Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN CDU/CSU - Von den C-Parteien
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Bonner Charaktere: Dr. Alfred Dregger
STAMMTISCHGESINNUNG IN FÜHRENDER POLITISCHER STELLUNG
Vor kurzem ist Alfred Dregger ins Gerede gekommen. Dabei hat er
nur offen und deutlich gesagt, was seine Freunde im Regierungsla-
ger im Grunde genauso sehen: Die Bundesrepublik ist doch nicht
auf den Besuch Honeckers angewiesen. Also nicht zu viel Ehre für
den Statthalter "unseres" zweiten deutschen Staates. So ein Be-
such ist "nur Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck". Deshalb hat
ihm der gezielte Gebrauch der demokratischen Meinungsfreiheit
keine Rüffel und auch keinen Schaden eingebracht. Die Christdemo-
kraten wissen schon, was sie an dem strammen Patrioten haben, der
seine Führernatur nicht zu verbergen sucht und dessen Intelligenz
alle Register des gesunden Volksbewußtseins umfaßt.
Stammtischfaschismus ist ein Charakterzug dieses Menschen, der
betont männlich-soldatisch auftritt. Er sagt nämlich von sich,
daß er "sagt, was er denkt" und sich "nicht anpaßt". Wie Ekel Al-
fred gibt er ehrlich zu, daß mit behelmten Demonstranten, Vorle-
sungsstörern, Hausbesetzern und anderem extremistischen Schweins-
kram nur eins zu machen sei, kurzer Prozeß. Die Sozis haben für
Dregger unübersehbar gefährliche Krankheitskeime in der vormals
sauberen Ordnung wuchern lassen:
"Erinnern wir uns: In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Kriege
war man in Deutschland opferbereit. Man tat seine Pflicht, man
gebrauchte seine Freiheit in Verantwortung und besaß eine Vor-
stellung davon, wie die Kinder erzogen, zu tüchtigen Menschen und
- ohne daß man sich dessen bewußt war - damit zugleich auch zu
tüchtigen Staatsbürgern gemacht werden konnten. Das blieb nicht
so."
Ein solch erwünschtes Volk von strammen Untertanen hält sich na-
türlich von ausländischen Massen frei. Alfred Dregger hat nichts
gegen Ausländer ("...beachten wir nicht nur die berechtigten In-
teressen der Ausländer..."), er mag sie nur nicht, zumal wenn sie
zu viele werden aufgrund ihrer bekannten karnickelähnlichen Werf-
gewohnheiten und sonstiger hinterhältigen Erschleichung von Vor-
teilen ("steigt ihre Zahl weiter auf Grund von Geburtenhäufig-
keit, Familiennachzug, Mißbrauch des Asylrechts und aus anderen
Gründen"). Weiß man - Dregger - nicht, daß die Türken schon wegen
ihrer Religion nicht zu uns passen, die zudem anderen Religionen
Rechte vorenthält! Und überhaupt stelle man sich den ungesunden
Mischmasch vor:
"Im übrigen setzt die Vorstellung einer Einheitsgesellschaft, in
der alle Kulturen, Religionen und Nationen eliminiert sind, einen
Weltstaat mit Einheitszivilisation voraus, eine gräßliche Vor-
stellung.
Solange es diesen Weltstaat nicht gibt, werden sogenannte reiche
Länder mit geringem Selbstbehauptungswillen eine magische Anzie-
hungskraft auf Menschen mit ärmeren Ländern ausüben."
Gut gesponnen, auf einfach faschistisch. Die saubere deutsche
Stube mit Türk, Jugo, Spaghetti, gar noch einem Neger voll,
igitt. Da müssen "wir" schon Stärke zeigen, um nicht von den be-
kannt niederen Trieben der armen Menschen vergewaltigt zu werden.
Auch noch in anderer Hinsicht ist dieser starke Selbstbehaup-
tungswille Deutschlands stark gefragt. Die Sache mit dem Kriegs-
ergebnis bleibt einfach eine Schande. Alfred Dregger hat seine
östliche Dolchstoßlegende - dann haut er auf den Tisch.
"Die Westverschiebung Polens zu Lasten Deutschlands hatte aus der
Sicht der Sowjetunion den Sinn, ewige Feindschaft zwischen
Deutschland und Polen zu begründen" (nach der langen Freundschaft
vorher), "um die beiden besser beherrschen zu können.
Meine Damen und Herren, diese Rechnung Stalins darf und wird
nicht aufgehen."
Der Politiker - Spiegelbild der gemeinen Gesinnung
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Freilich ist Alfred Dregger nicht einfach nur Ekel Alfred - sonst
wäre er nie Oberbürgermeister von Fulda, fast Minsterpräsident
von Hessen und Fraktionsvorsitzender der C-Parteien geworden.
Also ist er, der an seine spezielle Sendung und Begabung für die
Höhen der Herrschaft glaubt, pflegt er natürlich das ideale Spie-
gelbild des braven Stammtischbruders: die geborene Führernatur.
