Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR RUESTUNGSINDUSTRIE - Ein Geschäft geht seinen Gang


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       Fusion MBB/Daimler-Benz:
       

EIN NATIONALES RÜSTUNGSMONOPOL FÜR DIE INTERNATIONALE KONKURRENZ DER WAFFEN

Der Automobil-Konzern Daimler-Benz und die Rüstungsschmiede MBB wollen fusionieren. Demnächst soll das Geschäft mit Nobel- karossen, Flugzeugmotoren, Tornados und Skylabs nicht mehr von zwei verschiedenen Kapitalen, sondern unter der Regie eines Un- ternehmens abgewickelt werden. Einerseits: Ein im Kapitalismus ganz normaler Vorgang. Da stellen zwei Unternehmen, jedes für sich schon ein Konzern, der im Welt- maßstab produziert und kalkuliert, fest, daß auf dem Markt, für den sie produzieren, noch viel mehr Gewinn zu holen wäre - wenn, ja wenn sie noch mehr Kapital zum Einsatz bringen könnten. Die Geschäftsmittel und Geschäftsgelegenheiten von zwei Konzernen in einer Hand zusammengefaßt: das schafft neue Freiheiten in der Kalkulation mit dem Einsatz modernster Produktionsmittel, mit dem Umfang der gewinnbringend abzuwickelnden Aufträge, mit der kurz- fristigen Ausdehnung und Einschränkung der Produktion, um noch aus jeder Auftragslage Gewinn zu schlagen. So eifersüchtig jeder der zukünftigen Partner bislang darauf geachtet hat, daß jede neue Geschäftsgelegenheit den e i g e n e n Gewinn und n i c h t den des Konkurrenten vermehrt: jetzt auf einmal ent- decken beide das Geschäft des Konkurrenten als M i t t e l, den eigenen Gewinn zu befördern. Also beschließen sie, die Konkurrenz als S c h r a n k e für die Ausweitung des eigenen Erfolgs in diesem Fall mal durch Zusammenschluß zu überwinden: und damit ge- meinsam den a n d e r e n Konkurrenten das Fürchten zu lehren. Das Ziel, das das Kapital hier verfolgt, heißt M o n o p o l. In der Fabrik, im Verhältnis zu den A r b e i t e r n stellt die Macht des Privateigentums die u n e i n g e- s c h r ä n k t e Gültigkeit des e i g e n e n Gewinninte- resses sicher - und das, so das Ideal jedes kapitalistischen Unternehmens, soll auch im Verhältnis zu den K o n k u r- r e n t e n, beim Verscherbeln der Waren auf dem Markt gelten. Den Konkurrenten sollen die Bedingungen gewinnbringenden Geschäfts diktiert werden - damit auf keinen Fall das Umgekehrte passiert, daß man sich die von denen diktieren lassen muß! Um d e n Zweck seiner Verwirklichung ein Stück näher zu bringen, gelangt der Kapitalismus doch glatt zu einer Kritik des Privateigentums - wenn es sich in fremder Hand befindet und so die Freiheit der Vermehrung des eigenen Eigentums einschränkt! Andererseits: bloß eine Fusion nach den Gesetzen des Privateigen- tums ist der Zusammenschluß von DB und MBB nicht. Es geht hier schließlich nicht um irgendeinen Markt, den es gemeinsam zu er- obern oder gar zu beherrschen gilt: es geht ums Rüstungsgeschäft, also um den gewinnbringenden Verkauf von Produkten, die überhaupt bloß im Interesse und auf Bestellung der Regierung auf die Welt kommen. Deswegen ist diese Fusion nicht einfach die Entscheidung zweier Unternehmen zum Zusammenschluß gegen dritte, sondern eine Staatsaffäre, von der Regierung eingeleitet, befördert und gema- nagt. Die Bundesregierung entdeckt, allen Sprüchen über "Förderung des Wettbewerbs" zum Trotz, den Nutzen des Monopols für den Staat, wenn es nur das richtige Zeug zum richtigen Zweck produziert. "Wettbewerb" ist eben für einen Staat wie die BRD ebensowenig ein Zweck wie für ein kapitalistisches Unternehmen: sondern ein Mittel, die eigenen staatlichen Ziele gegen andere voranzubringen. Nützlich ist ein bundesdeutsches Rüstungsmonopol, um die hochfliegenden Pläne der Bundesrepublik in Sachen