherigen Amtsinhaber ist das verwunder- lich. Diesen Job kann ein tattriger Schussel genauso ausfüllen wie eine singende Frohnatur. Die Leistung, die der Präsident zu erbringen hat, besteht nämlich darin, daß es ihn gibt. Das A m t garan- tiert es schon, daß sein Repräsentationsauftrag gelingt, deut- schen Reichtum und Machtfülle darzustellen. In Luxuslimousinen herumgefahren werden, auf Banketten Kaviar und Schampus verko- sten, in Villen mit Schwimmbad, Sauna und Bar Gäste empfangen usw. erhält jene besondere nationale Note nicht durch den Charme eines alternden Patrioten, sondern weil es der Herr Bundespräsi- dent ist, der sich da die luxuriöse Ehre gibt. Und d e m steht der Luxus auch zu; sonst könnte er ihn ja gar nicht repräsentie- ren. Andererseits muß der Inhaber das Amt mit seiner ganzen Person ausfüllen, er muß im Luxus des Repräsentierens l e b e n. Die Aufteilung Arbeitszeit - Freizeit gibt es für ihn nicht. Er ist nie mehr bloß Walter, Karl oder "Ritschi", sondern immer das bun- desdeutsche Aushängeschild. Dafür braucht er jedoch sein Privat- leben nicht aufzugeben, sondern er muß es öffentlich machen. Die Besonderheit des obersten Deutschen zeigt sich eben allüberall. Vor der Klotür des Präsidenten darf folglich die Präsentation des Luxus nicht enden; alles, was fein und teuer ist, gehört sich für sein staatliches Privatleben. (Eine Gefahr dabei ist gering: "Persönliche Bereicherung" heißt das bloß im Osten, wenn der Amtsinhaber in Ungnade gefallen ist.) Natürlich muß unser Vorsit- zender mit dem Auto zum Friseur chauffiert werden, damit das oberste deutsche Haupt korrekt gescheitelt daherkommt. Seine Mar- got muß er dementsprechend ausstaffieren. Seine Gemütsregungen sind auch keine rein privaten mehr. Auch da muß er sich nicht ändern, sondern darauf achten, daß ein Fotograf in der Nähe ist, wenn er Hund oder Frau streichelt. Ob er das macht, weil die beiden schön und treu sind, oder weil gerade die Presse da ist, ist egal. In die Zeitung kommt das Bild deswegen, weil er der Präsident ist. Am meisten ist er Präsident, wenn er ganz Mensch ist. Seine Marotten - das einzige, was ihn neben sei- nem Aussehen von seinen Vorgängern unterscheidet - darf er kei- nesfalls verstecken, er muß sie richtig ausleben. Durch den Wald latschen, Zigarren rauchen, Bücher lesen, volksdümmliche Lieder singen oder schöne Reden schwingen sind bei ihm keine Freizeitak- tivitäten, sondern berufliches Menscheln für Deutschland: Man sieht, der höchste Deutsche ist auch nur ein Mensch wie Du und Ich. Das freut das Untertanenherz; das Volk will ihn ja auch richtig gernhaben. Zu festgelegten Jahrestagen hält er eine bedeutende Rede. Die ist schon deswegen bedeutend, weil e r sie hält. So braucht es auch gar nicht verschwiegen zu werden, wenn sie ein anderer ge- schrieben hat. Dabei geht es immer nur um das Eine: alles loben, was d e u t s c h ist und was sich für D e u t s c h e ge- hört: - das Grundgesetz, weil es uns so hohe deutsche Ziele setzt, - die deutschen Machthaber, daß sie sich diesen schwierigen und bedeutsamen Aufgaben annehmen, - die deutschen Untertanen, daß sie sich dafür in Dienst nehmen lassen, - die heutige Zeit, weil sie uns das überhaupt miterleben läßt, - und uns alle zusammen, wenn wir Deutsche dafür außer Dankbar- keit keinen weiteren Lohn erwarten. Gelingt es dem Amtsinhaber, diesen schwierigen Zusammenhang 365mal im Jahr in immer wieder neue Worte zu kleiden, und so, daß es jedesmal nach Weihnachten klingt, dann ist der Mann uner- setzlich; schließlich ist er dann der "Stolz der Republik". Und ist d a s mit Gold überhaupt aufzuwiegen? zurück