Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR RUESTUNGSINDUSTRIE - Ein Geschäft geht seinen Gang


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 73, 02.05.1983
       
       Bremen aktuell
       

EIN DEUTSCHER RÜSTUNGSSCHMIED AUF REISEN

Bremens Bürgermeister KOSCHNICK ist auf einer Weltreise, deren Stationen NATO-Politik sind. Er besucht die Vormacht USA des westlichen Kriegsbündnisses, das der Staatenwelt den Frieden in Freiheit als dringend aufzurüstendes Kräfteverhältnis gegen den Osten diktiert. Danach läßt er sich in Israel von einem Ketten- hund des freien Westens empfangen, der erfolgreich allen Staaten in Nah-Ost eingebleut hat, daß nur als Stützpunkt des freien We- stens Staat zu machen ist. Schließlich wird er in Polen die neue- sten Fortschritte begutachten, die Kredit und Erpressungsdiploma- tie der NATO-Staaten bei der Zersetzung des östlichen Lagers er- zielt haben. Diese Reise hat also, was man politische Stoßrich- tung nennt. Zum Politreisenden qualifizieren Koschnick zwei Machttitel, die ihm Türen öffnen, hinter denen völkerfreundlichen Weltenbummler aus dem Volk nichts zu suchen haben. Schließlich ist er maßgebli- cher Sicherheitspolitiker der SPD, die zwar nunmehr in der Oppo- sition sitzt, deren Regierungsleistungen aber keineswegs verges- sen sind: Nachrüstung und, Russen-auf-Nullösung, nie endende "Wiedergutmachung" an Israel während und nach dessen Feldzügen und der "entspannende" Einkauf einer ganzen polnischen National- ökonomie nicht zuletzt durch bundesdeutschen Kredit. Das alles bleibt in der imperialistischen Welt anerkannt, weil es deren er- folgreich durchgesetzte Politik ist, an die auch ein US-Verteidi- gungsminister Weinberger und der amerikanische Chefdelegierte in Genf, Nitze, ihre fortgesetzte Entmachtungsoffensive gegen die SU anknüpfen. Koschnick durfte sich bei ihnen über den neuesten Stand informieren. Als regierender Bürgermeister von Bremen hat dieser aber nicht nur vergangene, sondern gegenwärtige und per- spektivreiche Beiträge zum westlichen Programm zu bieten: "Bürgermeister Hans Koschnick wird... gemeinsam mit Vertretern der ERNO/MBB-Geschäftsführung Gespräche mit fahrenden Vertretern der NASA über die Zukunft der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrtindustrie führen." (WK 23.4.) Die Gesprächspartner des Bremer Regierungschefs lassen keinen Zweifel über die Sorte "Handel" aufkommen, um die es geht. "Während seiner Gespräche im Weißen Haus habe man ihm versichert, daß auch Präsident Reagan sehr an einer internationalen Zusam- menarbeit interessiert ist. Koschnick seinerseits habe darauf aufmerksam gemacht, daß gerade unter dem Gesichtspunkt der Kosten eine kontinuierliche Zusammenarbeit angebracht ist: Es wäre bei weitem teurer, neue Forschungs- und Konstruktionsteams zusammen- zustehen, als auf die bestehenden zurückzugreifen." (WK 29.4.) Das also ist Bremen auf Weltniveau: eine Rüstungsschmiede, die auch für die neuesten, dem weltweiten NATO-Anspruch völlig ange- messene Strategie der Aufrüstung des Weltraums etwas zu bieten hat: "die - allein von ERNO entwickelte und gebaute - sogenannte flie- gende Plattform (von der NASA "Spas" bezeichnet)". Mit diesem Pfund wuchert ein Landeschef in der alltäglichen, ganz geschäftsmäßigen Abwickung des NATO-Programms. Das sichert Ar- beitsplätze in Bremens "Problembranchen"! Dem deutschen Volk, das bei diesem Programm derzeit mit viel ko- stengünstiger deutscher Wertarbeit mitmachen darf, konnte Koschnick ein besonderes Dankeschön aus Amerika ankündigen: "Als Huckepackfracht einer speziell dafür konstruierten Boeing 747 wird das Schwesterschiff der "Columbia" und der "Challenger" auf dem Flughafen Köln-Bonn landen, um es den Deutschen (!) vor- zuführen." (WK 29.4.) Danke für diese Care-Paket, das "die Deutschen" als technisches Wunderwerk bestaunen dürfen, nachdem seine Schwesterschiffe im Weltraum so zufriedenstellend ihre Pflicht erfüllt haben, daß die NATO-Strategen an die Realisierung ihrer "Utopien" gehen! übri- gens eine gute Gelegenheit, schon mal den feierlichen Empfang der ersten Pershing II zu proben, bei der es sich ja schließlich auch um ein Meisterwerk ganz freier Naturforscher und Techniker han- delt. Bleibt ein Wermutstropfen: "Koschnick sagte, die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hätte es gerne gesehen, wenn die "Enterprise" nach Bremen gekommen wäre, wo das Spacelab als europäischer Beitrag für die Raumfäh- renexperiente entstanden ist. Aber die vorhandene Start- und Lan- debahn ist zu kurz." Also wird sie wohl demnächst ausgebaut, für a l l e Fälle. Üb- rigens: schon wieder Arbeitslätze. zurück