Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR WAFFENEXPORT - Deutsche Waffen in alle Welt
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Kohl in Arabien
EIN WAFFENHÄNDLER AUF FREUNDSCHAFTSTOUR
Statt dem Leo hat der westdeutsche Kanzler den Oberen der Saudis
gleich den ganzen Panzerwaffenkatalog von Krauss-Maffei mitge-
bracht. Wirklich eine "salomonische Lösung" für die NATO-Macht
Nr. 2 mit ihren "besonderen Beziehungen" zu Israel.
Es war schon etwas komisch. Sonst können Bundesdeutschlands Fir-
men gar nicht genug ins Ausland verkaufen; die Waffenfabriken der
Republik schon gleich nicht. Und Bundesdeutschlands Außenpoliti-
ker bahnen ihnen gerne und nachdrücklich den Weg - zu Argentini-
ens Militärjunta, zu Chiles Diktator, zu Südafrikas Rassistenre-
gime... und sogar zur Schweizer Volksarmee. Nur in den Nahen
Osten sollten Krauss-Maffei und Co. nicht liefern dürfen. Ausge-
rechnet in den Nahen Osten, der seit Jahren den schwungvollsten
Waffenverbrauch aufzuweisen hat, wo die dicksten Milliardenbe-
träge darauf warten, wieder in "unsere" Wirtschaft
"zurückgeschleust" zu werden, ausgerechnet da galt es als höchst
schwieriges Problem, daß SPD-Bundeskanzler Schmidt einst seinem
mohammedanischen Kollegen, dem König Fahd von Saudi-Arabien, die
Lieferung einer kompletten Leopard-2-Panzerarmee versprochen hat.
Und wie hoch wurde Kohl gelobt für seine salomonische Lösung: Leo
2 nein, dafür Gepard, Marder und überhaupt.
Wo lag eigentlich das Problem?
Offiziell hieß es immer: Unser Busenfreund Nr. 1 im Nahen Osten,
des Westens militaristischer Vorposten Israel, fürchtet um seine
Vorherrschaft in der Region - pardon, nein: um "die Sicherheit
seiner Grenzen" (die seit 1948 ein paar Mal erheblich ausgeweitet
worden sind - wahrhaftig viel zu schützen...!). Eine deutsche
Panzerarmee in arabischer Hand, die sich gegen den Judenstaat
einsetzen ließe - wie peinlich! So recht glaubwürdig war dieses
Bedenken allerdings nie. Sicher: Wie das meiste Bundeswehrgerät,
so ist natürlich auch der prachtvolle Standardpanzer unserer Ar-
mee dafür geeignet (und dazu da), feindliches Gebiet zu erobern -
wozu denn auch sonst! Daß aber ausgerechnet Saudi-Arabien, des
Westens Busenfreund Nr. 2, seine Waffen gegen Israel einsetzen
würde, das ist nun überhaupt nicht zu erwarten. Dem zuständigen
Herrscherhaus ist völlig klar, daß es Waffen bekommt, um "unsere
Ölquellen" zu sichern - und zwar durch den Aufbau einer Armee,
die "Sicherheit" bis zur sowjetischen Südwestgrenze garantiert
und möglichst noch darüber hinaus. Im Ernstfall würden die unent-
behrlichen deutschen Fahr- und Schießlehrer sowieso dafür sorgen,
daß saudi-arabische Leos auch wirklich in die richtige Richtung
rollen und den wahren Feind beschießen.
Überdies steht ja auch gar nicht zur Debatte, die Saudis sollten
um Israels willen gar keine Panzer bekommen. Seit der Leopard2
ins Gespräch kam, war gleich auch schon klar daß "ersatzweise"
der US-amerikanische M1 geliefert wird (mit der Wunderkanone von
Rheinmetall...). Um so mehr stellt sich dann aber die Frage,
wieso der deutsche Bundeskanzler sich nicht für die bundesdeut-
schen Konkurrenten eingesetzt hat. Ist er nun der politische
Häuptling aller westdeutschen Waffenproduzenten und -händler oder
nicht? Statt dessen hat er sich aufgeführt wie eine alte Jungfer,
die ihr Eheversprechen an einen eifersüchtigen Araberscheich
zurückziehen möchte.
Warum das?
Weil es bei dem Verkauf einer ganzen Panzerarmee natürlich um
weit mehr geht, als wenn Lokomotiven und goldene Badewannen ver-
scherbelt werden. Da ist das Empfängerland nämlich nie bloß Kunde
- Saudi-Arabien schon gleich nicht; und da ist das Lieferland nie
bloß Lieferant - der NATO-Staat BRD schon überhaupt nicht. Mit
der Lieferung einer solchen Waffengattung, egal ob aus US-ameri-
kanischen oder bundesdeutschen Fabriken, wird eine längst getrof-
fene p o l i t i s c h e E n t s c h e i d u n g ein entschei-
dendes Stück weiter in die Tat umgesetzt. Diese Entscheidung
heißt: Die NATO will nach Süden, damit sie dann um so besser nach
Osten kann. Die NATO will nicht mehr in der Türkei zuende sein,
sondern die Einkreisung der Sowjetunion mit neuer Energie bis an
den Indischen Ozean sicherstellen. Aufräumen möchte sie mit dem
alten Kriegs- und "Krisengebiet" Naher Osten und sich noch ein
paar schlagkräftige Frontstaaten zulegen - unter solchen Vorzei-
chen passen Feudalismus und Islam lässig mit unter die Herrschaft
von Demokratie und Recht, als deren Verteidiger die NATO gelten
will.
