Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR RUESTUNGSINDUSTRIE - Ein Geschäft geht seinen Gang


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       Falsche Vorstellungen über Ökonomie und Rüstung:
       

MILITÄR MACHT WIRTSCHAFT KAPUTT

Daß es auf der Welt um einiges gemütlicher zuginge, würden statt der Tornados, Leos und Feldhaubitzen nur noch Spaghetti, Gum- mibärchen und Tennisschläger hergestellt, leuchtet irgendwie ein. Wer ist dann aber dafür verantwortlich, daß diese idyllische Vor- stellung ein bloßer Wunschtraum bleibt? Otto Normalo sicherlich nicht - was kann der auch schon mit einer Armee und ihren Appa- rillos anfangen? Und daß er gleich die NATO bräuchte, um Oma und Freundin im Wald zu verteidigen, ist auch nur die passende Heu- chelei für Kriegsdienstverweigerungsausschüsse. Eines ist schon mal klar: ohne einen Staat, der Kriegsgeräte in Auftrag gibt, die entsprechenden Milliarden dafür locker macht und sie an den passenden Stellen hinmontiert, wären all die Leos und Gepards, Fregatten und Kampfhubschrauber allenfalls Ladenhü- ter wenn sich überhaupt noch einer fände, der sie produziert. Ein eigentlich ziemlich banaler Schluß also, daß die gewaltige Ansammlung von stets modernsten Kriegsgeräten aller Art auf dem Territorium der Bundesrepublik im I n t e r e s s e eben dieses Staates liegt, für d e s s e n Wirken auf dem Globus diese Ge- räte offenbar durchaus zweckmäßig und nützlich sind. Diese Schlußfolgerung ist in den Kreisen der Friedensbewegung aller- dings wenig gefragt. 1. "Der militärisch-industrielle Komplex" ----------------------------------------- Hier ist eine Sorte Kritik an den immensen Rüstungsausgaben in Umlauf, die als Ursache für den Umfang der Rüstung die Rüstungs- industrie ausfindig gemacht hat: diese "kapitalstarke Branche" versteht es demnach immer aufs Neue, den Staat mit ihren Wünschen nach immer größeren und kostspieligeren Aufträgen in Sachen Auf- rüstung erfolgreich unter Druck zu setzen, was sie dem Wirken der "Rüstungslobby" bzw. dem hintergründigen Zusammenwirken von "alten Generälen" und "Wirtschaftsbonzen", dem "militärisch-indu- striellen Komplex", verdankt. Merkwürdig: der Staat soll sich von einer Lobby zu etwas überre- den lassen, woran ihm selbst eigentlich gar nichts gelegen ist? Über welches Druckmittel könnte eine solche Lobby denn eigentlich verfügen? Ihre Größe, ihr relativ hoher Anteil an der gesamten nationalen Produktion, hilft da als Argument nicht weiter: wieso konnte die Rüstungsindustrie denn überhaupt erst zu solch einem Umfang anwachsen, wenn sie tatsächlich Dinge produzierte, die noch nicht einmal der Staat gebrauchen kann und will? Wer behauptet, daß die Staatsmänner sich gegen ihren Willen aufrüsten (und damit von ihren eigentlich menschenfreundlichen Absichten abbringen) lassen, der will einfach nicht zur Kenntnis nehmen, wie die offizielle Klarstellung noch von jeder Regierung dieser Republik lautet: die politischen und ökonomischen Zu- stände, die w i r "in schwerwiegender Verantwortung" in der BRD eingerichtet haben, sind so verteidigenswert und anspruchsvoll, daß sie es nötig machen, die Bundesrepublik zu einem bis an die Zähne bewaffneten Frontstaat gegen den Osten aufzurüsten. Und dieser Wille der Politiker, mittels ihrer Armee über alle Op- tionen zur Schädigung und Vernichtung des erklärten Feindes zu verfügen, sorgt auch dafür, daß so manch "alter General" keines- wegs als abgehalfteter Militär dasteht, sondern dessen Vorschlä- gen bezüglich Strategie und Taktik des modernen Kriegshandwerks vom NATO-Staat BRD, der für solche Leute viel Beschäftigung hat, ein offenes Ohr geliehen wird. Den apartesten Eiertanz legt in diesem Zusammenhang einer der führenden linken Ideologieproduzenten, Jörg Huffschmid, hin: Zum Beweis, daß