Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR WAFFENEXPORT - Deutsche Waffen in alle Welt


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       Die Ächtung von Chemiewaffen gefordert
       

C-WAFFEN-TOTE STÖREN PUBLIKUMSGESCHMACK EINER EXPORTNATION

Politiker aus 141 Nationen sind sich einig. Die gesamte Weltöf- fentlichkeit mit ihnen: Chemiewaffen wie Giftgase gehören geäch- tet und verboten. Und warum ausgerechnet diese Waffen? Bilder "auf farbigem Hochglanzpapier" über deren Wirkung sollen Auskunft geben: "Der Mund ist erstarrt im letzten Schmerzensschrei, das Gesicht unnatürlich rot und blau verfärbt, die glasigen Augen sind aufge- rissen vor Entsetzen..." Vom Grauen gepackt, versucht sich hier ein "Zeit"-Journalist als Dichter zum Thema Giftgas-Tote. Und was will uns der Dichter sa- gen? Sein Geschmack ist von den Hochglanz-Toten schwer verletzt, die Leichen erregen in ihm die unschönsten Gefühle. Geschmacksurteile in Tötungsfragen ---------------------------------- Und das soll ein Argument gegen Waffen sein? Sollen Tote denn auch noch angenehm anzuschauen sein? Ausgerechnet nach Ge- schmacksfragen sollen die Tötungsinstrumente aussortiert werden das ist schon makaber! Aber zum "Ächten" von C-Waffen braucht es solche Gesichtspunkte. Der Einsatz chemischer Waffen bekommt de- ren Opfern schließlich auch nicht weniger gut als etwa der von Neutronenbomben, Panzerkanonen oder auch die saubere Kugel aus hochmodernen Gewehrläufen. Chemische Waffen als "Inbegriff un- menschlicher Kriegsführung" - das lebt vom Vergleich mit anderen Formen der Kriegsführung, die dabei sehr gut wegkommen. "Die Atombomben des kleinen Mannes"... -------------------------------------- So sieht die C-Waffen-Ächtung dann auch aus. Kaum ist das Entset- zen in bewegten Worten ausgedrückt, beginnt das politische Rai- sonnement über diese Waffen. Sehr viel Verständnis für die Motive zu ihrer Anschaffung steckt darin. Weil leicht zu produzieren und von großer Vernichtungskapazität, sind sie die "Atomwaffen des kleinen Mannes", also der "unterentwickelten" Nationen. Wie selbstverständlich wird in dem Urteil akzeptiert, daß es in die- ser Welt um Verfügung über Macht- und Gewaltmittel geht, daß die Staaten diese brauchen. Ganz logisch in dieser Weltsicht, daß die "Kleinen" sich daran auch Teilhabe zu verschaffen versuchen. Und das soll etwa gegen die "Großen" sprechen, die mit ihren wirklichen Atombomben auf der Welt das Sagen haben und mit diesem Gewaltmaßstab allen Waffengattungen auch bei den "kleinen Män- nern" eine gute Konjunktur verschaffen? Keineswegs! Schon eher dafür, daß solche Waffen wirklich nur den Großen zustehen und der kleine Mann, bei allem Verständnis für seine Bemühungen, daran gehindert bzw. vor allem nach Freund und Feind auseinandersor- tiert gehört. Soweit reicht also die von Genscher errichtete "Brandmauer des Entsetzens", daß man auf jeden Fall weiß, wem nun die jeweiligen Waffenkaliber zustehen und wem nicht. ...aus der großen BRD --------------------- Und diese Frage ist in der BRD 1989 keineswegs eine rein morali- sche. Denn - das erfährt man ja bei der Angelegenheit - verfügen können Drittweltstaaten über das Zeug nur, soweit Erstweltstaaten sich mit ihnen in entsprechende Geschäfte einlassen. Schließlich steht im Unterschied zu Libyen, wo eventuell die erste Fabrik der Art mit deutscher "Hilfe" errichtet wird, bei uns das ganze Land ziemlich voll mit möglichen und wirklichen C-Waffen-Fabriken und Fabriken für C-Waffen-Fabriken sowie lauter braven Geschäftsleu- ten, die an deren Export verdienen. Ganz abgesehen von den C-Waf- fen, die hier lagern. Schlimm daran soll nun nicht sein, daß es so ist. Sondern, daß ein kleiner Teil dieser Geschäfte mit den Falschen gemacht wird, denen eben C-Waffen nicht zustehen. Und was ist daran das Allerschlimmste? Daß das "unserem Ansehen" in der Welt