Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN ALLGEMEIN - Von Dichtern und Denkern
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DEMOKRATISCHE SAUBERMÄNNER MELDEN SICH ZU WORT
"Bild": Ein Hoch auf die tüchtigen Unternehmer
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und rechten Politiker
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Jetzt hat die "Bildzeitung" einen Kapitalisten wüst beschimpft.
Wie konnte es dazu kommen? Flick heißt das Charakterschwein, das
"unsere" sauberen Bonner Politiker in Versuchung geführt hat: "Er
zahlte links, er zahlte rechts", so daß sich Barzel, Lambsdorff
und andere jetzt den Vorwurf machen lassen müssen, sie hätten
sich bestechen lassen.
Und dafür soll der gute Mensch sich jetzt beschimpfen lassen?
Seit wann hat "Bild" denn etwas gegen die demokratische Pflicht,
die bundesdeutschen Politiker zu unterstützen, weil sie sich für
das Wohl unserer Wirtschaft und der Nation aufopfern? Daß F.K.F.
dafür etwas mehr tun kann, als bloß durch seine Wahlstimme sein
Vertrauen zu den Führern der Nation zu bekunden, ist doch zwangs-
läufiges Ergebnis jener Wirtschaftsordnung, um deren Wohlergehen
sich Politiker und Unternehmer gemeinsam kümmern.
Die Bonner Demokraten soll Flick in den Dreck gezogen haben, weil
er bloß ein schlechter Mensch und kein Geschäftsmann ist? "Das
Positivste, was sich über Friedrich Karl Flick sagen läßt, ist
die negative Feststellung, daß er sich für sein Geschäft kaum in-
teressiert." Da lachen ja die Hühner! 750 Millionen Steuernachlaß
sind schließlich kein Pappenstiel und das "Reich des F.K.F." mit
seinen 43.000 Beschäftigten ein fester Posten deutscher Exportfä-
higkeit und des Profits für seinen Besitzer - egal, ob der nur ab
und zu mal bei seinen Firmen vorbeischaut.
Nur Luxus und Jagdleidenschaft sollen das Leben dieses Playboys
ausmachen. "Am liebsten tummelt sich Friedrich Karl Flick unter
der Münchner Weißwurst-'Schickeria'." Hier hat er, am Herzogpark,
eine Villa mit zweistöckigen, atomsicheren Bunkern und Panzer-
glasfenstern, die gut und gern 20 Millionen wert ist."
In seiner Freizeit räumt er den Plattensee von Enten frei: "Päng!
Päng! - Flick schießt sie alle ab." Ja, und? Mit solchen und ähn-
lichen Mitteilungen versorgt "Bild"-Gräter die Menschheit doch
jeden Tag, ohne etwas dabei zu finden. Wodurch soll sich der
Mensch Flick denn sonst von seinen Beschäftigten unterscheiden,
die sich keinen Luxus leisten können?
Ist "Bild" denn ganz übergeschnappt - und soll sich ein Unterneh-
mer wie Flick jetzt wie ein Arbeiter aufführen - abgearbeitete
Pranken und keine "pflaumenweichen Hände"; saufen nur, soweit es
das Arbeiten nicht behindert statt "Besäufnis bis zur Bewußtlo-
sigkeit". Und das alles nur, weil der Flick Figuren wie Kohl, de-
ren Verehrung "Bild" über alles geht, in Verruf gebracht haben
soll.
Glotz im "Spiegel": Ein Hoch auf das
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schaffende Kapital und die SPD
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Was die "Bildzeitung" kann, kann der SPD-Bundesgeschäftsführer
schon lange. Zu aller Häme über den Fall Barzel(s) liefert er
noch ein bißchen "Zeitanalyse" für die höheren demokratischen Ge-
müter. "Keine Ablenkung von dem politischen Müll... Aber..." In
kritischer Solidarität mit seinesgleichen redet der SPD-Mann und
Intellektuelle von "strukturellen" Mängeln und deckt hinter den
"charakterologischen Befunden" den eigentlichen Mißstand auf:
Ausgerechnet die Macht soll den politischen Herrschaften fehlen,
wenn sie ihre Bezüge aufbessern. Das will Glotz, "dieser Typus
des instinktsicheren Aufsteigers" (Glotz über Barzel und andere),
dem "Spiegel"-Leser weismachen.
"Ich glaube, daß in der Bundesrepublik Deutschland das Finanzka-
pital zu viel politische Macht hat."
Das kennt man doch! Parasiten, die heimlich die Fäden in der Po-
litik ziehen und damit die politische Kultur der Demokratie zer-
stören. Das hat ein national gesinnter Führer doch schon einmal
als Mangel der Demokratie entdeckt.
Damit auch ja jeder merkt, daß hier nicht "pauschal der Kapita-
lismus" kritisiert werden soll - "Die Verfilzung von Geld und po-
litischen Eliten ist kein Argument gegen die Marktwirtschaft" de-
kretiert Glotz kurz und bündig -, liest man das Lob von produkti-
vem Kapital und SPD noch einmal ausdrücklich:
"Wohlgemerkt: Hier geht es nicht um den Einfluß 'des Unterneh-
mers'. Wer in Stuttgart Werkzeugmaschinen produziert, oder in
München Gabelstapler, der kommt in den Vermerken des Eberhard von
Brauchitsch nicht vor. Es geht um die selbstverständliche Ver-
schmelzung der Geldelite mit den Führungszirkeln der politischen
Rechten."
Sollte Glotz nicht wissen, daß der "Wer" in Stuttgart oder in
München nicht zuletzt Flick ist; daß in den Firmenbüchern Daim-
lers der Name Flick steht und umgekehrt. Wider die unselige Ver-
schmelzung von Daimler und Flick? Nein, Glotz geht es mit seiner
tiefschürfenden Unterscheidung zwischen schaffendem und raffendem
Kapital sowieso um etwas ganz anderes:
"Wie läßt sich strukturell erreichen, daß du Finanzkapital in
seinem Einfluß auf die Politik Schranken gezogen bekommt?"
Wie dieser SPD-Mann die angeblich fehlende Souveränität der Poli-
tik wiederherstellen will, das ist einfach revolutionär:
"Jährliche Publikation der Nebenverdienste... regelmäßige Veröf-
fentlichung der 350 größten Grundbesitzer des Landes, eine Offen-
legungspflicht über Beteiligungen, kurz: eine zureichende empi-
rische Grundlage für die Diskussion der Probleme wirtschaftlicher
Macht."
Und, wer hat die "empirischen Daten" schon? Wer hat sie schon be-
gonnen, die Diskussion um bessere Wirtschaftsstrukturen, mehr ge-
werkschaftliche Mitbestimmung, eine ordentliche politische Auf-
sicht über Finanz- und produktives Kapital??! Eben!
"Also versinken wir ins Nachdenken" und wählen die SPD, in deren
Chefetagen solche machtbewußten Vordenker sitzen!
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