Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR RUESTUNGSINDUSTRIE - Ein Geschäft geht seinen Gang
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Airbus Industries zeigt sich zufrieden: Der "AIRBUS" ist ein
Renner
ERFOLG MACHT ANSPRUCHSVOLL
400 schon verkauft, nochmal soviele bestellt - der "Durchbruch
auf dem Weltmarkt" kommt voran. Und diesen Geschäftserfolg gilt
es nun auszunutzen: mit einem Hochfahren der Produktion. Dafür
haben sich die MBB-Betriebe ja die ganzen schönen neuen
Produktionsanlagen wie Nietautomaten, Schalenfertigung, CIAM-
Forming und und und hingestellt: um mit denen einen möglichst
großen Produktionsumfang abzuwickeln.
Denn je mehr Flugzeuge in der gleichen Zeit mit den vorhandenen
Produktionsanlagen gefertigt werden, desto mehr lohnen sich diese
für's Geschäft von MBB: die Beschleunigung der Fertigung wirkt
für den Betrieb kostensenkend, insofern sich der Kapitalvorschuß
in der gleichen Zeit auf mehr Flugzeuge verteilt und dem Betrieb
mit Gewinn zurückfließt, um neu vorgeschossen werden zu können.
Zuwegegebracht wird dieser beschleunigte Kapitalrückfluß durch
den Einsatz der Arbeitskraft. Die ist es, an die MBB Ansprüche
stellt, wenn es beschließt, daß soweit möglich
z u s ä t z l i c h e s Produktionsvolumen mit v o r h a n-
d e n e r Maschinerie abzuwickeln ist. Da gibt es dann die eine
oder andere Umorganisation der Arbeit, die dazu führt, daß mehr
Teile in gleicher Zeit gefertigt werden können; da wird hier und
dort die Arbeit intensiviert, da werden jede Menge Überstunden
und Sonderschichten geschoben - und wenn das alles nicht reicht,
wird Schichtarbeit zur betrieblichen Normalität.
Die Belegschaften der entsprechenden MBB-Werke dürfen sich also
in Zukunft weiterhin auf jede Menge "Engpässe" und "Termindruck"
einstellen. Daß immer wieder an allen Ecken und Enden mal was
"klemmt", liegt eben daran, daß MBB den Produktionsablauf so
a b w i c k e l t, daß aus jeder Arbeitsminute das Optimale an
Produktionsleistung rausgeholt wird - so daß jede Anormalität im
Produktionsablauf sofort zum Zeitproblem für die Arbeiter gemacht
ist. Womit MBB ein zweites Mal für seinen Geschäftserfolg sorgt:
denn je weniger bezahlte Arbeitsstunden pro Flugzeug aufzuwenden
sind, desto größer die Differenz zwischen den Fertigungskosten
und dem Preis, für den Airbus Industries die Flieger an die Käu-
fer verscheuert. Als Lohn dafür gibts dann das Lob der Geschäfts-
leitung für "Fleiß" und "Leistungsbreitschaft" der Belegschaft,
das sich auf jeder Betriebsversammlung so sicher einstellt wie
das Amen in der Kirche. Daß sich keiner aussuchen kann, ob er
"fleißig" sein will, weil der Betrieb es ist, der Arbeitszeiten
und Arbeitsintensität definiert, macht gerade die Schönheit die-
ses Verhältnisses aus - für MBB.
Daß die Lohnarbeit ein Zwangsverhältnis ist, kann man an diesen
Umgangsweisen des Betriebes mit seiner Belegschaft studieren. Die
eine Seite kalkuliert frei den Arbeitseinsatz, rechnet die
Lohnkosten gemäß den tariflichen Tabellen aus und entscheidet
sich für die eine oder andere Methode, aus den Leuten mehr Arbeit
rauszuholen. Die andere Seite muß antreten. Und daß nicht nur,
weil sie ohne den Lohn, den sie dafür bekommen, mit ihren Lebens-
notwendigkeiten schon gar nicht zurandekommen. Sondern zusätz-
lich, weil irgend ein Recht ihrerseits, den Ansinnen der Be-
triebsleitung Widerspruch entgegenzustellen, nicht besteht. Es
ist längst w a h r g e n o m m e n: vom Betriebsrat, der in ih-
rem Namen die Anforderungen des Betriebs begutachtet, ihnen den
Ehrentitel "betriebliche Notwendigkeit" verleiht und für in Ord-
nung befindet.