Eine solche in Gestalt von Dregger zeigt, daß sie - dem demokra-
tischen Angebot von Bräunungsstudios und Jacketkronen entnommen -
männliches Holz vor der Tür hat. Da nun einmal der mißliche Um-
stand nicht zu umgehen ist, daß unter demokratischen Verhältnis-
sen begnadete Führer nicht von selbst auf den Thron hochgeschos-
sen werden, sondern für ihre vorherbestimmte Aufgabe von ein paar
Kreuzen mehr abhängen, hat Dregger erkannt, was deutsche Frauen
und Männer mögen. Der Exhibitionismus des "Durchsetzers", der
"klares Profil" zeigt und dynamisch-aktiv zupackt, fällt dem de-
mokratischen Führer nicht schwer. Aber auch die notwendige
Selbstbeherrschung versteht er. Wenn seine Wahlstrategen es für
opportun halten, mimt er auch mal den liberalen zukünftigen Lan-
desvater - wie 1974 in Hessen. Ja wenn es seinem guten Zweck
dient! Ein Politiker muß eben souverän mit allem, was er hat, um-
gehen können und den demokratischen Opportunismus beherrschen.
Der darf doch nicht einfach nach dem 11. Bier "Deutschland,
Deutschland über alles... Iwan - ratzeputz..." brüllen. Diese
volkstümliche Tour beherrscht der Dregger im demokratischen Ge-
wand.
"Unsere jungen Soldaten stehen für den Frieden und für die Frei-
heit unserer Republik, die ein Modell für Gesamtdeutschland
ist...
in Festigkeit unsere freiheitliche Verfassung zu behaupten und
auszubauen und sie als ein Angebot humaner Staatlichkeit an die-
jenigen zu betrachten, die noch von ihr ausgeschlossen sind...
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß wir auch mit dem großen rus-
sischen Volk und den anderen Völkern der Sowjetunion schrittweise
ein Vertrauensverhältnis zurückgewinnen können, das vor den bei-
den (!!) Weltkriegen bestanden hat."
"Nur ein menschenverachtender Imperialist kann diese selbstver-
ständliche sittliche Haltung als Revanchismus denunzieren."
Ekel Alfred in der Stehkneipe um die Ecke muß da natürlich glän-
zende Augen kriegen, wie sein Führerideal mit den blauen Augen
seine geheimen Wünsche noch übertrifft. Das kann nur ein Gebilde-
ter wie Dregger, dasselbe so raffiniert und schön zum Ausdruck
bringen:
"Wir sollten es (das Erbe unserer deutschen Nation) erneuern, da-
mit sich unsere Nation als Kultur- und Willensgemeinschaft im
Sandsturm der Geschichte behaupten kann." Schließlich und nicht
zuletzt beweist der Politiker Alfred seine Erhabenheit über den
gemeinen Faschismus des Volkes, worauf er setzt, durch Gewohnhei-
ten, die schon in der Volksweisheit von den Politikern, die sich
sowieso alles erlauben, ihre Anerkennung findet. Clever, wie die
glänzende Führernatur im realen Demokratismus nun mal ist, hat er
selbstverständlich Parteispenden - ohne sich noch an Genaues zu
erinnern - an seine gemeinnützige Partei weitergeleitet und die
dann unumgängliche Schmiergeldamnestie mit eingeleitet. Als die
Sache dann nicht so lief wie vorgesehen, da hat der Dregger dann
bewiesen, wieso Ekel Alfred als politischer Führer unter demokra-
tischen Verhältnissen die ganze Charaktermaske seines Typs ausma-
chen. Dregger im radikaldemokratischen Dreisatz:
a) "Entschuldigen Sie mal! Das Recht gilt für alle Bürger dieser
Republik. Ich bin nicht bereit, die Republik in Politiker und an-
dere einzuteilen."
b) "Es gibt genug Leute in dieser Republik, die die Wohltaten un-
serer freiheitlichen Demokratie konsumieren, ohne überhaupt ir-
gendetwas für sie zu tun."
c) "Ich weise diese Unterstellung -...- auf das schärfste zurück,
auf das schärfste. Wir sind frei gewählte Abgeordnete des deut-
schen Volkes. Wir sind das höchste Organ der Republik. Wir sind
die Gewählten, die anderen sind die Ernannten und Berufenen. Wir
haben uns allein nach den Interessen des deutschen Volkes zu
richten. Das ist für mich der einzige Maßstab."
PS: Daß der Mittsechziger, rüstig wie er sein will, trotzdem
heutzutage ein wenig verknittert, vielleicht sogar resignativ
versoffen aussieht, liegt nicht an Alter und Alkohol. Nein, die
stolze Führertype hat mehr sein, werden mögen. Und immer war ei-
ner vor ihm dran: für den Kanzler ausgerechnet der Kohl, für den
Verteidigungsminister ausgerechnet der Wörner... Scheiß Demokra-
tie, nicht wahr, Herr Dregger!
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