Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ZIVILSCHUTZ - Überleben ist machbar
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Sicherheit
ÜBERLEBEN IST MACHBAR, HERR NACHBAR
"So sollen sich die Familien schützen
Rund 600 Mark kostet einer der Schutzanzüge gegen atomare Verseu-
chung, die jetzt in Stuttgart vorgestellt wurden. Bei der Aus-
stellung 'Sicherheit 81' wurden Modelle für die ganze Familie ge-
zeigt. Zum Schutzanzug aus Spezial-Kunststoff gehören noch eine
Gasmaske mit Filter, ein Leuchtstab und eine Flüssigkeit, mit der
man radioaktive Verseuchung 'abwaschen' soll... Ebenfalls in
Stuttgart teilte Wirtschafts-Staatssekretär Grüner mit, für wie
lange im Krisenfall die deutschen Energievorräte an Öl, Gas und
Kohle reichen: Genau 142 Tage." (Abendzeitung, 23.9.81)
Wie man hört, hat sich mittlerweile auch die Industrie an das ak-
tuelle Einstimmungsprogramm (Thema: Verteidigung der Freiheit ge-
gen den Hauptfeind ) angehängt und ein neues Verbraucherbedürfnis
entdeckt: Auf einer Ausstellung "Sicherheit 81" in Stuttgart
stellen Firmen Schutzanzüge gegen atomare Verseuchung "für die
ganze Familie" vor. In unbeschwerter Sachlichkeit werden da die
Vorzüge des Überlebensartikels erläutert: Zum Schutzanzug a DM
600 für groß und klein aus Spezial-Kunststoff trägt man künftig
eine Gasmaske mit Filter, einen Leuchtstab sowie eine Flüssig-
keit, mit der man radioaktive Verseuchung kurzerhand abwaschen
soll. Na bitte, alles nicht so tragisch, wenn man sich umsichtig
auf den "Verteidigungsfall" einstellt. Es wird ja nicht gleich
ein feiner Bunker sein müssen! Die bieten beispielsweise im Raum
München - wie erst kürzlich nach dem Atomalarm ganz unverblümt
mitgeteilt wurde - ohnehin nur für 1% der Einwohner Platz und
Schutz. Da kann, wer kann, sich selbst ein solches Ungetüm in den
Garten setzen, der Rest wirft sich das Spezialmäntelchen um. Nun
bieten aber auch Kellerwände, durch Sandsäcke abgestützt, Sicher-
heit genug - und einen Keller hat, mal ehrlich, doch ein jeder.
Ein wenig Phantasie, Herr Nachbar! Es wird einem ja derzeit oft
genug gesagt, daß jeder gefälligst auf sich selbst gestellt zuse-
hen darf, wie er im Ernstfall Kopf und Kragen rettet. Täglich
fünfundzwanzigmal hat man sich doch angeblich die ewig langwei-
lige Frage zu stellen: Wie werde ich, Otto Normalverbraucher, zu-
erst mit diesem, darauf noch mit jenem und zuguterletzt auch Mit
den allermiesesten Eventualitäten fertig? Bloß, woher nehmen ei-
gentlich die Herren Politiker die Unverfrorenheit, die Bewälti-
gung des Schlamassels, den sie den Leuten bereiten, an Findigkeit
und Ideenreichtum der Betroffenen selbst zu delegieren?
Die Sache, an der so recht nichts schmackhaft ist, wird einem
nahe gebracht: Die "Bunkerführung" im B3 war tags drauf laut Zei-
tungsmeldung nur ein Ulk gewesen, während die Stuttgarter Sicher-
heits-Ausstellung eindeutig als Service-Leistung zu betrachten
ist. Die Planung für den Familienausflug in die Berge ersetzt
dann konsequent die vorsorgliche Inaugenscheinnahme des einschlä-
gigen Warenangebots, das ein Davonkommen im Kreise der Lieben ga-
rantiert, wenn ringsum ein fröhliches Versaften anhebt.
Dem Staat kann eine solche Art Vorsorge seiner Bürger schon recht
sein, kalkuliert er doch für hinterher auf einen gewissen Grund-
stock an wiederverwendbarer Nation. Damit aber niemand größen-
wahnsinnig wird und sich etwas auf die Erhaltungswürdigkeit sei-
ner höchstpersönlichen Substanz einbildet, gar meint, man sorge
sich staatlicherseits um Leib und Leben der Leute, sagt der Re-
gierungssprecher Rühl gleich, worauf es ankommt: nämlich darauf,
"...die Zerstörung von Land und Leuten soweit zu begrenzen, wie
es überhaupt möglich ist, um die biologische Substanz" ja, die
steckt in dem unscheinbaren Mäntelchen!) "der betroffenen Völker
zu erhalten."
Das macht das Überleben - immer schön paarweise für den künftigen
Nachkriegsstaat - erst so richtig aufregend: Daß man weiß, man
ist danach dringender denn je als Material zum Weiterregiertwer-
den gefragt.
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