Aufrü- stung zu verwirklichen. Diese süße Friedensstaat vergleicht sich hier nämlich längst mit keinem Geringeren mehr als den Amis, die mit ihrem Militär überall auf der Welt herumfuhrwerken und die "westliche Weltordnung" sichern, die bekanntlich allen Leuten, die darin leben, Glück und Wohlstand beschert. Das ist der Bun- desregierung ein Dorn im Auge: daß sie in Sachen Weltmacht nicht noch nicht so ganz mithalten kann. Daß es unbedingt die Kon- kurrenz in W a f f e n f r a g e n ist, in der ein Staat wie die BRD vorne dran sein muß, das versteht sich für hiesige Poli- tiker offenbar von selbst - so sehen eben deren vornehmlichste Sorgen aus! Der Schulterschluß mit Franzosen und Engländern in Sachen Raumfahrt und Rüstungsprogramme ist da die eine Sache; die andere, ergänzende ist, dafür zu sorgen, daß im Rahmen der "europäischen Zusammenarbeit" die BRD der Staat wird, der in Rü- stungsfragen den Ton angibt. Da trifft es sich gut, daß es in der Bundesrepublik bereits zwei Konzerne gibt, die es im Geschäft mit der Aufrüstung weit ge- bracht haben; wovon der eine, DB, auch noch über ansehnliche Ka- pitalmassen verfügt, die nach einer profitlichen Anlage geradezu schreien. Gänzlich unbehelligt von der eigenen Ideologie, nach der es Sache der "Privatindustrie" sei, über die besten Methoden zur Beförderung seiner Geschäfte zu befinden, weil dies von die- ser besten aller Wirtschaftsordnungen "nun einmal" verlangt sei, schreitet die Bundesregierung zur Tat und macht ein n a t i o n a l e s Interesse an einem Kapitalzusammenschluß geltend, mit dem die Position der BRD in der Konkurrenz der Waf- fen vorangebracht werden soll. Der Standpunkt der Bundesregierung heißt: wenn ein n a t i o n a l e s Unternehmen wie DB ordent- lich Gewinne gemacht hat, dann soll es die doch auch zum Ausbau der d e u t s c h e n Position in der Waffenkonkurrenz des We- stens einsetzen. Auf die Weise läßt bei MBB akkumuliertes knowhow samt modernsten Produktionsmitteln noch besser nutzen; zugleich erspart sich die Regierung weitere Kapitalvorschüsse aus Haus- haltsmitteln. Dafür muß natürlich auch dafür gesorgt werden, daß sich diese Anlage für DB lohnt - z.B. durch die Übernahme bisher bei MBB akkumulierter Schulden. Das wird ja gerade noch hinzu- kriegen sein! Mit einem planwirtschaftlichen D i k t a t zum Aufbau einer Kriegswirtschaft ist die Fusion also schon deshalb nicht zu ver- wechseln, weil ein Bundeswirtschaftsminister deutschen Ka- pitalisten nichts b e f i e h l t, sondern deren Interesse an der profitlichen Ausweitung ihres Geschäfts fürs nationale Anlie- gen e i n s p a n n t. Das Interesse der Bundesregierung ist ein doppeltes: erstens sollen ihre Rüstungsvorhaben zu Lande, im Wasser und in der Luft in bester Qualität und unter deutscher Re- gie abgewickelt werden; zweitens soll das dafür dafür vorgesehene Geld (inzwischen immerhin über die Hälfte seiner Kasse!) in die richtigen Taschen fließen, also deutsches Kapital vermehren. Das Interesse von MBB wie DB ist schlicht: mehr lohnendes Geschäft. Wenn der Staat das garantiert, läßt man sich gerne bitten. So geht Kriegswirtschaft demokratisch! Die Öffentlichkeit zur Fusion Natürlich - Gemecker über die Fusionspläne der Bundesregierung gibt es auch. Zur bundesdeutschen Aufrüstung gehört nämlich durchaus dazu, daß der aufgeklärte Zeitgenosse sich über sie eine schlechte Meinung hält. Die braucht er sich noch nicht einmal selbst auszudenken: der "Spiegel" und anderer kritische Blätter liefern sie ihm frei Haus, und auch die SPD tut ihr Teil dazu, daß die Lüge nicht ausstirbt, irgendwie sei die munter voran- schreitende bundesdeutsche Aufrüstung ein fürchterliches P r o b l e m, bei dem man schwer aufpassen