Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR KDV - Dienst bleibt Dienst


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       Anläßlich der  Veranstaltung mit Theodor Ebert, letzten Montag im
       HS 17
       

"SOZIALE VERTEIDIGUNG"

Das "Konzept der sozialen Verteidigung", vorgestellt von seinem deutschen Vater Theodor Ebert, versteht sich ausdrücklich als A l t e r n a t i v e zur NATO-Doktrin der atomaren und konven- tionellen "Verteidigung der BRD" durch Bundeswehr und amerikani- sche Mittelstreckenraketen. Eine Sorte Alternative allerdings, die den Betreibern der westlichen Aufrüstung ausgerechnet an d e r e n Maßstäben vorrechnen will, daß sie schief liegen. Dann braucht ein Kritiker der NATO-Friedenspolitik sich freilich nicht zu wundern, wenn er sich d a r a n blamieren lassen muß: er hat sich mit seiner Militärfachsimpelei, wie die BRD a n d e r s zu verteidigen sei, ja selber so v e r w e c h s e l b a r ge- macht! Gehen soll diese "Wehrpolitik ohne Waffen" etwa so: Ein Russe - wobei der Russe Ebert nur als "B e i s p i e l für einen Ag- gressor" gilt, wie er derart unermüdlich betont, daß man es ihm schon gar nicht mehr abnehmen mag -, also zufällig doch ein Russe kommt in eine bundesdeutsche Kommunalverwaltung, um deren "Verwaltungskompetenz" habhaft zu werden. Der diensttuende Buch- halter, ausgebildet in "Vorbereitungsgruppen der sozialen Vertei- digung", aber sagt: 'Njet, nur über meine Leiche'. Entweder er- schießt der Russe dann den Buchhalter oder er schleicht, - be- stürzt über so viel Charakterstärke, wie Ebert diese Überkandi- delte Pflichterfüllung interpretieren würde - mit hängender Ka- laschnikow wieder Richtung Heimat. Diese Geschichte ist nun nicht einfach albern, weltfremd und zy- nisch. Sie ist in dreierlei Hinsicht Zeugnis jener konstruktiven Trostlosigkeit, die aufkommen muß, wenn ein kritischer Anspruch sich betätigt, ohne seinen Nationalismus aufgeben zu wollen. 1. Der Buchhalter, Prototyp des "sozialen Verteidigers", ist eine reine Ausgeburt solcher Besinnung. Zum Vergleich: Die Herren Kohl und Wörner verkünden momentan sehr lautstark und v e r p l i c h t e n ihre Bürger darauf, daß es a u s s c h l i e ß l i c h unter i h r e r Obrigkeit (lebens-) wert sei, zu arbeiten, zu studieren, die Kürzung der Sozialhilfe buchzuhalten und zu sterben. Sie wissen also sehr wohl, daß es für deutsche Untertanen so ziemlich der l e t z t e Grund zur Rebellion wäre, sich den Zumutungen einer a n d e r e n Herrschaft zu erwehren. Deshalb machen sie sich ja von der angeblich so selbstverständlichen Vaterlandsliebe, die einem näher sei als der Rock, gerade nicht abhängig und stecken die Leute lieber zwangsweise in den grauen Rock! Und die Theore- tiker der "sozialen Verteidigung"? Sie gehen dieser Propaganda voll auf den Leim! Mehr noch: Sie fordern, die brave Buchhalter- gesinnung müsse - aus freien Stücken! - ausgerechnet in dem Mo- ment vom Geist des "Widerstandes" umgetrieben werden, wenn ein "f r e m d e r" Potentat sich ihrer Dienste versichern will. Zum "Aggressor" wird der vorgestellte Russe schließlich nur, wenn man der jetzigen Herrschaft schlankweg attestiert, ein a n g e- s t a m m t e s Recht für die Benützung der hiesigen Bevölkerung zu haben! 2. Man muß sich schon sehr idyllische Vorstellungen über die Ab- sichten und Interessen der BRD-Politik machen, wenn der Vorwurf an die Militärs und ihre politischen Auftraggeber allen Ernstes lautet, sie hätten sich in der W a h l d e r M i t t e l zur Verteidigung der Nation v e r t a n. Das Gegenteil ist der Fall: Der Knalleffekt westdeutscher Friedenspolitik liegt darin, wo überall die BRD ihre "vitalen Interessen" mittlerweile bedroht sieht: die "Freiheit" in Polen, "unser Öl" im Nahen Osten und die "Stabilität einer Region" in Kambodscha, nur zum Beispiel. Die BRD ist ein Staat, der sich gemeinsam mit seinem Bündnis immerhin für eine komplette Wirtschafts-, Währungs- und überhaupt "Weltordnung" verantwortlich erklärt, und zwar zu i h r e n Konditionen, nämlich "Freiheit" -, ein Staat, der dennoch immerzu unzufrieden ist, also d a m i t, daß noch immer nicht der g e s a m t e Globus den westlichen Prinzipien von Geschäft und Gewalt zu Diensten steht. Diese schöne Republik unterstützt ihre Verbündeten - Hauptfreund ist ja wohl nicht umsonst die Weltmacht Nr. 1 und Weltpolizei USA! - schon seit 30 Jahren nicht nur mit Geld und guten Worten, sondern z.B. auch mit einer Kriegsflotte, die den NATO-Partnern den Rücken freihält, wenn sie lauter Ver- teidigungsschlachten wie in Falkland oder momentan im Tschad, im Libanon und in Nicaragua führen, alles "Krisenregionen", hinter denen laut gültiger NATO-Doktrin immer der Hauptstörer eines "Friedens in Freiheit" o h n e Rest, also die UdSSR, stecken muß. Und für d i e s e n F r e i h e i t s anspruch der BRD, ihren politischen Willen Überall und auch und gerade im Ostblock schrankenlos durchsetzen zu können, sollen die Pershings etwas überdimensioniert sein? "Verteidigung" einer imperialistischen Nation wie der BRD und i h r e r Interessen ist doch eine viel härtere Sache, als zu verhindern, daß russische Soldaten deutsche Buchhalter anmachen. Dem eine gutgläubige Auffassung von der BRD als wahrem Unschulds- lamm in Sachen Geschäft und Gewalt "entgegen"zusetzen, kommt de- ren Machern gerade zupaß: S i e wollen doch suggerieren, daß es den "potentiellen Angreifer" gibt, der ganz ohne Grund (vor allem ohne Grund von "unserer" Seite!), aus "reinem Expansionsstreben", die niedliche kleine BRD mitsamt ihren Insassen überfallen will. Sie wollen doch, daß j e d e r - egal, ob ihn die Russen wirk- lich stören! - sich auf die von ihnen aufgeworfene heiße Frage einläßt: 'Was tun w i r, wenn die Russen kommen?' Und damit ist man auf seine Führer auch schon total reingefallen! Denn wenn das nationale Feindbild von der bösen und unverschäm- terweise bewaffneten "Supermacht" im Osten erst mal geteilt wird und damit durchgegangen ist, dann stehen alle "Alternativen Ver- teidigungskonzepte" wie von selber als matte Idealismen da, gegen die sich Pershings, Leos und Tornados als plötzlich vernünftige, angemessene und notwendige Mittel zur "Verteidigung" von "uns al- len" ausnehmen! 3. Wenn ins Feld geführt wird, mit "sozialer Verteidigung" lasse sich der "Lebensstandard" der Leute, ihre Zeitung und ihr Schre- bergarten in der Vorstadt besser schützen als mit Bundeswehr und Pershing II, dann wird die I d e o l o g i e der "Verteidigung" (von allem, was wir lieben) ernster genommen als sie der NATO je- mals Leitlinie ihrer Aufrüstung gewesen wäre: Dafür sind die nämlich gar nicht da! Das macht einem der Staat - eigentlich unmißverständlich! - klar, wenn er schon jahrelang den Grundsatz zur Vorschrift macht: F ü r die Verteidigung hat der Bürger O p f e r zu bringen, und zwar j e d e s, und nicht erst, wenn geschossen wird. Der "Schutz" des bundesdeutschen Ar- beiters besteht darin, daß jede Mark für ihn zu viel ist, sei es an Lohn oder an Geldern aus Sozialversicherungen, in die er vor- her einbezahlt hat. Zum "Schutz" des Schülers gehört dazu, daß allen unmißverständlich per Gesetz klargemacht wird, daß der Ge- horsam und das Dienen in der Armee eine "Ehrensache" ist. Die Leute werden so total geschützt, daß sie als Kanonenfutter für "Heimat und Vaterland" auserkoren sind. D a z u eine Alternative? Aufhören mit der äußerst schädlichen Verwechslung der Interessen demokratischer Herrschaft mit denen ihrer Untertanen! Dann fällt einem als der passende Adressat von Widerstand allerdings jemand anders ein als die Russen. Oder will man als das einkalkulierte Kanonenfutter der Herren über Krieg und Frieden mal ganz theore- tisch an diese einen wohlgesetzten Antrag auf a l t e r n a t i v e V e r w e n d u n g stellen - womöglich mit dem "Argument", die "alternative Verteidigung" würde Opfer an Menschenmaterial ersparen? Dann muß man sich nämlich die Frage gefallen lassen: bis zu welcher Anzahl von Opfern, meint ihr denn, l o h n t sich "alternatives" Eintreten für die Heimat? zurück