Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN ALLGEMEIN - Von Dichtern und Denkern
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Veranstaltung im Bürgerzentrum Vahr: "Die Bedeutung der Euro-
pawahl und die Gefahr des Rechtsradikalismus"
DIE DEMOKRATISCHEN PARTEIEN BEKÄMPFEN DEN ÜBERSTEIGERTEN
NATIONALISMUS - MIT DEM GÜLTIGEN NATIONALISMUS
Bürgerschaftspräsident Klink ist für "Öl im europäischen Ge-
triebe" (WK vom 12.4.), während die Rechtsradikalen da angeblich
nur Sand reinstreuen wollen. Das soll ein Argument gegen "ein
übersteigertes nationales Denken" sein. Die demokratischen Par-
teien bescheinigen dem rechten Nationalismus, der gefährde mit
seinem Herumhacken auf Europa den Erfolg der bundesdeutschen Na-
tion. Der Erfolg gibt uns recht, lautet die Klarstellung gegen-
über den Rechten: Deutschland profitiert von Europa - jetzt und
in Zukunft!
Das ist schon merkwürdig: Dem "übersteigerten" Nationalismus wird
ausgerechnet angekreidet, er sei für die gesteigerten Ansprüche
der BRD in Europa viel zu k l e i n k a r i e r t. Der Maßstab
"Deutschland vor!" ist also den demokratischen Parteien schon
recht, aber das Rezept stimmt nicht: Den rechten Propagandisten
eines starken deutschen Staates wird vorgeworfen, sie wüßten gar
nicht, was die BRD w i r k l i c h stark macht.
Nationalismus soll man das natürlich nicht nennen dürfen. Bloß,
weil bundesdeutsche Politiker nicht gleich jeden Grenzpfahl
schwarz-rot-gold anstreichen wollen, wenn sie Europa politisch
und ökonomisch unter die Fuchtel nehmen - auf daß die Bundesrepu-
blik blühen und gedeihen möge.
Und da soll man jetzt beruhigt sein? Als ob nichts harmloser und
gemütlicher wäre als die europaweite Geltung der bundesdeutschen
Maßstäbe von Politik und Kapital. Da soll beim Bürger Freude auf-
kommen, wenn "seine" Zimmer-, Hauss- und Möllemänner endlich in
ganz Europa ihre allseits bekannte Opferbereitschaft verlangen.
Das soll was sein für den bundesdeutschen Proleten, wenn "sein"
VW-Sparprogramm außer ihm auch noch die spanische Fiesta wegra-
tionalisiert. Und ausgerechnet, weil bundesdeutsche Politiker in
Europa was zu sagen haben, soll sich "die Befürchtung vieler Bür-
ger, daß sich ihr sozialer Status mit der Einführung des europäi-
schen Binnenmarktes verschlechtern wird", auch schon erübrigen.
In der Tat braucht man im Hinblick auf eine "Verschlechterung des
sozialen Status" nicht erst auf 1992 zu schielen. Das hat nämlich
ein Norbert Blüm auch ohne europäischen Binnenmarkt lässig hinge-
kriegt.
Aber sei's drum. Demokratische Politiker bauen auf den Nationa-
lismus ihres Publikums, wenn sie "Übersteigerungen" im Namen des
international erfolgreichen Nationalismus zurückweisen: Europa
ist das beste Mittel zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus - für
denjenigen, dem nichts so sehr am Herzen liegt wie der Erfolg der
eigenen Nation.
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