müsse, daß die Re- gierung nichts vergeigt. Dieser Standpunkt ist mit Kritik nicht zu verwechseln: wer sich darum sorgt, daß die Regierung in Rü- stungsfragen alles r i c h t i g macht, steht ja im Gegenteil auf dem Standpunkt, daß im P r i n z i p natürlich modernstes Kriegsgerät in einem Staat wie der BRD so gut aufgehoben ist wie nirgends sonst auf der Welt. Das Herumgemäkel daran, ob die ein- gekauften Waffen nicht zu teuer, unnütz, ineffektiv seien usw. usf. beweist nur eines: daß auf den Politikern hier eine schwere Verantwortung lastet, die nicht ernst genug genommen werden kann. Insofern ist diese Sorte Kritik aus der demokratischen Vertrau- enspflege nicht wegzudenken. Die Fusion DB-MBB bietet dieser Abteilung Öffentlichkeit wieder einmal Gelegenheit, sich in bedenklichem Kopfwiegen zu ergehen. Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: wer gegen das Ge- schäft von Daimler einerseits, von MBB andererseits nichts einzuwenden weiß, was sollte der dagegen haben, wenn sie dies Ge- schäft zukünftig zusammen statt jeder für sich machen? Davon kön- nen beide doch nur profitieren - sollte man das als Fan von Daim- lerqualität und gelungenen Arianestarts nicht begrüßen? Aber so einfach macht es sich bei uns die kritische Öffentlichkeit natür- lich nicht. Soo ein großer Konzern - kann das gutgehen? ------------------------------------------- Bei der "Süddeutschen Zeitung" z.B. hat die Fusion zwei Zeitungs- spalten lang "Unbehagen" ausgelöst. So eine "Konzentration wirt- schaftlicher Macht" mag ihr einfach nicht umstandslos gefallen: "Ein Konzern mit rund 400.000 Beschäftigten, über den dann ein rundes Drittel aller deutschen Rüstungsaufträge gehen wird, stellt eine Macht gegenüber dem Staat dar." Klar - eine "Macht" stellt ein solcher Konzern schon dar - das soll er ja auch! Eine Macht nämlich gegen die europäische und amerikanische Konkurrenz. Das leuchtet der kommentierenden Jour- naille auch sofort ein - den Zweck kann man als Deutscher nur be- grüßen. Deutschland vor, auch im Weltraum - aber immer! Aber könnten DB/MBB mit ihrer "Macht" nicht auch Sachen machen, die der Regierung n i c h t passen? Eine interessante "Kritik"! Im Klartext heißt sie ja: weil DB/MBB die Rüstung als p r i v a t e s Geschäftsinteresse abwickeln - deswegen könnten ja ihre Interessen nicht nahtlos ineinsgehen mit den s t a a t l i c h e n Aufrüstungszielen! Und - wofür, wogegen soll man jetzt sein? Gegen die private Geschäftemacherei mit Waf- fen? Nie und nimmer. Die bringt Gewinne und sichert Ar- beitsplätze. Gegen das staatliche Aufrüstungsprogramm? Dagegen schon gar nicht - um dessen umstandsloses Gelingen wird sich ja gerade gesorgt. Aber dafür, daß der nationale Erfolg sich in bei- den Hinsichten einstellt - die Sorge darf man sich als kritischer Staatsbürger einleuchten lassen. Der "Spiegel" ist von der ebenso bescheuerten wie staatsverlieb- ten Vorstellung eines durch profitgierige MBB/DB-Manager erpreß- baren Bundesregierung so angetan, daß er ihr gleich einen seiten- langen Artikel widmet. Folgende grauenhafte Zustände kommen auf die Bundesbürger demnächst zu: "Der Staat kann Satelliten, Raketen und Raumgleiter dann nur noch bei einer Adresse bestellen". Bislang ist nämlich unser Verteidigungsminister wie die kluge Hausfrau mit dem Einkaufswagen durch die Supermärkte gesaust, hat Preis und Qualität von Raumgleitern verglichen und sich dann für das beste und billigste Modell entschieden. Und jetzt - nicht auszudenken, mit welch teurem Schrott wir uns in Zukunft vertei- digen lassen müssen, wenn DB/MBB das Monopol haben!. Aber es kommt noch schlimmer: "Generäle müssen ihre Bedrohungsanalysen noch stärker nach indu- striepolitischen