ein p o l i t i s c h e r Zweck nie und nimmer ver- antwortlich sein kann für die "verstärkte Aufrüstung", führt er an, "daß die angebliche Drohung durch die Sowjetunion vielfach widerlegt" ist. "A l s o" müsse es "andere Gründe für die Auf- rüstung geben: die hohen Profitraten in der Rüstungsindustrie". Bloß, weil man die NATO-Herren bei der L ü g e ertappt hat, ihre Raketenpolitik zur Liquidierung des Ostblocks sei eine be- dauerliche, aber lebensnotwendige "R e a k t i o n auf die Überrüstung der SU", soll es gleich gar nicht mehr w a h r sein, daß diese Geschosse aus voller Absicht und nicht zum Spaß und erst recht nicht hingestellt werden, um den Unternehmern Zuc- ker in den Arsch zu blasen? So legt sich ein Staatsidealist die Welt zurecht. Das theoretische Konstrukt, der Staat befinde sich in den Klauen einer Rüstungsmafia (mit allen Insignien eines finsteren, total verfilzten Komplettes), hat also die Leistung vollbracht, die Po- litik insofern freizusprechen, als sie nicht als das S u b j e k t der Rüstung, sondern als w i l l f ä h r i g e s O p f e r der Machenschaften des "militärisch-industriellen Kom- plexes" angegriffen wird: das Interesse an militärischer Größe vermag man sich nur noch als eines vorzustellen, das durch V e r s c h w ö r u n g in die (an sich saubere) Welt gekommen ist, ausgerechnet die Staats g e w a l t also zur Rüstung wie die Jungfrau zum Kinde. Kein Wunder, daß diese Sorte Rüstungskritiker sich im nächsten Schritt eifrig daranmacht, dem Staat vorzuführen, wie er sich mit seiner Rüstung ins eigene Fleisch schneidet: 2. "Rüstung vernichtet Arbeitsplätze" ------------------------------------- ist der Hauptschlager dieser Theorie. Wie die R ü s t u n g das eigentlich bewerkstelligen soll, Ar- beitsplätze zu killen? Den Verfechtern dieser Parole würde es wohl selbst im Traum nicht einfallen, unschuldige Nudeln der Ar- beitsplatzvernichtung zu bezichtigen - doch ausgerechnet diesen ökonomischen Unsinn wollen sie für militärische Produkte uneinge- schränkt gelten lassen! Auf den Schein der Sachkenntnis wird dennoch nicht verzichtet: die Rüstungsindustrie - so haben clevere Rüstungsforscher heraus- gefunden - ist ein "überdurchschnittlich rationalisierter Produk- tionszweig". Mag ja sein - bloß belegt das doch wohl, daß in die- ser Branche Arbeitspläze nicht anders, sondern nach genau densel- ben Kriterien geschaffen und für überflüssig erklärt werden, wie das in allen anderen "über-/unterdurchschnittlichen" Branchen der kapitalistischen Produktion passiert: die Existenz eines Arbeits- platzes steht und fällt damit, daß er lohnend sein muß für das Geschäft des Kapitals. So daß es jeden Arbeitsplatz exakt so lange gibt, wie die Kalkulation des Betriebs hinhaut, die das Verhältnis von Lohn und Leistung profitabel für das Unternehmen und wenig einträglich, aber ziemlich aufreibend für den Arbeits- platz"besitzer" gestaltet. So gibt noch jede Zahlentabelle, die Rüstungsproduktionskritiker zum Beleg der arbeitsplatzvernichten- den Qualität auflisten, ebenso Aufschluß darüber, wie viele -zigtausend Menschen in den Waffenschmieden der Nation ihr täg- lich Brot verdienen müssen. Aber immer s c h a f f t Rüstung Arbeitsplätze - was aber weder für die Arbeitsplätze, noch für die Rüstung spricht! Friedliebende Ökonomen wollen das anders sehen: ihre Argumenta- tion wird überhaupt erst dann und dadurch kritisch, wenn Ar- beitsplätze in der Rüstungsproduktion w e g f a l l e n. Dem Staat, der diese Tötungsbranche ins Leben gerufen hat, wollen sie nämlich nicht einfach deren Z w e c k ankreiden, sondern eine angeblich schädliche Wirkung für i h n vorrechnen, er habe sich mit der Produktion von Kriegsgerät ein Kuckucksei ins Nest ge- setzt, das seine segensreichen wirtschaftlichen Anliegen (von denselben Leuten