Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN CDU/CSU - Von den C-Parteien
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CSU-Parteitag in München
FÜR EINEN WESTEN OHNE OSTEN
Ohne viel Federlesens beschlossen 1100 Delegierte ein christlich-
soziales Wahlprogramm für die Landtagswahlen im Herbst und erfuh-
ren, daß diesmal Bonn in Bayern liege, die Macht somit greifbar
sei, was sie mit langanhaltendem Beifall belohnten.
"Jedes Promille, das wir gewinnen, schlägt sich in der politisch-
moralischen Stimmungslage in der ganzen Bundesrepublik nieder...
Je stärker wir in Bayern sind, je besser und überzeugender wir
unser bayrisches Haus in Ordnung halten können, desto
überzeugender und kraftvoller werden wir für die Sache der
Freiheit in ganz Deutschland kämpfen können."
Machtablösung
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Der ungestümen Ungeduld seiner Anhänger, einer so schönen Sache
wie dem kraftvollen Kampf um "die Freiheit" endlich teilhaftig zu
werden, setzte der Chef einige Lektionen über die Techniken der
Machtergreifung hin zu, denn nur noch darum ging es in punkto Re-
gierungswechsel. Von der "Verantwortung" aus müsse man zwar so-
fort in Bonn einziehen, vom "Parteiinteresse" aus je doch müsse
die CSU darauf achten,
"daß die Bundesregierung erst einmal in aller Öffentlichkeit ih-
ren Offenbarungseid leiste", daß nach altbewährter Sonthofener
Taktik - "die Krise so stark wird, daß aus der Krise ein heilsa-
mer Schock erwächst und damit die Bereitschaft, die Konsequenzen
aus dieser Zeit tatsächlich auf sich zu nehmen."
Noch nie war Opposition so schön wie heute: Die Regierungskoali-
tion kracht vor sich hin, und die Opposition kann sich die ge-
eigneten Mittel und Wege aussuchen, das "Vertrauen in die Regie-
rung zu untergraben". Und da heißt es immer, "subversive Kräfte"
würden den Anspruch der Union auf die "Regierungsverantwortung
untergraben".
So kuriere man den Bürger
"von jenem Klima der Angst und Verzagtheit, des Kleinmuts und des
Klagens",
auf daß er als guter deutscher mannhaft seinen Schaden ertrage.
Zu diesem Zwecke bekam er seine Werte wieder aufgewertet.
Keine paradiesischen Wonnen
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"Wenn die Union früher oder später die Regierung in Bonn über-
nimmt, darf sich niemand einbilden, daß sich die Verhältnisse
über Nacht ändern können. Selbstverständlich wird die Regierungs-
übernahme durch die Union zunächst ein Signal des Vertrauens
sein, aber dann beginnen die Phasen des Heilungsprozesses. Diese
sind keine paradiesischen Wonnen. Wir haben kein Zauberrezept,
wir haben jedoch die richtigen Grundsätze. Diese Grundsätze sind
mit Füßen getreten worden - wir werden sie wieder einführen und
nach ihnen handeln."
So müsse die Arbeit endlich wieder höher geschätzt werden als nur
die Freizeit, Leistung höher als Anspruchsdenken und Aussteiger-
tum, intonierte Strauß und stärkte der DGB-Erkenntnis staatli-
cherseits den Rücken, wonach der Mensch zwar auf Freizeit, nicht
jedoch auf Arbeit verzichten könne.
Schluß müsse sein damit,
"daß eine parasitäre Minderheit von der Arbeit der fleißigen
Mehrheit lebt und darin noch begünstigt und bestärkt wird."
Der Parteitag wußte selbstverständlich, welche Minderheit gemeint
war. Wohlstand, soziale Sicherheit, Freiheit würden nicht ge-
schenkt, sondern müßten hart erarbeitet werden, vor allem durch
Verzicht.
"Unser Volk muß wieder lernen, Belastungen zu ertragen, Opfer zu
bringen",
damit es, wenn nicht genügend Geld, so doch die Freiheit ver-
dient.
In diesem Sinne erneuerte Strauß sein handfestes Angebot an bun-
desdeutsche Arbeiter, "vernünftige Lohnabschlüsse" mit einer
"Dämpfung der Sozialausgaben" zu belohnen.
Zumindest dem CSU-Parteitag kann der "Süddeutsche"-Heigert also
nicht vorwerfen, er hielte sich mit erlesenen Zumutungen für
seine Wähler zurück:
"Würden die Parteien wieder mehr Problembewußtsein und materielle
Opfer fordern, dann gewönnen sie Autorität zurück. Sie haben es
sich angewöhnt, ihr Publikum zu u n t e r fordern, jetzt bekom-
men sie die Quittung derer auf den Tisch, die es nicht gern ha-
ben, wenn sie für d u m m verkauft werden. Würden die Parteien
den umgekehrten Weg geben, den Wählern also einiges zumuten, dann
könnte sich auch wieder die Zuversicht einstellen..."
