Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN CDU/CSU - Von den C-Parteien


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       Gott mit Dir, Du Freistaat Bayern -
       

STRAUSS HIN...

49 Tage nach dem Tode des Großen Vorsitzenden und Steuermanns Franz Josef Strauß müssen wir feststellen, daß nichts von dem eingetreten ist, was seine Nekrologen an düsteren Prophezeiungen über den Freistaat Bayern, über die Bundesrepublik Deutschland, ja sogar über die komplette Freie Welt herbeiorakelt haben. Alles geht weiter. Niemandem fehlt er. Die Arbeiter arbeiten, die Bauern machen pleite, die Studenten glauben alles, was sie wissen müssen, die Schüler wollen nicht sitzenbleiben, die Kapitalisten unternehmen was, das Fernsehen sendet Unterhaltung mit Politik bzw. Politik zur Unterhaltung, der Freistaat Bayern baut in Wackersdorf, Stoiber bekämpft die "Asylantenflut"... Und selbst auf seinem Posten ist der "unersetzliche" FJS ersetzt worden. Und das gleich doppelt. Z u r e i n e n H ä l f t e mit Streibl, der mit dem Amt auch gleich den demokratischen Per- sonenkult um den Landesvater geerbt hat, ohne daß die Konjunktur für Strauß-Ikonen deshalb groß nachgelassen hätte. D i e a n d e r e H ä l f t e wurde am Wochenende inthroni- siert: ...Waigel her! -------------- Diesen Mann wollten die Drahtzieher in der CSU als neuen Partei- vorsitzenden vor allem deswegen, weil sie seinen Konkurrenten Ge- rold Tandler nicht wollten. Keine leichte Wahl. Was die "Qualifikation" betrifft, so standen sich beide nämlich in nichts nach: Als er noch lebte, sind sie sich gelegentlich im Arsch des Großen Vorsitzenden begegnet, also "prinzipientreue" und "loyale" Repräsentanten der Union in Bayern. Waigel "kann" auch mit Kohl, was nicht heißt, daß er nicht die spezielle CSU-Tour draufhat, gelegentlich Kanzler und Regierung von so weit rechts zu kriti- sieren, daß jeder Reaktionär und jeder Revanchist auf seine Ko- sten kommt. Das heißt dann, "den äußersten rechten Flügel mehr- heitlich im parlamentarisch-demokratischen Lager zu halten" (Frankfurter Rundschau). Blieb für Waigel neben dem "Problem", daß er "as Schwabe" einer "altbayerisch profilierten" Partei vorsitzt, nur noch eines der (Stimm-)Arithmetik. Was für d e n F ü h r e r weiland die Zahl jubelnder Volksgenossen beim Aufmarsch war - woran jeder Demokrat den "totalitären Charakter" von Volksdemokratien erkennt -, das mußte dem Waigel ein perfekt inszenierter CSU-Parteitag bestäti- gen: die Geschlossenheit und den widerspruchslosen Rückhalt sei- nes Parteifußvolks. V o r der Wahl forderten die Experten vom "liberalen Weltblatt" aus München "mindestens 90%" für den Waigel, damit er "glaubwürdig" das Erbe des FJS antreten und verwalten kann. N a c h der Wahl gab sich Waigel "erschüttert" ob eines Ergeb- nisses von 98,3%. Josef Stalin hatte das erst im vierten Anlauf geschafft. Und jetzt? Jetzt gab sich auch die "Süddeutsche Zei- tung" (vom 21.11.) "kritisch" und fantasierte etwas von "Theo Waigels Hypothek" im Leitartikel zusammen. Die soll darin beste- hen, daß "eine Harmonie vorgespiegelt wird, die in Wahrheit auch in der CSU so nicht vorhanden ist, und es wird dem Neugewählten eine Hypothek auferlegt, an der er noch stark zu tragen haben wird". Schwer einfühlsam, dieser liberale Journalismus. Daß et- waige Differenzen in der CSU "mehr persönlicher als programmati- scher Natur" sind, daß also eine demokratische Partei ein einzi- ger Intrigenklüngel ist, in dem der Parteivorsitzende auf die an- deren Postenjäger schwer aufpassen muß - das stellt für mitden- kende Staatsbürger eine schwere, aber schöne Aufgabe dar. Übri- gens: Das einzige "Problem", das Waigel wirklich mit seinen 98,3% hat, sprach der neue Vorsitzende mit der ihn kennzeichnenden "Sachlichkeit" und seinem "scharfen Verstand" sofort in die hin- gehaltenen Mikrophone: "Es wird schwer sein, dieses Ergebnis zu wiederholen." Der Mann hat Sorgen. zurück