Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR RUESTUNGSINDUSTRIE - Ein Geschäft geht seinen Gang
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 17, 14.07.1982
Neues aus Forschung und Technik
DAS NEUE G-11: DIE SUPERBRAUT DES DEUTSCHEN LANDSERS
Einem Militar i s m u s das Wort zu reden, wird sich die journa-
listische Öffentlichkeit hierzulande nicht nachsagen lassen, den
gibt's bekanntlich nur im Osten. Umstandslos für das eigene Mili-
tär zu sein, hält allerdings auch sie für selbstverständlich. Für
so selbstverständlich daß ein "Nachrichtenmegazin" wie "Der SPIE-
GEL" sich zunehmend Themen widmet, wie sie bislang nur den ein-
schlägigen Soldatengazetten des Bundeswehrministeriums vorbehal-
ten blieben.
Auf Grundlage der Aktualität von Gewalt als das anerkannte Mittel
der Politik ist eben auch in der Journaille bezüglich der Beur-
teilung der Mittel der Gewalt ein zeitgemäßer Fortschritt zu ver-
zeichnen.
Die alte "SPIEGEL"-Manier, mit der er jahrelang jeden Fortschritt
der Aufrüstung begleitet hat, mit so sinnigen Fragen, ob es sich
bei dieser oder jener Waffe nicht um eine "Perversion des Den-
kens" handele oder ob man angesichts der Kosten den gleichen
Zweck nicht auch anders haben könnte, ist im Zuge dieser Aktuali-
sierung einer gänzlich illusionslosen und - vom Standpunkt der
Kriegsführung - einer durchaus realistischen Beurteilung gewi-
chen.
Der besondere Vorzug des neuen G 11, das leichteste, kürzeste,
einfachste und unempfindlichste aller automatischen Gewehre zu
sein, wird nämlich erst einer, wenn man sich die kämpfende Truppe
im Schützengraben vorstellt und von da aus besondere Anforderun-
gen an deren Kriegswerkzeugen entdeckt.
So selbstverständlich wie ein Haushaltsgeräteprospekt liest sich
deshalb der Bericht, den der "SPIEGEL"-Schreiber zum besten gibt,
nachdem er dieses "wundersame Gebilde" unter sein fachmännisches
Auge genommen hat.
Im Gegensatz zu den "ratternden Gewehren, deren Schießautomatik
vom eigenen Rückstoß oder Gasdruck bewirkt wird" und die den
Nachteil haben, daß "der Schütze im Ernstfall einen großen
Prozentsatz seiner Munition am Ziel (!) vorbeischießt" berück-
sichtigt der neue "Ballermann" sogar "Schützenstreß und Zielfeh-
ler":
"Nach aller militärischer Erfahrung geht zumeist auch der ge-
zielte Einzelschuß infolge Schützenstreß und Zielfehler daneben.
Deshalb bietet" (wie hätten sie's denn gern?) "das neue H&K-
Gewehr zusätzlich einen automatisch begrenzten Drei-Schuß-
Feuerstoll mit definierter Streuuung."
Das gefällt dem Herrn vom "SPIEGEL". Und deshalb hat die Herstel-
lerfirma "den von der Bundeswehr mit 20 Mio. Mark dotierten Ent-
wicklungsauftrag" auch völlig zurecht erhalten. Im Gegensatz zu
den "unverantwortlich hohen Kosten" des Sozialen Netzes, die we-
der produktiv noch fürs Kriegsführen nützlich sind, hat der Staat
hier für sein Geld wenigstens einen ordentlichen Gebrauchswert
erhalten, womit sich der "Hauptzweck" sicherlich erreichen läßt.
"Hauptzweck des G 11 Geschosses ist es, jede Art von Verwundungen
bei Weichzielen (sic!) zu bewirken." Denn merke: "Ein verwundeter
Gegner bindet auf der Gegenseite" (das ist dort wo die Weichziele
sind!) immer noch mehr Kräfte als ein toter."
Human ist diese Waffe also auch noch in ihrer Wirkung und wider-
spricht weder der Genfer Konvention noch der Haager Landkriegs-
ordnung
Und sowas darf doch wirklich gefeiert werden!
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