Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN PARTEIEN - Vom Beruf des Politikers


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       Wochenschau
       

DIE PARTEIENFINANZIERUNG

ist nun doch noch einigermaßen ins öffentliche Gerede gekommen. Der SPIEGEL hatte ja bereits vor etlichen Wochen enthüllt, daß sämtliche Bundestagsparteien schon jahrelang ihren Kassen hübsche Sümmchen zuführen durch Praktiken, die unter den Straftatbestand der Steuerhinterziehung fallen. Dieser journalistischen Großtat zum Trotz wollte aus dem Thema keine rechte Affäre werden. Die Öffentlichkeit, die heutzutage wie eine Eins hinter der Politik steht, hielt es, offenbar nicht für skandalträchtig, daß die po- litischen Parteien, die im Parlament die Gesetze machen, sich auch mal über ihre Gesetze hinwegsetzen, wenn es um finanzielle Voraussetzungen dafür geht, daß ihre Leute gewählt werden. Die demokratischen Politiker konnten darauf bauen, daß ihre Unterta- nen zu Beginn der 80er Jahre geschlossen hinter den Führern der Nation stehen, und reagierten ziemlich gelassen. Wenn alle Par- teien, so hieß es von ihrer Seite, zu ihrer Finanzierung Gesetze übertreten müßten, dann gehört selbstverständlich nicht die Ge- setzesübertretung geahndet, sondern die Gesetze geändert. Wofür sind es schließlich die Politiker, die die Gesetze erlassen? Eine Grundgesetzänderung zwecks bequemerer Parteienfinanzierung war im Gespräch. Und man kann wirklich nicht behaupten, daß eine solche dem Geist des Grundgesetzes widerspräche; schließlich sind darin die Parteien ausdrücklich mit der politischen Willensbildung be- auftragt. Letztendlich einigten sich die Fraktionsvorstände der Bundestagsparteien darauf, in der letzten Bundestagssitzung vor Weihnachten per Gesetz eine Amnestie für die einschlägigen Rechtsbrüche durchzuziehen. Daß jetzt doch noch so etwas wie ein Skandälchen aus der ganzen Geschichte geworden ist, liegt daran, daß die SPD-Fraktion ur- plötzlich ihr politisches Gewissen entdeckte und besagter Amne- stie nicht zustimmte. Die parlamentarischen Saubermänner aus den Reihen der Sozialdemokratie hatten offenbar registriert, daß ihr Verein im Verhältnis zu seinen Rivalen weniger auf dem Kerbholz hat, und vor allem, dafür auf der Gegenseite der smarte Leisler Kiep ziemlich in die Sache verwickelt ist, von dem die SPDler be- fürchten, daß er demnächst ihrer Partei den Posten des Hamburger Politikerchefs abnehmen könnte. Seither verkaufen sie dieses ihr politisches Kalkül als die volksnahe Sorge, daß der "kleine Mann" und der Politiker vor dem Gesetz gleichbehandelt werden. Das hindert sie nicht daran, gleichzeitig ein Gesetz auszuarbei- ten, das den Betrag, den erfolgreiche Parteien pro Wählerstimme aus Steuergeldern erhalten, von DM 3,50 auf 4 DM heraufsetzt. Der Staat spart eben nie am falschen Platz. Unterdessen erklärt die ermittelnde Staatsanwaltschaft, sie wisse noch lange nicht, ob ihre Ermittlungen in Sachen Steuerhinteriehung zu strafrecht- lich bedeutsamen Ergebnissen führen würden. zurück