Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR KDV - Dienst bleibt Dienst


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       Marxistische Schulzeitung Bremen, 13.03.1981
       
       Kriegsdienstverweigerung:
       

SKANDAL! 'SINNLOSER' VERKEHRSTOD MIT KALKULIERTEM VERSAFTEN DER RUSSEN GLEICHGESETZT!

Bremer Verwaltungsjuristen haben einen Kriegsdienstverweigerer abschlägig beschieden, weil er bei aller seelischer Allergie ge- gens Blutvergießen nicht vom Autofahren ablassen will: "Wer aber am Straßenverkehr aktiv (!) teilnehme, müsse stets mit einem tödlichen Unfall rechnen, erklärten die Juristen." Einhellige Empörung in der Öffentlichkeit über derartige - Wehr- kraftzersetzung! "Als 'in der Sache wenig überzeugend und in der Wirkung auf kri- tische junge Wehrpflichtige geradezu verheerend' hat der CDU-Ab- geordnete Norbert Lammert den Urteilsspruch bezeichnet." Recht hat er! Einen höchst sinnvoll für "Frieden in Freiheit" mit aller Finesse abgeknallten Russen mit einem zufällig mit dem lin- ken Kotflügel 'völlig sinnlos' niedergemachten deutschen Rentner gleichzusezten, muß "unseren" jungen Wehrpflichtigen ja demorali- sieren. Der SPD-Kollege Ernst Walthemathe sieht gar pazifistische Tendenzen in Richtung völlig ungleichgewichtiger einseitiger Ab- rüstung am Werke: "Dann könnte auf jede weitere Rüstung verzichtet werden, weil die Warschau-Pakt-Staaten angesichts dieser Meute militanter Autolen- ker hinreichend abgeschreckt sein würden, überhaupt noch bei uns einzumarschieren." Skandalös und verheerend aber auch die Wirkung auf die Nützlich- keit und Einsatzbereitschaft "unserer" Kriegsdienstverweigerer. "Wie unsinnig die Forderung des Gerichts sei, den Führerschein abzugeben, zeige schon die Tatsache, daß mehrere tausend Kriegs- dienstverweigerer in Kranken- und Behindertentransporten als Fah- rer oder Beifahrer eingesetzt sind." - erklärte KDV-Chef Pastor Ulrich Finckh. Schließlich sind die Ge- wissensmenschen fürs Abräumen des täglichen Abfalls beim kapita- listischen Werkeltag kaum noch, zumindest nicht so billig zu er- setzen, und schließlich wollen auch im Kriegsfall hinderliche Leichen und Verseuchte zum Erhalt einer kriegstauglichen Bevölke- rung an der Front und Heimatfront abtransportiert sein. In der Tat! Die Bremer Juristen haben - bei allem subjektiv gutem und zeitgemäßem Willen - der staatlichen Ausleseveranstaltung zwischen Kriegsdienst- und Andersdienstverpflichteten einen Bä- rendienst erwiesen. Nach Meinung des Kommentators vom Weserkurier besteht der faux pas der Richter vor allem in Folgendem: "Nach Ansicht der Richter muß man seine Gewissensnöte also ratio- nal (!) erklären können. Die bloße (!) innere Stimme gegen das Töten im Kriegsfall genügt ihnen offenbar nicht mehr. Sie fordern damit in letzter Konsequenz aber ein 'Robotergewissen'." Wirklich unmenschlich, wenn jemand G r ü n d e gegen die staat- liche Verpflichtung vorzubringen hätte, jederzeit nach staatli- chem Ermessen sich als Tötungsmaschine einsetzen zu lassen. zurück