Markierungen fixieren: der Feind im Osten ist um so stärker, je mehr Arbeitsplätze verteidigt werden müssen." Das haben wir ja schon immer heimlich befürchtet: letztendlich entstammt der politische Auftrag der BRD, die westliche Freiheit noch in den letzten Erdenwinkel zu exportieren, dem Anliegen der Rüstungskonzerne, in Bremen und Hamburg Arbeitern eine Be- schäftigung zu sichern! Womit die Welt dann endgültig auf dem Kopf stünde: nicht Kohl und Konsorten bestellen die Waffen, die MBB/DB dann als Geschäftsmittel produzieren - sondern die Verant- wortung der Konzerne für Arbeitsplätze zwingt die Regierung, sich ein Kriegsziel auszudenken, das zu den Waffen paßt, die der Kon- zern verkaufen will. Warum es dann allerdings ausgerechnet Waffen sein müssen, die DB und/oder MBB an die Regierung verkaufen wol- len, wenn es i h n e n bloß ums Geschäft geht und die R e g i e r u n g die eigentlich gar nicht will - das verrät der "Spiegel" seinen Lesern wohlweislich nicht. Zum Gewinneeinspielen würden Sportwagen oder Insulindosiergeräte genausogut taugen; und wenn die Bundesregierung keine Tornados will, soll sie halt Spielzeugeisenbahnen bestellen! Was also hat unsere schöne Bundesrepublik zu befürchten, wenn es zur Fusion kommt? Laut "Spiegel" nichts Geringeres als einen "militärisch-industriellen Komplex". Darunter soll man sich ein undurchschaubares Konzernungetüm vorstellen, von dem nur eines sicher ist: daß es die Politiker in seinen Fängen hält und ihre eigentlich achtbaren Absichten durchkreuzt. Geradeso. als sei das Programm "Frieden in Freiheit", vom K o h l verkündet und be- trieben, ein Grund zur Beruhigung, und als würden die Waffen, die er bestellt, dadurch gefährlich, daß K a p i t a l i s t e n damit Geschäfte machen! Zwar glaubt von den Schreiberlingen kei- ner an die Gefahr, die sie hier an die Wand malen - dazu schätzen sie die Leistungen bundesdeutscher Manager für die ökonomische und politische Stärke der BRD viel zu sehr. Aber das das der ein- zige Gesichtspunkt der Kritik ist, der einem Staatsbürger zur Fu- sion einzufallen hat - da sind sie sich sicher! "Was Deutschland nützt, ist gut. Punkt." (Vogels, MBB-Chef) Auf der letzten MBB-Bilanzpressekonferenz hat der MBB-Chef denen, die an den Fusionsplänen herummeckern, eine angemessene Abfuhr erteilt: "Da ist von Erpreßbarkeit der Bundesregierung die Rede, von der Gefahr, die in einem so großen Rüstungskonzern stecke, dem dann größten Rüstungskonzern der Bundesrepublik, wie es heißt. Die Kritiker machen meines Erachtens den Fehler, uns nur aus nationa- ler Perspektive zu betrachten. Dabei ist für uns der europäische Binnenmarkt - ja der Weltmarkt - Maßstab. Und der erfordert eine gewisse Größe und Stärke, wenn Europa im Bereich der Luft- und Raumfahrt, aber auch in der Verteidigungsindustrie, unabhängig bleiben will... Wer in der Rüstungsindustrie Gefahrenmomente zu erkennen glaubt, der hat kein Vertrauen in die Demokratie. Wir bekennen uns zu unserem Verteidigungsauftrag im westlichen Bünd- nis. Dieser wird nicht zuletzt durch unsere Wehrpflichtarmee ge- währleistet... Ich, MBB ist stolz - eingebunden in das im Grund- gesetz verankerte Recht auf Verteidigung unserer Republik - den Soldaten der Teilstreitkräfte und damit auch unseren Söhnen, die in der Bundeswehr ihren Dienst leisten, die besten Verteidigungs- waffen und -Systeme zu liefern." (Arndt Vogels auf der MBB-Bi- lanzpressekonferenz) Recht hat er, der Mann. Das ist ja auch wirklich inkonsequent von der Journaille: für die BRD sind sie, für deren Vorreiterposition in Europa und dafür, daß "wir" uns gegenüber den Amis auch in Waffenfragen noch mehr durchsetzen. Und dann nörgeln sie an dem Mittel rum, das die