Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ZIVILSCHUTZ - Überleben ist machbar
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 10, 29.05.1980
Der Veranstaltungskommentar
WEIZSÄCKER BEIM TÜV
Auf dem Gebiet der inneren Friedenasicherung wird sich der deut-
sche Geist seiner Verantwortung immer mehr bewußt. Vor dem tech-
nischen Überwachungsverein in München hielt Friedensforscher Carl
Friedrich von Weizsäcker einen Vortrag über "Bevölkerungsschutz",
über den in allen Münchener Tageszeitungen berichtet wurde. Für
die Intellektuellen hat ihn die "Zeit" gleich vollständig abge-
druckt, damit sie auch wirklich genau wissen, worüber sie jetzt
öffentlich nachzudenken haben.
Die Gefahr, vor der er warnte, war, daß sich die Bevölkerung un-
möglich in aller Freiheit für den Krieg entscheiden könne, wenn
er geführt wird, ohne daß ihr von verantwortlicher Stelle klarge-
macht würde, daß ihr Schutz auch in einem atomaren Krieg irgend-
wie 'möglich' sei. Die Politik müsse das Bewußtsein vermitteln,
daß alles Menschenmögliche getan wird, um für die Sicherheit der
Bevölkerung zu sorgen. Allerdings müsse dabei sehr vorsichtig
aufgetreten werden, um keine Panikstimmung zu erzeugen. Sein
Friedensinstitut in Starnberg arbeitet schon seit längerem an ei-
ner Studie über "Panzerabwehr mit infantristisch eingesetzten,
zielgenauen Waffen", um die Bedingungen des Bevölkerungsschutzes
genauer zu ergründen. Nachdem sein Vortrag für die Politiker so-
wieso nicht gedacht ist, macht es auch nichts, wenn er mit ihm
offene Türen einrennt. Bundesminister Baum hat sich schon lange
des Problems angenommen. Wir zitieren: "Der Politiker denkt stra-
tegisch und sagt: 'Eine ungeschützte Bevölkerung führt zur Ver-
minderung der Abschreckung.'"
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