Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR KDV - Dienst bleibt Dienst
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Diskussion
ZIVILDIENST ODER BARRAS:
KLOSCHÜSSEL ODER STAHLHELM
eine starke Alternative
1) Daß ein Staat wie die BRD weltweites Gewicht hat, Figuren wie
Kohl und Genscher auch noch in den entlegensten Weltgegenden In-
teressen anzumelden haben, geht nicht ohne eine kriegstaugliche
Streitmacht, deren Existenz die Forderungen deutscher Politiker
erst zu "Argumenten" macht. Deshalb werden jedes Jahr deutsche
Jungmänner dienstverpflichtet, um sich zum Töten und getötet wer-
den im staatlichen Auftrag ausbilden zu lassen.
Hier ist also das Totalopfer für den Staat verlangt, weshalb eine
Zurückweisung des Anspruchs auf sein Leben mit dem Hinweis "Ich
will nicht" vom staatlichen Standpunkt her geradezu absurd wäre.
Was er gelten lässt, ist die glaubhafte Versicherung,
d i e s e n Dienst nicht leisten zu k ö n n e n, für das Töten
im Staatsauftrag im wahren Wortsinn untauglich zu sein. Da der
Waffendienst solcher Leute eben kein Dienst wäre, sind andere
Verwendungsmöglichkeiten für sie eingerichtet worden.
2) Als potentieller Verweigerer hat man sich gegen den Verdacht
zu wehren, den auferlegten Dienst nicht leisten zu w o l l e n,
ein Drückeberger zu sein. Leider trifft dieser Vorwurf kaum je-
manden von den Zivis. Sie sind dienstwillig und an der Prüfung
ihrer Gesinnung wo sie sich als b e s o n d e r s pflichteif-
rige Menschen vorführen müssen, damit sie die eine Sorte Dienst
durch die andere ersetzen dürfen, fällt ihnen nicht auf, daß es
um die glaubwürdige Demonstration einer Knechtsgesinnung geht,
sondern daß es in der Prüfung nicht korrekt zuginge. Und was
spricht denn eigentlich g e g e n Drückebergerei? Geht es denn
so selbstverständlich in Ordnung, daß der Staat ausschließlichen
Anspruch auf 15-20 Monate Lebenszeit anmeldet? Und endlich - ist
man nicht gezwungen, wenn man sich von der Kommission staatlicher
Gewissensprüfer nicht gleich einseifen lassen will, mit seinem
Gewissen taktisch umzugehen? Ist es nicht gegenüber Vertretern
der staatlichen Gewalt ganz verkehrt, so zu tun, als ginge es um
Wahrheitsfragen?
3) Der alternative Dienst ist so eingerichtet, daß man sich das
Verweigern gleich drei Mal überlegen soll: er dauert länger und
besteht in sehr mühsamer Arbeit. Den Dienst selbst gut zu finden,
weil man Alten, Kranken und Behinderten hilft, halten wir, ge-
linde gesagt, für einen Fehler. Dabei muß man nämlich so tun, als
sei es nicht derselbe Staat, der sich da in verschiedener Weise
dienen läßt. Stattdessen teilt man ihn auf in eine gute und eine
böse Abteilung und freut sich womöglich noch darüber, Staats-
dienst und Menschheitsbeglückung gelungen zusammenfallen lassen
zu können. Dabei kann man gerade an der Art und Weise, wie Alte
und Pflegefälle untergebracht sind, sehen, was diese für den
Staat darstellen: Unnützes Menschenmaterial dessen Verwahrung so
billig wie möglich zu sein hat. Wenn ein Pflegefall also von ei-
nem, unentgeltlich arbeitenden Zivi statt von einem professionel-
len Krankenpfleger mit regulärem Gehalt auf die Kloschüssel ge-
setzt wird, für wen macht das einen Unterschied? Für ihn oder für
die Staatskasse?
4) Wenn man sich schon daran stört, daß der Staat ein Militär un-
terhält, also zur gewaltsamen Durchsetzung seiner Zwecke nach au-
ßen fähig sein will, dann sollte n nicht das Recht auf Kriegs-
dienstverweigerung mit einem Mittel zur Kriegsverhinderung ver-
wechseln. Das hieße ja, daß der Staat ein Recht geschaffen hätte,
das einzig dazu taugt, i h m Hindernisse in den Weg zu legen.
Man muß sich da schon entscheiden: Entweder will man dem Staat
die Mittel zur Durchsetzung seiner Zwecke bestreiten, oder man
will ein gesetzliches Vorgehen des Staates, das einem die Illu-
sion gestattet, g e g e n ihn sein zu dürfen.
5) Wenn Jungendoffiziere in die Schule kommen, um vor den
nachrückenden Jahrgängen so zu tun, als wäre der Dienst mit der
Waffe etwas, das mit Argument und Diskussion zu tun hat, so
sollte einen daran etwas anderes stören als ausgerechnet das Feh-
len eines Zivildienstvertreters.
Unsere Veranstaltungen sind als Angebot an alle gedacht, denen es
nicht um awgewogene Staatsagitation an den Schulen geht, sondern
darum, einem Propagandisten staatlicher Gewalt Paroli bieten zu
können und die dazu die fälligen Argumente diskutieren wollen.
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