Quelle: Archiv MG - BRD DEMOKRATISCHES-LEBEN ALLGEMEIN - Von Dichtern und Denkern


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RÜSTUNGSKANZLER KOHL BEEHRT DIE RÜSTUNGSSCHMIEDE BREMEN

Seine Botschaft an die Wähler: Wer Freiheit und Marktwirtschaft schätzt, soll sich über Opfer nicht beschweren! Der Rüstungskanzler kommt. So will ihn allerdings keiner mehr nennen, seit er mit Abrüstungsinitiativen Schlagzeilen macht. Auf dem Bremer Marktplatz will er für sich und seine Partei Reklame machen. Was hat der Mann denn vorzuweisen, was für ihn spricht? Frieden und Freiheit nach außen ------------------------------- Um D e u t s c h l a n d macht sich Kohl schwer verdient. Uner- müdlich setzt er sich ein: Für F r i e d e n mit dem Osten. Wie der geht, daran läßt ein Kohl keinen Zweifel: Russen raus aus Europa und ein einiges Deutschland unter der Fuchtel von Kohl und Seinesgleichen! Dieser Frieden schließt ein K r i e g s p r o g r a m m ein. Deswegen stehen "wir" fest zum westlichen Kriegsbündnis NATO. Und das steht fest hinter uns: in ihrer Geburtstagserklärung hat die NATO die Wiedervereinigung dem Gorbatschow nochmal höchstoffiziell a l s N A T O - Z i e l hingerieben. Vonwegen also: Kohl und Konsorten wollten mit dem Osten zu einem freundschaftlichen Zu- sammenleben kommen. Im Gegenteil: 40 Jahre Frieden und Freiheit machen das deutsche Interesse an Revision des letzten Welt- kriegsergebnisses nur unerbittlicher! Dafür braucht Deutschland e r s t e n s jede Menge Waffen. Da- für war der Kohl-Regierung kein Aufwand zu hoch. Von der Runder- neuerung des echt deutschen Waffenarsenals bis hin zu amerikani- schen Mittelstreckenraketen haben sie alles hingestellt, was die Russen Mores lehren kann. Z w e i t e n s sollen russische Waf- fen weg - je mehr, desto besser. Einem Kohl ist jedes russische Angebot nur Grund für weitere deutsche Forderungen. D r i t t e n s sind Kohl und seine Mannen Meister im Einmi- schen, Ausnutzen und Erpressen, wo immer sie dafür im Osten eine Gelegenheit entdecken. Wenn Gorbatschow sich und seinem Volk glasnost und perestroika verordnet, ist sich ein Kohl sicher: da muß doch für D e u t s c h l a n d was rausspringen! "Mehr Of- fenheit" heißt da gleich: Gorbi soll "unseren" Anspruch auf die DDR bestätigen, und neu entdeckte Wolga"deutsche" unter russi- scher Hoheit sollen heim ins Reich - oder gleich eine deutsche Provinz in der UdSSR aufmachen dürfen. "Mehr Marktwirtschaft" in der UdSSR: da müssen doch deutsche Firmen das Recht bekommen, auch aus russischen Arbeitern ganz nach ihrem Gusto Kapital zu schlagen! In Polen fährt die Kohl-Regierung schon die Früchte dieses Friedens- und Freiheitsprogramms ein: Die polnische Regie- rung bettelt um neue DM-Kredite, polnische Arbeiter malochen für den Reichtum deutscher Banken, und eine f r e i e polnische Ge- werkschaft sagt ihnen, daß der soziale F r i e d e n keine Lohnforderungen verträgt. Für deutsche F r e i h e i t in der NATO. Dafür setzt sich ein Kohl nach Kräften ein: daß die BRD im westlichen Kriegsbündnis immer mehr zu sagen hat. Daß die Mittelstreckenraketen, die Pers- hing 2 wegkamen, hat ihn sehr geärgert. Und jetzt zettelt er glatt einen Streit mit den USA über die Kurzstreckenraketen an. Zum Feind von Atomwaffen ist er nicht geworden. Sein Einwand heißt: mit denen läßt sich ja noch nicht einmal "russisches Kern- land" erreichen! Auf gut deutsch: Deutsche Mitverfügung über Atomwaffen darf nicht auf die kleinen Kaliber beschränkt sein - wo deutsche Aufrüstung so ein wichtiger Beitrag zur NATO ist. Und außerdem: Mit Kurzstreckenraketen läßt sich in deutschem Inter- esse doch noch anderes anfangen als sie einfach aufzustellen: Vielleicht