Bayerische Wähler also können zuversichtlich sein: Für dumm wer-
den sie nicht verkauft, weil die CSU den Slogan "Mut zur Zukunft"
zeitgemäß interpretiert als "künftige Zumutungen an die Wähler".
Bei so viel Sicherheit auf die Zukunft und Harmonie mit den Wäh-
lern werden diese es sicher verstehen, daß man - bei der Hitze -
auf das Vortragen der Reden der Minister verzichtete und eine
Diskussion über die Rede des Vorsitzenden abgelehnt wurde. Die
beste Wahlwerbung ist doch die, eine Führung vorzuführen, zu der
sich jedes Wort erübrigt, und ein Programm, das dem Untertanen
ohne Wenn und Aber verspricht, daß er gedeckelt wird. Was soll
man da noch groß rumdiskutieren, wenn man sich als die konse-
quente Führungsmannschaft gegen die lasche Regierungspartei
glaubhaft anbieten will. Einig in der Sache, setzt die CSU der
SPD-Ideologie vom "unantastbaren sozialen Netz" die Maxime ihres
Vorsitzenden entgegen:
"Was nützt der schönste Sozialstaat, wenn die Kosaken kommen?!"
Krieg für Frieden
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Worauf sich der Bürger gefaßt zu machen hat, wurde dann in der
Abschlußkundgebung des Parteitages bekanntgegeben - für
F r i e d e n und F r e i h e i t und für seine amerikanischen
F r e u n d e. Weil Strauß darüber Kenntnis hat, daß
"es nach den Gesetzen der Medien nun einmal so sei, daß von hun-
dert Menschen ein abartiger als sensationeller empfunden werde
als 99 normale",
setzte er allem Abartigen keine "'Dähmo", sondern eine "Manifes-
dadsion" normaler Deutscher von Roberto Blanco bis hin zu Luis
Trenker entgegen.
Unter Mitwirkung origineller Plakate wie "USA: wir sagen ja",
"Freiheit statt Sibirien", "Im freien Westen ist's am besten" und
"Starnberg for Reagan" wurde die wahre Friedensbewegung gefeiert:
"Wir wollen das Schwert im Schaft einlöten..., wir werden das
Schwert niemals ziehen." (Denn bei der Bundeswehr ist der Säbel
bekanntlich schon längst ausgemustert.)
Der Westen ist also für den Frieden. Nun gibt es jedoch den
Osten, und der ist für den Krieg.
"Bei einer Änderung der sowjetischen Politik würde es das Thema
Krieg und Angst vor dem Krieg bis zum Ende der Menschheitsge-
schichte nicht mehr geben."
Ja, ohne die Politik der Sowjetunion brauche man überhaupt keine
Rüstung mehr. Was liegt also näher, als diese Politik im Osten
abzuschaffen und damit den Frieden für immer zu sichern. Dazu
brauchen "wir" jedoch Waffen und starke Verbündete. Nur über die
Endlösung der Ostenfrage ist Frieden endgültig zu sichern. Wenn
jedoch
"das Bündnis zerbreche, bestehe die Gefahr, daß die Europäer Ka-
nonenfutter für sowjetische Interessen würden, mit der Gefahr ei-
nes späteren Krieges mit den USA."
Klar, daß es sich besser für Freiheit und Freundschaft stirbt als
für den Feind, zumal die Vorteile der deutsch-amerikanischen
Freundschaft erst im Krieg so richtig durchschlagen. Das Bündnis
bedeutet dann auch
"Sicherheit v o r den USA. Verstehen Sie mich richtig." Mit dem
Territorium eines Bündnispartners werde anders umgegangen als mit
einem neutralen Land, versicherte Strauß.
Dieser Mann kalkuliert also bereits öffentlich mit den Vorteilen
des Bündnisses i m K r i e g s f a l l.
Fazit: Auch den Frieden bekommt man nicht geschenkt, man muß ihn
sich erkämpfen.
Der Parteitag in München war als D e m o n s t r a t i o n ge-
dacht, wie man mit den Bürgern umzuspringen gedenkt, damit diese
einen wirklichen Grund zum Wählen haben. Er war eine Vorwegnahme
der Regierungserklärung der Union, b e s s e r als die sozial-
liberale Koalition dieselbe Politik fortzusetzen, des guten Deut-
schen Fleiß als Verzichtserklärung zu nehmen und seinen materiel-
len Schaden mit der ideellen Ehre auszugleichen, zum Freiheits-
krieg gegen den Osten berufen zu sein.
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