Und für d i e s e s Vorhaben entscheidet sich an der Waffen-
frage, welcher NATO-Staat für diese neuen, zusätzlichen NATO-Ket-
tenhunde am arabischen Meer politisch zuständig sein soll. Diese
Frage ist durchaus nicht neu. Der NATO-Partner Frankreich hat
schon längst seine Vasallen in der Region herangezogen; in Kon-
kurrenz zu den Amis - und im Endeffekt so, daß eine perfekte Ar-
beitsteilung des Westens herauskam: Selbst wenn da verfeindete
Staaten sich bekriegt haben, NATO-Staaten waren auf beiden Seiten
vor Ort und haben aufgepaßt, daß ihr Interesse und damit das an-
tisowjetische Hauptanliegen des Westens nie zu kurz kam.
Diese A r b e i t s t e i l u n g p e r K o n k u r r e n z
soll jetzt aber offenbar nicht mehr ausreichen. Je gewaltiger das
Waffenarsenal zur Bedrohung der Sowjetunion, um so eindeutiger
muß die Kontrolle geregelt sein. Und dafür bietet der bravste al-
ler NATO-Staaten sich an, der allerengste Bundesgenosse der USA:
die Bundesrepublik. Dafür bietet sie sich an, und dafür wird sie
von den USA auch eingeplant: als H e l f e r s h e l f e r für
den Aufbau einer prowestlichen arabischen Ordnungsmacht, die für
Gefahr an der sowjetischen Südwestgrenze sorgt. (Vielleicht hat
Kanzler Kohl dem König Fahd gleich auch schon verraten, wie man
es anstellt, ein "strategisches Ungleichgewicht" zwischen der So-
wjetunion und dem eigenen Staat zu entdecken und für dessen
"Ausgleichung" amerikanische Atomraketen anzufordern...!)
Weltpolitisch ist das ein entscheidender F o r t s c h r i t t
für die BRD. Der Fortschritt nämlich zu einem Juniorpartner, der
die militärische Kontrolle der USA über den Globus auch außerhalb
des angestammten NATO-Gebietes mit eigenständigen Beiträgen för-
dert und ergänzt. Nicht - wie Frankreich - in nationalistischer
Konkurrenz mit den USA, sondern vor lauter Nationalismus amerika-
nischer als die Ami-Regierung selbst: So führen Kohl und Konsor-
ten die sozialliberale Weltpolitik fort und tun alles, um den
weltweiten Siegeszug der D-Mark durch einen Siegeszug deutscher
Waffen, erst einmal bloß durch alle verbündeten Nationen, zu
vollenden. Falls so etwas demnächst wieder fällig werden sollte:
das nächste "Vietnam" findet nicht mehr ohne bundesdeutsches En-
gagement statt! Zu ihrem ohnehin so liebenswerten Charakter ge-
winnt die bundesdeutsche Republik jetzt also auch noch die lieb-
lichen Züge einer i m p e r i a l i s t i s c h e n
K o n t r o l l m a c h t hinzu; diese neue
U n b e s c h e i d e n h e i t ist der wirkliche Inhalt des
Kohl-Besuchs bei den "guten" Arabern. Die Oberhoheit lassen die
USA sich dadurch selbstverständlich nicht nehmen. Und das erlaubt
es der Bundesregierung, ihren höchst unbescheidenen Fortschritt
als einen Akt äußerster Zurückhaltung darzustellen. Mit der sim-
pelsten Heuchelei - erst so tun, als wollte man zum Allein-Ausrü-
ster einer neuen saudi-arabischen Landarmee werden; dann diese
Aufgabe mit der USA teilen und sich als Ausbund von Bescheiden-
heit bewundern lassen! "Wir liefern b l o ß den Gepard, den
Marder..", - so lenkt man propagandistisch davon ab, daß die BRD
ihren neuen Frontstaat-Partner immerhin mit modernstem Kampfgerät
ausstattet. Und so eröffnet man diplomatisch die neue Dimension
westdeutscher Außenpolitik, die heißt: Ab sofort ist die west-
deutsche Staatsgewalt mit ihrem militärischen Gewaltapparat über-
all da mit vor Ort, wo die USA ihren treuesten Vasallen mit dabei
haben wollen.
Ein reines diplomatisches Schaugeschäft also: das bundesdeutsche
"Gewissen" beim Waffenverkauf in das nahöstliche
"Spannungsgebiet." A u ß e r K r a f t g e s e t z t worden
sind die alten Bedenken; ü b e r w u n d e n ist die Beschrän-
kung der BRD auf die Rolle des vordersten Frontstaats - ein biß-
chen hat sie jetzt in den arabischen "Freunden" i h r e n vor-
geschobenen "Frontstaat" gegen den Osten. N o c h nicht ganz
so, wie Kohl und Genscher eigentlich möchten; aber immerhin... Da
lohnt es sich doch endlich wieder, ein Deutscher zu sein, oder?
*
Zu dem Kohl-Geschäft paßt die Nachricht, daß die USA eine schlag-
kräftige "Eingreiftruppe" zusätzlich im Nahen Osten stationieren
wollen. Der Einfachheit halber mit ortsansässigem Personal: Jor-
danische Elitesoldaten werden zu Ersatz-"Ledernacken" herangezo-
gen. Unter US-Kontrolle, versteht sich - die Einsatzplanung liegt
beim Pentagon.
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