enorm schadet, oder wie ein "Genscher-Freund" so tref- fend - und beifällig zitiert - sagte: "Wir wollen nicht, daß uns der Waffen-Export... die Außenpolitik kaputtmacht." Schließlich soll es laut einem entsetzten C-Waffen-Ächter wieder einmal von deutschem Boden ausgehen, "daß die Welt sicherer wird." Es ist schon eigenartig. Je mehr sich herausstellt, daß die BRD am Rabta-Geschäft beteiligt ist, je mehr man in immer neuen "Enthüllungen" erfährt, wie dick die gesamte Republik am weltwei- ten Waffengeschäft profitiert, desto entschiedener machen sich die bezahlten Kritiker und Leitartikler Sorgen um das Ansehen ge- nau dieser Nation. Solche Leute halten also offensichtlich mit jeder Schandtat der Nation noch mehr zu ihr - und verschaffen ihr das in Zweifel gezogene Ansehen. Waffenexport muß sein! ---------------------- So erfinden die bei den Hochglanz-Bildern noch so entsetzten Che- mie-Waffen-Feinde lauter Entschuldigungsgründe für die bundes- deutschen Gewaltgeschäfte: - 'Die Amis sollen sich nicht so haben, bei denen steht doch am meisten von dem Zeug rum - und einen Haufen Geld für was ganz Neues auf dem Gebiet haben sie auch gerade wieder bereitge- stellt.' Das stimmt! - aber soll das jetzt neben der BRD auch noch die Amis abgrundtief verurteilen? Im Gegenteil - mit dem Vergleich werden die Deutschen ins Recht gesetzt. - 'Kann - bei aller Notwendigkeit strikter Kontrollen und stren- ger Gesetze - bundesdeutscher Gewaltexport überhaupt verhindert werden? Wie soll man überhaupt unterscheiden zwischen den braven deutschen Baumaschinen und deren Anwendung durch den bösen Gadafi für eine Giftküche? Und beliefern wir nicht auch die USA mit Pro- duktionsanlagen für Atombomben? Wie soll man dann unterscheiden, daß die Lieferung nach Pakistan strafbar ist?' Mag schon sein, daß beim Export Ziviles und Militärisches nicht so leicht auseinanderzuhalten sind - schon gar nicht, wenn die Aufsichtsbehörden das gar nicht wollen. Aber das spricht doch bloß gegen das gute zivile Gewissen und den Stolz auf das militä- rische "Know-how" der deutschen Exportnation. Dagegen fällt den westdeutschen Politikern und ihren Journalisten immer bloß das- selbe ein: Schließlich s i n d wir doch eine Exportnation. Und das muß ja noch dem entsetztesten Gemüt einleuchten, daß wir we- gen der Moral und dem Geschmack keinen "Kahlschlag" gegen unsere Geschäfte führen dürfen. "Die Freiheit des Handels zu bewahren, den Export unheilvoller Produkte aber rigoros zu unterbinden - darum geht es." (Ein Wirtschaftsjournalist) Das meinen also diese rigorosen Verhinderer des Unheilvollen, ohne es gleich so zu sagen: Es ist eine Tatsache, daß die BRD mit dem deklarierten wie dem undeklarierten Waffenexport viel Geschäft macht. Sie lebt davon, daß der Westen weltweit für die Aufrüstung seiner "Freunde" sorgt und dies als Geschäft organisiert. Die BRD ist mit ihrem "Know- how" und ihrer kapitalkräftigen Technologe führend und fehlt des- halb an keinem Geschäft - sei es beim Bau der irakischen Giftwaf- fenfabrik, sei es bei der pakistanischen Atomwaffe oder bei der Ausrüstung für südafrikanische Landser. Es handelt sich also um ein eminent politisches Geschäft, das westdeutsche Firmen durch "unsere Außenpolitik" beschert bekommen. Und so soll es dann auch behandelt werden - von der Politik. Sie soll - so schallt es ihr momentan wahnsinnig kritisch entgegen - doch klar und deutlich bestimmen, mit wem solche Geschäfte gemacht werden dürfen und mit wem nicht. Damit das Geschäft, das von der Politik lebt, dieser auch nicht in die Quere kommt. Und damit umgekehrt das Geschäft auch den politischen Einfluß eröffnet und zu der Kontrolle be- rechtigt, die sich die deutschen Politiker davon erwarten. D a s nämlich zeichnet eine Exportnation aus. Darin sind sich letztlich Politik, Geschäft und öffentlich entsetzte Gemüter einig also "darum geht es." zurück