manchmal als "Ausbeutung" gegeißelt) enorm be- einträchtige. Und das, wo deutsche Politiker in aller Öffentlich- keit nicht ohne Stolz betonen, daß die BRD gerade daraus, was an "unseren, international wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen" so weltmeisterlich an nationalem Reichtum geschaffen wird, das anma- ßende Recht auf einen "ihr gemäßen Platz in der Weltpolitik" (Kohl) bezieht, wofür eine funkelnagelneue Wehrmacht mit modern- sten Ballermännern gerade gut genug und niemals zu kostspielig ist! Fazit: Aus einem ökonomischen Unterschied ergibt sich die Unter- scheidung in Rüstungsproduktion (besonderes Kennzeichen: arbeits- platzvernichtend) und den ganzen Rest, dem der sehr "zivile" Zweck der "Arbeitsplatzschaffung" attestiert wird, also nicht. Vielmehr aus einer Spitzenleistung kritischer Moral: der durch und durch "sinnlose" Moloch Rüstung verschlingt gierig das "sinnvollste" Gut, das solche Leute sich offenbar vorstellen kön- nen: schöne deutsche Arbeitsplätze! 3. "Konversion ist machbar" Herr Nachbar! ----------------------------------------- Die Alternative auszumalen, die sich aus ihrer idealistischen Kritik an der Rüstung ableitet, lassen sich die Friedensfreunde - konstruktiv, wie es sich für anständige Opponenten gehört! - na- türlich nicht nehmen. "Produktumstellung" von militärisch auf "zivil" ("Konversion") soll sein. Aber auch nicht einfach so, nach dem Motto 'Wollt Ihr den totalen Krieg? - Nein! - Was wollt Ihr denn? - Viele, viele bunte... !, sondern unter penibelster Auflistung sämtlicher B e d i n g u n g e n, die für "Konversion" erforderlich seien. Und siehe da: e s g e h t, mitten in "unserer" Bundesrepublik! Da für niemanden so sehr wie für friedensbewegte Militärkritiker der (selbstverpaßte) Lehrsatz gilt, daß eine Forderung nur dann respektabel, "glaubwürdig" ist, wenn sie mit den herrschenden Interessen v e r e i n b a r ist, machen sich die "Konversions"theoretiker flugs zu advocati dia- boli von ökonomischen "Sachzwängen", die außer ihnen eh freilich kein Mensch kennt. Ohne einen einzigen Gedanken an die politische R e a l i t ä t zu verschwenden, daß also weder Staat noch Kapi- tal darüber nachgrübeln, wie mit dem Maschinenpark von MBB Gum- mibärchen herzustellen wären, weil sie schlicht und beschlossen nicht w o l l e n, wird so getan, als fehlte den zuständigen Instanzen der deutschen Vorkriegswirtschaft nur das rechte Be- wußtsein von Machbarkeit und sogar V o r t e i l e n der Kon- version. Da wird beteuert, "daß es nicht darum gehen kann, die Rüstung von heute auf morgen auf 0% zu senken" (alle Zitate Huffschmid). Warum eigentlich nicht? Weil dann ja das ganze schöne Wirtschaft- gefüge von Profit, Ausbeutung und Gewalt durcheinandergeraten würde, das man doch gerade als hervorragende Bedingung für "Konversion" ausgemacht hat: "Bei military software (87% der Rü- stungsproduktion) bereitet die Umstellung gar keine Probleme." Probleme für wen? Ratschlag der sachkundigen Ökonomen: "Das (!) Problem kann mit einem Instrument bewältigt werden, das das Kapital bereits heute erfolgreich anwendet; Fluktuation. D.h. es braucht niemand entlassen zu werden, sondern die Verträge lau- fen aus." Na bitte: ein fortschrittlicher Ökonom, der die "Konversions"idee anpreist wie saures Bier, ist sich dafür nicht zu schade, auch noch auf die Lüge des Kapitals reinzufallen, "natürliche Fluktua- tion" diene der Vermeidung von "Arbeitsplatzvernichtung"! Und die Herrschenden dürfen mit gnädiger Erlaubnis eines Sprechers der Friedenbewegung sogar aus ihrer Geschichte lernen, denn Krieg zwingt "Konversion" rein: "Konversion hat es schon viele Male in der Geschichte gegeben. Nach den Kriegen gab es stets eine Umstellung von Kriegs- auf Friedensproduktion." Dann kann ja nichts mehr schief gehen! zurück