Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN ALLGEMEIN - Von Dichtern und Denkern


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       Münchner Hochschulzeitung, 18.02.1981
       

10 MAIERLICHE JAHRE

Kultusminister Maier ist 10 Jahre im Amt. Das muß bei solchen Persönlichkeiten gefeiert werden, nicht alkoholisch, sondern öf- fentlich. Um den naheliegenden peinlichen Verdacht, sich dafür einen eloquenten Lobhudler gekauft zu haben, a priori auszu- schließen, hielt Maier die Laudatio gleich selber, in der hausei- genen Zeitschrift "schulreport". Bei manchen Leuten stinkt Eigen- lob eben nicht. Und das hört sich so an (alle Zitate aus: "schulreport", 6/80): "Als im Dezember 1970" der Maier Hans "zum Bayerischen Staatsmi- nister für Unterricht und Kultus ernannt wurde", konnte er sich lange nicht "an den volltönenden Titel gewöhnen". Heute freilich ist das anders. Fragt ihn "jemand mitleidig" (wer mag das nur sein?) wie er "das denn alles aushalte und überstehe", dann ant- wortet er "ungerührt und ehrlich: Es macht mir Spaß". Mittler- weile muß der Hans also entdeckt haben, daß sein Titel nicht auf tönernen Füßen steht, so daß er nun erfreut ausruft: "Ja, ich liebe dieses Amt, ich meine unvorsichtigerweise sogar, es sei mir auf den Leib geschrieben." Stimmt haargenau (siehe Foto). Ein glücklicher Mensch! Was nun ist es, das ihn so freut? Vor allem, daß er andere zum Narren gemacht hat. Binnen kürzester Zeit nämlich degradierte sein natürlicher Amtswitz "Eltern, Schüler, Lehrer, Studenten, Professoren, Künstler" ("Wer will da nicht alles mitreden?") zu einem "munteren Publikum", das dem Meister mit seinem "komödiantischen Wirbel" prächtig die Zeit zerstreute: "Langeweile kam da gewiß nicht auf". Gerne erinnert sich der "sensible Kulturpolitiker" an sein Bra- vourstück: Das BayHschG. In der Auseinandersetzung mit "lautstarken und turbulenten" Studenten, die ihn wie den Huber in den Zuber hauen wollten, konnte sich dank Maiers "Naturell", das "eher zu Ruhe und Bedächtigkeit neigt", die Seite mit dem schla- genden Argument durchsetzen: "Die Studentenrevolte kam unter Kon- trolle - ohne daß an den Hochschulen Kirchhofsruhe einkehrte." Wie schön: Die Uni ist trotzdem kein Friedhof geworden. Maier lebt. Aber er hat hart einstecken müssen: "Narben", die er nur mühsam durch seine Babyhaut kaschiert, "Narben", aus denen sich nur dank Maiers "Gelassenheit, nicht jeden wichtig zu nehmen, der sich aufplustert" eine "Schutzschicht bilden" konnte, die ihn sein eingeplustertes Amt aushalten läßt. Doch all seine menschliche Größe - das gibt der Minister freimü- tig zu - würde ihm nichts nützen, wäre da nicht noch etwas: die Regierten. Sie, ob wohlwollend oder kritisch, geben ihm letztend- lich "jenes Gefühl, ohne das" er "die viele tägliche Arbeit nicht bestreiten könnte: Man ist nicht allein". Wie recht er doch hat, der Herr Staatsminister: Ohne "die stille Unterstützung aus dem ganzen Land in vielen Briefen und Anrufen", wäre er ein Maier, den man im Telefonbuch glatt übersehen würde. So aber scheint in Umkehrung "des Psalmisten Wort" zu gelten: "Kaum welkt ein Kumi, blüht schon der nächste." zurück