lassen sich die Russen mit einer angedrohten Statio- nierung dazu erpressen, noch mehr abzurüsten? Wenn die Russen schon so auf Abrüstung stehen...! Mit einem Interesse daran, die Feindschaft zum Osten a b z u m i l d e r n, ist dieses An- liegen nicht zu verwechseln! Für deutsche F r e i h e i t in Europa - und weltweit. Auch da hat die Regierung Kohl Einiges an Erfolgen vorzuweisen. Nr. 1 in Europa sind "wir" schon. Deutsche Unternehmen benutzen von Spa- nien bis Flensburg Löhne und Leistung für ihren Gewinn; und mit der starken DM regiert ein Kohl den europäischen Konkurrenten in die Wirtschaftspolitik hinein. Mit deutschen Waffen wird erst alle Welt beliefert - und deutsche Politiker reisen dann vor Ort, um F r i e d e n zu stiften: im Nahen Osten, im Golfkrieg, in Afrika. So geht deutsche Friedenspolitik! Mit der perfiden Tour, mit der NATO fest im Rücken dem Osten die Waffen wegverhandeln zu wollen, verschafft sich Kohl in deutschen Landen lauter Pluspunkte. Schlechte Noten bekommt er dagegen für sein innenpolitisches Herumfuhrwerken:: für Wackersdorf, für die Fusion Daimler/MBB, für die Gesundheits- und Rentenreform, die Steuerpolitik, den Umgang mit den Gewerkschaften. Gegen dieses gutgläubige "Einerseits - Andererseits" stellt Kohl praktisch klar: Ohne Freiheit und Frieden im Innern ------------------------------ ist mehr d e u t s c h e r Einfluß auf der Welt, mehr d e u t s c h e s Gewicht in der NATO, mehr d e u t s c h e Einmischung im Osten nicht zu haben! F r e i h e i t verschafft Kohl der n a t i o n a l e n S o u- v e r ä n i t ä t durch ihr Atomprogramm. Eine BRD, die sich mit Atommächten messen will, muß selbst Atommacht sein. Und das wird sie, indem sie sich eine Atomindustrie hinstellt. Mit der verfügt die BRD über alle Mittel, um Atomwaffen in nationaler Regie herzustellen. Wo es darum geht - da sind Schäden für Gesundheit oder Lebensgrundlagen der Leute nun wirklich kein Gesichtspunkt! So macht sich die Nation in Atomfragen unabhängig - und ver- schafft sich die Freiheit, andere zu erpressen. F r e i h e i t verschafft die C-Regierung der n a t i o- n a l e n R ü s t u n g durch die Fusion MBB/Daimler-Benz. Es geht ihr um deutschen Einfluß in der NATO - also muß Deutschland bei allen europäischen und NATO-Rüstungsprojekten führend dabei sein. Dafür braucht's ein Unternehmen von entsprechender Größe, das mit Ami-Konzernen ebenso mithalten kann wie mit Franzosen und Briten. Also wird es von staatswegen organisiert. Daß seine Entscheidungsfreiheit unter der Macht dieses Konzerns Schaden leiden könnte, ist das Letzte, was ein Kohl befürchtet. So be- kommt der deutschnationale Antiamerikanismus seine materielle Grundlage: in europäischen Weltraum- und Luftfahrtprogrammen. F r e i h e i t verschaffen Kohl und Co. d e u t s c h e m K a p i t a l durch das Programm des "Standorts BRD". In dieser lieblichen Weltgegend sollen Unternehmer durch keine unnötige Kost für den Lebensunterhalt von Arbeitern oder für sozialstaat- liche Programme belästigt werden. Damit deutsche Unternehmen mit "deutscher Qualitätsarbeit" Gewinne einheimsen, die sich neu an- legen lassen, wo immer es sich lohnt, von Europa über die USA bis nach Südostasien. Damit der dicke Genscher an "gedeihlichen Geschäftsbeziehungen" etwas zu bieten hat, wenn er in den Iran reist, und deutsche Unternehmer aus der Kohlschen "Öffnung" des Ostens entsprechenden Nutzen ziehen können. Damit d e u t- s c h e s Geld überall gefragt ist, so daß d e u t s c h e Banken an den Krediten verdienen, die ein Kohl den Polen gnädig zugesteht. F r e i h e i t verschafft Kohl den S t a a t s f i n a n z e n - durch Sparen an allem, was deutscher Größe nichts bringt, und Ausgaben für alles, was sie fördert. 