Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR KDV - Dienst bleibt Dienst


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       Öffentliche Verweigerung:
       

ABRÜSTUNG DURCH ENT-RÜSTUNG

Mit der Morgenpost gehen demnächst Hans APEL die etwa hundert Wehrpässe zu, die am vergangenen Samstag in den Innenstädten von Bochum und Dortmund öffentlich abgegeben worden sind. Die Illusion, damit das staatlich erzwungene Dienstverhältnis gelöst zu haben, wird kaum einer dieser ehemaligen und zukünftigen Wehrpflichtigen hegen - aber auch die Vorstellung, mit solch einer "öffentlichen Verweigerung" etwas in Sachen "Friedens- sicherung" unternommen zu haben, halten wir für verkehrt: - Wieso wendet man sich gegen die bundesdeutsche NATO-Politik, von der man doch schließlich bemerkt hat, daß sie zielstrebig darauf hinarbeitet, die Freiheit militärisch verteidigen zu "müssen", ausgerechnet so, daß man ihr "vorsorglich" f ü r d e n K r i e g s f a l l a l s S o l d a t die Gefolgschaft aufkündigt? Genausowenig wie die Waffen sind es die Soldaten, die den "Ernstfall auslösen" - was das Militär so gefährlich machte, ist auch in der BRD die politische Absicht, deretwegen es angeschafft, unterhalten und eingesetzt wird. Und gegen die politischen Absichten der Bundesrepublik, die mittlerweile "unsere Interessen" weltweit anmeldet und verteidigt und als NATO-Partner vom russischen Hauptfeind ein derartiges "Wohlverhalten" abverlangt, daß zu dessen Erzwingung ein allumfassendes Aufrüstungsprogramm beschlossen worden ist, gegen diese politischen Vorhaben, die den Frieden zu einer so ungemütlichen Angelegenheit werden lassen, ist rein gar nichts eingewendet, wenn man per abgeliefertem Wehrpaß mitteilt, daß man "keinen Krieg", und das heißt ja nichts anderes als: weiterhin Frieden, wünscht. - Wieso wendet man das Mißbehagen über die hiesige Vorkriegspolitik in ein Urteil über sich, indem man das Bekenntnis ablegt, sich selber in solchen Zeiten nicht länger als Ersatzreserve I betrachten zu wollen? Auf eine Störung der staatlichen Kriegsvorbereitung kann eine solche Unternehmung ja schlecht berechnet sein die Vorstellung, ausgerechnet in der Frage Krieg oder Frieden mache ein Staat sich von dem Votum seines menschlichen Kriegsmaterials abhängig, wäre doch zu absurd. Wozu taugt dann eine derartige Selbst-Erklärung, wenn nicht für das trostlose Selbstbewußtsein, ab sofort für die Folgen der bundesdeutschen Unternehmungen nicht mehr mitverantwortlich zu sein - als wäre man je einer gewesen, der "Verantwortung zu tragen" hätte! Das Beispiel, das solche demonstrativen Wandlungen zum friedensliebenden Ohnemichel den interessierten Mitbürgern geben soll, taugt genausoviel wie das Anliegen, für das es wirbt. Wer in seiner öffentlichen "Erklärung" der Bundesregierung vorhält, die Interessen der Nation - "Wir vermögen nicht zu erkennen, wie die Aufrüstung mit Neutronenbomben und den neuen atomaren Mittelstreckenraketen unser Land schützen soll. Wir sind im Gegenteil der Überzeugung, daß diese Waffen ein weiterer starker Magnet für sowjetische Atomraketen sind." - und des Friedens - "Wir wissen, daß Abschreckung mit immer mehr Waffen bisher nie einen Krieg verhindert hat. Der damit verbundene Rüstungswettlauf läßt den Gebrauch der Waffen immer wahrscheinlicher werden. Wir sind der Überzeugung, daß der Frieden auf andere Art und Weise gesichert werden kann." - nicht ordentlich zu wahren, der spricht seine Enttäuschung aus über das laufende politische Geschäft, formuliert also mit seinem negativen Urteil immer zugleich die positiven Erwartungen, die er - nach wie vor - seinen Politikern gegenüber hegt. Obwohl ihnen tagtäglich vorgeführt wird, daß der "Schutz" der Interessen "unseres Landes" und die Politik der "Friedenssicherung" ein Geschäft ist, das einen ganz anderen Inhalt hat als den, einen Krieg unmöglich zu machen, sich die ganze Aufrüstungs- und Abschreckungsstrategie gerade einem Kalkül m i t dem Krieg verdankt, mögen die Verweigerer nicht davon lassen, sich die Aufgaben bundesdeutscher Regierungen als eine friedensstiftende Angelegenheit vorzustellen. Sie wollen es sich nur durch ein Versagen der Politik, als Machenschaft unzulänglicher Politiker ("verantwortungslose Machtpolitiker") erklären, wenn der unterstellte hehre Zweck der Staatsgeschäfte nicht erreicht und der Frieden unsicher wird. Aus solchen Verdikten spricht ein so grenzenloses Vertrauen in die Harmlosigkeit einer verantwortungsvoll wahrgenommenen Staatsgewalt, daß es durch nichts zu erschüttern zu sein scheint nicht einmal durch eine offiziell betriebene Kriegsvorbereitung. zurück