Regierung zur Durchsetzung dieser Ziel wählt - schon blöd! Deshalb muß ein Vogels all diesen Nörglern und Kritikastern sa- gen, daß sie eigentlich schon halbe Demokratiefeinde sind. Sind denn nicht all diese feinen Flugzeuge und Panzer für einen guten Zweck, genannt "Verteidigung der BRD", hinter dem man ja wohl stehen muß als Deutscher? Und ist nicht die Regierung, die dies alles bestellt, frei gewählt, hat also ihr braves Volk hinter sich in Waffenfragen? Und kann man denn der deutschen Jugend, die fürs Vaterland zum Sterben antritt, ohne das Beste vom Besten ins Feld ziehen lassen? Na also. Entweder, man hat was gegen "unseren" Verteidigungsauftrag - dann ist man Systemfeind und Wehrkraftzersetzer. Oder man ist dafür - dann soll man auch Hurra schreien, wenn es an dieser Front mal wieder etwas vorwärts geht, und keine unzeitgemäßen Zweifel in die Welt setzen. Kapiert? Die SPD zur Fusion: "Mit uns sichert Aufrüstung Arbeitsplätze!" Auch in der SPD gibt es anläßlich der Fusion ein bißchen inner- parteiliches Getöber. Diejenigen, die sich in der Partei fürs linke Image zuständig fühlen, melden sich zu Wort nach dem Motto: wir als Sozialdemokraten dürfen doch nicht den Eindruck erwecken, als seien wir einfach umstandslos f ü r Aufrüstung! Es ent- spinnt sich folgende hochinteressante Debatte: SPD-Chef Brückner und Unterbezirksvorsitzender Stolle werfen We- demeier vor, "zu dem wahrscheinlich schlimmsten Kapitel deutscher Rüstungspo- litik nach 1945 einfach zu schweigen." (Weser-Kurier). Ihr Vorwurf, ganz auf der Linie von SZ und "Spiegel": "Mit der Fusion entsteht ein Riesenmonopol aus Finanz- und Wirt- schaftskraft, die die politische Macht jederzeit erpreßbar macht." (Weser-Kurier) Wedemeier schweigt keineswegs, sondern gibt Contra: erstens be- freit die Fusion MBB "aus der bayrischen Umklammerung" - gut, weil damit die CDU weniger, die SPD vielleicht mehr zu Sagen be- kommt. Zweitens will der Bremer Senat im Aufsichtsrat bleiben und läßt dafür sogar 40 Mille springen. Auch gut, weil auch ein Plus für die "politische Macht" namens SPD. Und drittens "kann die deutsche Luft- und Raumfahrt der internationalen Konkurrenz nur standhalten, wenn sie innerhalb der BRD alle Aktivitäten zu- sammenführe". Und das ist auch gut, weil für deutsche Luft- und Raumfahrt ist ja wohl jeder, oder? Wedemeier kennt eben seine Pappenheimer von der linken Front. Daß die mit "schlimmstem Kapitel" keinen Einwand gegen das Ziel for- mulieren wollten, die BRD in der Luft- und Raumfahrt zur Nr. 1 in Europa zu machen, versteht sich für ihn von selbst. Und das sich deren Variante der Sorge um vergeigte politische Handlungsfrei- heit damit beschwichtigen läßt, daß i h r e Partei überall mit- mischt, wo es in Rüstungsfragen etwas zu entscheiden gibt - das ist ihm auch sonnenklar. Ein Herr Brückner weiß eben gegen die Fusion gleich gar nichts mehr vorzubringen, wenn Wedemeier versi- chert, daß Bremen schon seine Finger im Rüstungsgeschäft drin- behalten wird. Im Gegenteil: das Anliegen unterschreibt er voll. Mit Bremen im Aufsichtsrat ist der neue Konzern nämlich kein schlimmes Kapitel mehr, sondern ein Beitrag zur Sicherung von Ar- beitsplätzen in Bremen und insofern über jeden Einwand erhaben. Nur die 40 Mille - die erscheinen Brückner als "zu teuer erk- auft". Ein kleinlicher Gesichtspunkt: die paar Kröten werden ei- nem linken SPD'ler ja wohl die Umbenennung einer Aufrüstungs- in eine Arbeitsplatzsicherungsveranstaltung wert sein! Seitens der MBB-Arbeitnehmervertretung hat die SPD jedenfalls für ihr Absicht, im Aufsichtsrat zu bleiben, "volle Unterstützung". Na klar: schließlich war die SPD schon immer der beste Stand- ortretter, den Bremen je hatte! zurück