1. Eine Steuer e n t l a s t u n g muß her - damit Ge- schäftsleute ihr Geld dort zum Einsatz bringen können, wo es sich als K a p i t a l vermehrt. Geld braucht die Regierung deshalb nicht weniger - also bekommen die "kleinen Leute" mehr Steu- er b e l a s t u n g verpaßt. Die machen aus ihrem Einkommen so- wieso nie Kapital, also können sie es genauso gut gleich bei der Regierung abliefern. 2. Reformen in allen Abteilungen des Sozialstaats müssen her - eine BRD mit Großmachtansprüchen will für die Verköstigung und Brauchbarerhaltung des arbeitenden Volkes nicht mehr ausgeben als unbedingt sein muß. Daß ein konkurrenzfähiger "Standort BRD" ohne eine wachsende Gesundheitsschädigung der Massen nicht zu haben ist - da ist eine Kohl-Regierung sich sicher. Allzuviel Um- weltauflagen schmälern den Gewinn des Kapitals ebenso, wie gesteigerte Leistung am Arbeitsplatz ihn voranbringt. Gesundheit wird also reichlich verbraucht, wenn die Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen vorankommt. Wenn dann die Kosten der Ge- sundheit steigen, gehören sie "gedämpft" - durch einen weiteren Griff ins Portemonnaie derer, die krank werden. Und bei Ar- beitslosen und Rentnern ist die Sache gleich ganz einfach. Die bringen nichts mehr für den Standort - also sind sie zu teuer. So führt ein Kohl die "sozialen Standards" ein, die vom "EG-Binnen- markt" drohen sollen! Die Innenpolitik eines d e u t s c h e n K a n z l e r s folgt der schlichten Logik: wo es um die Stärkung Deutschlands geht, hat dem deutschen Volk kein Opfer zuviel zu sein. Dafür darf es teilhaben an der Begeisterung der Führung darüber, daß der Erfolg von "Freiheit und Marktwirtschaft" nun auch dem Osten Respekt ab- nötigt - vor der BRD. Frech ist das schon: diejenigen, denen Kohl mit Steuerreform und Rentenkürzung die Segnungen eben dieser Marktwirtschaft verpaßt, sollen Beifall klatschen, wenn ein Kohl auch polnischen Arbeitern die Arbeit für deutsches Kapital an den Hals schafft! Frieden im Innern ----------------- steht nicht auf dem Spiel. Sozialabbau hin, Steuererhöhungen her: Gegen Streiks oder Demos wie weiland in Polen oder heute in China muß keine C-Regierung sich zur Wehr setzen. Umso frecher sind die Ansprüche, die der Chef aller Deutschen an den s o z i a l e n F r i e d e n Marke BRD stellt: Gewerkschaften sind Transmissionsriemen des staatlichen Standort- Programms - basta! Also bekommt sogar ein Verein wie der DGB, der selbst den "sozialen Frieden" um jeden Preis verteidigen will, einen §116 verpaßt. Warnstreiks, auch wenn sie bloß die Verant- wortung der Gewerkschaft Demokratie und Beschäftigung demonstrie- ren sollen, gehen voll auf Kosten der Arbeiter! Die Meinungsfreiheit ist dazu da, Demokratie und Marktwirtschaft zu feiern - basta! Also ist jeder, der in kritischer Absicht auf die Straße geht, ein potentieller Staatsfeind. Und wer mit diesem Urteil des Staates rechnet und sich eine Mütze aufsetzt - der hat den Verdacht verdient und wird bestraft. Wer dafür ist, braucht sich nicht zu vermummen! So buchstabiert ein Kohl, wie sich Opposition in unserer freie- sten aller Marktwirtschaften versteht: weil sie erlaubt ist, hat man sie zu lassen. Kohl in Braunschweig, bevor er den "Pöbel" ab- räumen ließ: "Die Störer sollten darüber nachdenken, was Studenten in Leipzig dafür geben würden, wenn sie als freie Bürger zu einer Kundgebung einer freien Partei kommen dürften." Das sollten sich auch die Leipziger merken: Wer die Ehre genießt, von einem Kohl plus Marktwirtschaft regiert zu werden - der hat gefälligst Schluß zu machen mit dauernden Protestkundgebungen! 40 JAHRE BRD - 40 JAHRE AUSBEUTUNG UND GEWALT zurück