Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR RUESTUNGSINDUSTRIE - Ein Geschäft geht seinen Gang
zurück
Münchner Hochschulzeitung Nr. 3, 17.11.1982
Ein modernes deutsches Unternehmen: MBB
KRIEGSTECHNIK GESTERN, HEUTE UND MORGEN
Ein Messerproduzent, der für die Qualität seiner Produkte mit der
Präzision Reklame machen würde, mit der sich mit ihnen Leute um-
bringen lassen, würde allseits Abscheu ernten und womöglich ein
Gerichtsverfahren riskieren. Kein Wunder: ganz privat auf eigene
Rechnung Leute umzubringen heißt Mord und ist von staatswegen
verboten.
Wenn eine Firma wie MBB in ihrer Hauszeitung mit der Treffge-
nauigkeit, Einsatzvielfalt und Dauerhaftigkeit der bei ihr produ-
zierten Waffensysteme angibt, erwartet und erhält sie allseits
Bewunderung. Kein Wunder: die Abnehmer dieser Produkte sind Staa-
ten, und staatlich organisierte Leichenproduktion, genannt Krieg,
ist ein weltweit anerkanntes Mittel der Durchsetzung staatlicher
Interessen.
Der Abschreckungsideologie, solches Gerät werde nur dazu gebaut
und gekauft, weil es keiner benutzen will, bedarf es für diese
Reklame nicht im geringsten. Im Gegenteil: aktuell von NATO-Mit-
gliedern und -verbündeten geführte Kriege sind der beste Beweis
für die Qualitätsware von MBB, das sich ob solch lobender Worte
über den "Tornado" hochgeschmeichelt fühlt:
"Die Erfahrungen aus den Kämpfen um die Falkland-Inseln bestäti-
gen im höchsten Maße die Richtigkeit der mit diesem Marinejagd-
bomber verbundenen konzeptionellen Vorstellungen." (MBB-intern)
Noch mehr: insofern zur Armee abkommandierte Staatsbürger ohnehin
bloß dazu da sind, zu kämpfen und zu sterben, ist es für die
waffentechnische Weiterentwicklung sehr nützlich, wenn an ihnen
die Brauchbarkeit dieser Geräte schon einmal ausprobiert worden
ist: Der "Kormoran 2" z.B. ist "aus der Weiterentwicklung einiger
Komponenten des Kormoran 1 hergeleitet worden, der im Anflug und
Wirkungsprinzip der im Falkland-Konflikt bekanntgewordenen AM
39-Exocet ähnelt", aber aufgrund dieser Erfahrungen nun
"verbessert" wird:
"Zielrichtung dieser Entwicklungen ist die bessere Überwindung
eventueller Abwehrmaßnahmen des Gegners gegen Kormoran, auch eine
Auswahl von Zielen ist möglich."
Das läßt sich MBB nämlich nicht nachsagen: daß der Konzern nicht
alles getan hätte, damit der Einsatz des Lebens von
NATO-Staatsbürgern der NATO auch den Sieg bringt. Darauf darf
sich das dazugehörige Volk jetzt schon freuen.
Auch die MBB-Belegschaft bleibt unter diesem Blickwinkel nicht
von Lob verschont. Ihr Verdienst ist es nach "MBB-intern" unter
anderem, daß die 6. Flotte im Mittelmeer ihren Dienst ganz unge-
schmälert von Reparaturzeiten erfüllen kann:
"Reparatur und Wartung eines Trägerflugzeugs durch MBB-ler im
Werk Manching wurde unter optimalem Einsatz an Personal und Mate-
rial in einer Zeit von drei Tagen vorgenommen. Die US-Navy rech-
nete mit einer Reparaturzeit von rund zehn Tagen - eine stolze
Leistung der Manchinger Mitarbeiter!"
Die sind zwar sicher nicht gefragt worden, ob sie die Reparatur
in zehn oder drei Tagen schaffen wollten. Worauf sollen sie denn
nun stolz sein? Darauf, dafür benutzt worden zu sein, daß die 6.
Flotte ordnungsgemäß die Abwicklung der Endlösung der Palästinen-
serfrage durch Herrn Begin beaufsichtigen konnte? Die Amis hätten
es zwar sicherlich auch mit einem Flugzeug weniger geschafft
klarzustellen, daß keine andere Macht der Welt sich da einzumi-
schen hat, wenn Israel seine Fronten begradigt. Immerhin:
"MBB-intern" findet es offensichtlich gut zu wissen, daß die MBB-
Belegschaft eine weltpolitisch so wichtige Rolle spielt.
Was man in der Rolle als normaler "Mitarbeiter" von MBB noch zu
leisten hat, kann man auch aus "MBB-intern" erfahren. Ganz vorur-
teilsfrei wird da über die "Tradition" des deutschen Flugzeugbaus
berichtet, die ja bekanntlich im wesentlichen darin besteht, die
deutsche Wehrmacht im vorigen Krieg mit dem notwendigen Material
für ihre Feldzüge zu versorgen. Das ist rückblickend gesehen gut
und nicht schlecht, weil die Ergebnisse des Einsatzes dieser Ge-
räte im letzten Weltkrieg jetzt so vorteilhaft dem westlichen
Bündnis zur Vorbereitung des nächsten offenstehen - und in dem
stehen "wir" ja endlich mal auf der Siegerseite:
"Rrückblickend kann man sagen, daß der ME 262 die Rolle eines
Schrittmachers in der Strahlfliegerei einnahm. Bis 1945 lagen be-
reits mehrere Tausend Stunden Flugerfahrung mit diesem Flugzeug
vor."
Vom Standpunkt des immer schon auf technische Perfektion achten-
den Militärkonzerns finden es die MBB-Schreiber allerdings bedau-
erlich, daß die damalige Regierung beim Einsatz dieses Geräts ir-
gendwie versagt hat:
"Obwohl die volle Brauchbarkeit und Überlegenheit des TL-Antriebs
bewiesen wurde, erhielt die ME 262 in dieser Zeit amtsseitig we-
nig Förderung (nicht einmal einen anständigen Krieg führen konn-
ten die Nazis! So wird ein begeisterter Kriegstechniker zum Anti-
faschisten) Erst Mitte 1944 konnten probeweise erste Kampfein-
sätze geflogen werden."
Und da war es natürlich schon zu spät...
Am Einsatz von Betrieb und Belegschaft hat es schon damals nicht
gelegen:
"Trotz ständiger alliierter Bombenangriffe auf die Erprobungs-
und Produktionsstätten der ME 262 konnten die Messerschmitt-Werke
bis Kriegsende noch rund 1500 ME 262 herstellen."
zurück