Neue Schichtregelung bei MBB
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Im Werk Bremen von MBB ist in den letzten Wochen schon zwischen
Betriebsleitung und Betriebsrat alles gelaufen, was zur einver-
nehmlichen Regelung neuer Schichtarbeitsansprüche des Betriebes
notwendig ist. Für das ganze Werk wurde Schichtarbeit grundsätz-
lich zur normalen Benutzungsweise der Belegschaft erklärt, so daß
der Betrieb nun immer dann, wenn er es gerade für notwendig be-
findet, die Leute abrufen kann, ohne sich das erst vom Betriebs-
rat extra genehmigen zu lassen. Das spart Arbeit - für die Ver-
waltung und die Betriebsräte. Bezüglich des CIAM-Forming hat sich
die Werksleitung noch eine Sondererlaubnis ausstellen lassen. Im
Amtsdeutsch von MBB sehen die Ansprüche, für die die Arbeiter
sich hier verfügbar machen müssen, so aus:
"Bei den zur Zeit geplanten Fertigungskadenzen der verschiedenen
Programme können Engpaßsituationen im Maschinenpark des CIAM-For-
ming und im Oberflächenschutz sowie bei Montagevorrichtungen ein-
treten.
Für den Fall, daß ein normaler 2-Schicht-Betrieb zur Bewältigung
der Aufgaben nicht ausreicht, vereinbaren Werkleitung und Be-
triebsrat eine zeitlich befristete Ausdehnung der Schichtzeit bis
zu 10 Std./Schicht von Montag bis Freitag ...
Sollte ein erweiterter 2-Schicht-Betrieb nicht ausreichen, wird
ein 3-Schicht-Betrieb vereinbart ..." - (Ergänzung zur Betriebs-
versammlung über Schichtarbeit im CIAM-Forming)
So einfach ist das also: MBB plant "Fertigungskadenzen" - die Ar-
beiter sind verplant. Wo mehr Arbeit beim besten Willen in die
bestehenden Schichten nicht reinzustecken ist - schließlich hat
die Anlage ihre Kapazitäten, die nicht zu überschreiten sind - da
muß eben die Arbeitszeit verlängert werden. 10 Stunden am Stück
reine Arbeitszeit, Anfahrtweg, Waschzeit etc. gar nicht mitge-
rechnet - das werden CIAM-Arbeiter ja wohl hinkriegen. Ob sie es
wollen, steht ja sowieso nicht zur Debatte.
Und wenn der Betrieb immer noch mehr Arbeitszeit braucht, dann
darf man in Zukunft auch mal zwischen 10 Uhr nachts und 6 Uhr
morgens antreten. Warum auch nicht. Daß Arbeiter irgendwie bei
der Gestaltung ihrer Arbeits- und Freizeitwoche mitzureden hät-
ten, steht ohnehin nicht zur Debatte.
Ein kleiner Scherz am Rande: verhandelt wird dieser Zusatz zur
alten Schichtvereinbarung im Rahmen der Neuregelung der Schicht-
pläne anläßlich der Umsetzung des Tarifvertrages zur A r-
b e i t s z e i t v e r k ü r z u n g auf 37,5 Std. wöchentlich.
Deshalb enthält die Vereinbarung auch ein kleines Zugeständnis an
den Betriebsrat:
"Für diesen Fall (10-Stunden-Schicht) werden rollierende Schicht-
pläne erstellt, die für die Mitarbeiter einen Zeitausgleich durch
Freizeitblöcke ermöglichen."
Wenn das nichts ist! Zwar wird der Schlauch einer 10-Stunden-
Schicht durch einen freien Donnerstag irgendwann später natürlich
kein Stück "ausgeglichen". Aber der Betriebsrat kann sagen, daß
hier Mehrarbeit über das vom Tarifvertrag erlaubte Maß hinaus
nicht vorliegt. Das ist doch was!
Daß sich das Arbeiten für den Airbus-Erfolg für die
A r b e i t e r groß lohnen täte, behauptet hierzulande kein
Mensch. Das das auch gar nicht der Maßstab ist, unter dem ein
volkswirtschaftlich aufgeklärter Mensch Löhne betrachtet, machte
neulich ein Artikel im Handelsblatt auf erfrischende Weise deut-
lich:
"Heute sind es 50.000, bald werden es 60.000 Menschen sein, die
in Europa vom AIRBUS leben (?!). Die von den AIRBUS-Arbeitern ab-
geführte Lohnsteuer liegt deutlich jenseits der 3,1 Mrd. DM, die
als auf dem Kapitalmarkt aufgenommene Fremdmittel der Bund heute
verbürgt."
Na bitte - da gibt es doch jemanden, der auf jeden Fall was vom
Lohn hat - die Staatskasse! Und vom Rest wird dann eben "gelebt".
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