Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN ALLGEMEIN - Von Dichtern und Denkern


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 12, 16.05.1984
       

SPRÜCHE VOM KANZLER

Wenn der Kanzler auf dem CDU-Parteitag eine "programmatische Rede" hält, dann ist das ein Programm. Denn sein Wort ist fürs Volk ein Befehl. Also hingehört! Versteht Ihr was? "Es geht wieder aufwärts mit Deutschland." Mit Deutschland geht es aufwärts. Wer ist da wohl gemeint? "Die Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft hat eine unüberseh- bare Trendwende herbeigeführt." Eine frohe Botschaft: Das System funktioniert. Es funktioniert zwar seit 35 Jahren. Aber das kann man gar nicht oft genug sagen. Vor allem als Kanzler der "Wende". "Mit dem Geld des Bürgers wird wieder solide gewirtschaftet." Sein Geld wird nicht mehr "verschleudert" für Rentner, Lohnemp- fänger, BAFÖG-Studenten etc. Statt dessen beim Panzerkauf jede Mark zweimal umgedreht. Da weiß der Bürger schließlich, was er hat! Die neue Schuldenmacherei unterscheidet sich von der alten dadurch, daß jetzt mit Schulden "konsolidiert" wird. "Die deutsche Nation ist Wirklichkeit im Bewußtsein der Deut- schen. Wir finden uns mit der Teilung nicht ab, die Geschichte spricht kein letztes Wort ... Wir bleiben unseren Landsleuten in der DDR verpflichtet." Deutliche Worte eines bewaffneten Freiheitskämpfers. Die DDR wird aus Verpflichtung kassiert. Das letzte Wort spricht die NATO. "Diese Zuversicht, dieser Optimismus sind mehr als eine Stim- mungslage, sie sind Ausdruck unserer Lebenseinstellung und un- seres christlichen Menschenbildes." Wer Gott auf seiner Seite hat, der läßt die Truppen nicht nur pa- rieren. Er sorgt auch für die zuversichtliche Moral. Demokratie '84 = Volkserziehung mit christlichem Menschenbild! "Zwischen Demokratie und Diktatur gibt es keinen Mittelweg. Wir wissen, wo wir stehen: auf der Seite der Freiheit." Und die werden wir mit allen Mitteln verteidigen. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. "Kinder brauchen die Autorität und das Vorbild der Eltern," Und was brauchen die Eltern? Endlich wieder mehr Kinder, damit die Autorität des Staates nicht unter Personalnot bei der Bundes- wehr leidet. "Der Staat der Daseinsvorsorge hat zuviele Aufgaben an sich gezo- gen, denen er sich immer weniger gewachsen zeigt." Der Sozialstaat, der die Zwangsabgaben seiner Bürger kassiert, ist nicht da, um für sie zu sorgen. Stimmt! "Der wichtigste Rohstoff unseres Landes sind Intelligenz und Ta- lent des Menschen." Wofür der Kanzler ein lebendiges Beispiel von zwei Zentnern Ta- lent ist. Aber im Unterschied zu ihm muß der gewöhnliche deutsche Mensch noch ein bißchen arbeiten, damit die aus aller Herren Län- der abgepreßten, pardon eingeführten Rohstoffe "unser Land" vor- wärtsbringen. "Wir haben Macht, aber wir sind keine Machthaber." ??? "Der Wähler hat stets das letzte Wort. Ein Schlußwort spricht er nie." Das bleibt den Machthabern vorbehalten oder denen, die die Macht haben, oder was? zurück