Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR IDEOLOGIE - Mit der Bombe Frieden machen
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Schule
NOTE 1 FÜR DEMOKRATISCHEN WEHRUNTERRICHT
"...müßte, meiner Meinung zufolge, die freieste, so wenig als
möglich schon auf die bürgerlichen Verhältnisse gerichtete Bil-
dung des Menschen überall vorangehen. Der so gebildete Mensch
müßte dann in den Staat treten und die Verfassung des Staates
sich gleichsam an ihm prüfen." (Wilhelm von Humboldt)
Ein ziemlich veraltetes Ideal. Die ideale Realität des demokrati-
schen Erziehungswesens sieht nämlich so aus, daß der junge Mensch
ohne große Umwege und ohne ernste Rücksicht auf vernünftige Ein-
wände zum Eintreten für die demokratische Ordnung und zur Erfül-
lung der Pflichten in ihr hingebogen wird, so daß der Staat den
so Erzogenen an sich prüft und nicht etwa umgekehrt die Verfas-
sung sich am gebildeten Menschen. Zur Zeit bekommt die Erziehung
des jungen Bundesbürgers zu einem Menschen, der es zu schätzen
weiß, daß er in Freiheit seinen Rechten und Pflichten nachkommen
darf, und den Politikern dankbar ist, daß sie ihn demokratisch
regieren, ihre nationale Krone aufgesetzt.
Was bisher im Sozialkundeunterricht zur Vermittlung staatsbürger-
licher Einsichten in die unverzichtbaren Fundamente unseres
Staatswesens - Einigkeit und Recht und Freiheit - getan wurde,
wobei die Existenz und Notwendigkeit der Bundeswehr, "eingebettet
ins westliche Bündnis", ebenso vorkam, wie die "Bedrohung" unse-
rer Demokratie durch das "östliche System der Unfreiheit" - das
reicht nicht mehr. Aufgeschreckt durch ein paar Proteste, getra-
gen vor allem von Absolventen bundesdeutscher Gymnasien, die sich
gegen die öffentliche Zurschaustellung der schimmernden Wehr
richteten, hat den Verteidigungsminister so aufgeschreckt, daß er
sich an die Kultusministerien deutscher Länder wandte, die mit
einem neuen Lehrfach falsche Einstellungen zur Vaterlandsvertei-
digung möglichst frühzeitig korrigieren wollen. Getreu der dem
kommunistischen Osten nachgesagten Devise; daß dem, der die Ju-
gend gewinnt, die Zukunft gehört, soll mit der staatspolitischen
Unterweisung der Truppe, der sich die Rekruten einmal wöchentlich
unterziehen müssen, ab sofort bereits im Klassenzimmer der Ober-
schule begonnen werden.
Die mit Kultur und Bildung beschäftigten Herren sind dem Ansinnen
des Chefs der deutschen Streitkräfte nachgekommen: "Empfehlungen
zum Thema 'Friedenssicherung und Bundeswehr im Unterricht'", ver-
faßt von den Kultusministern in Baden-Württemberg und Rheinland-
Pfalz.
Das Lernziel
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ist so einfach wie billig zu haben. Da "die Komplexität des The-
mas gerade in diesem Fall sachgerechte Information für die umfas-
sende Urteilsbildung der Schüler erfordert" und die Lehrer gehal-
ten sind, "die Schüler nicht in einseitiger Weise zu beeinflus-
sen", ist folgender differenzierter und möglichst dreiseitiger
Über-, Ein- und Durchblick Ziel der ganzen Unterrichtsveranstal-
tung. Die einmal als ABC-Schützen angetretenen Schüler - ange-
hende Lehrer dürfen das an der Hochschule und in ihrer zweiten
Ausbildungsphase vertiefen -
"sollen den Sinn des Wehrdienstes verstehen, die Notwendigkeit
der Verteidigungsbereitschaft einsehen."
Wer hätte das gedacht, daß vernünftige, informationsreiche und
sachliche Bildung zu dieser nationalen Einstellung führt. Die Ma-
cher der Empfehlung haben kein Problem damit, die zumindest noch
formell auf eine auf Wissen begründete Urteilsfindung hinweisen-
den Begriffe des Unterrichts hinzuschreiben: Genauso wie bei den
bisherigen Lehrplänen für den Unterricht in Deutsch und Sozial-
kunde noch aus jeder "kritischen Erörterung" der Grundwerte
nichts als Bekenntnisse zu Staat, Demokratie und Marktwirtschaft
herauskommen und man die auch hinschreiben muß, wenn man eine
gute Note für seinen "dialektischen Besinnungsaufsatz" kriegen
will, so wird auch als Ergebnis des Wehrkundeunterrichts ganz ob-
jektiv die offizielle Verteidigungspropaganda herauskommen. Der
Lehrer wird ganz einfach darauf verpflichtet, alle offiziellen
I d e o l o g i e n über Bundeswehr und NATO als ihre
B e g r ü n d u n g im Unterricht zu vermitteln, um den Schülern
ein fundiertes Bekenntnis zum Wehrgedanken zu ermöglichen.
Mit der Wehrkunde in der DDR, die als furchtbare Ausgeburt des
expansiven Kommunismus und als Verführung Minderjähriger ange-
prangert wird, will man die eigene Veranstaltung der Erziehung
zur Kriegswilligkeit aber trotzdem nicht verwechselt wissen:
"...daß mit der vorliegenden Empfehlung der Kultusministerkonfe-
renz keinesfalls die Einrichtung von 'Wehrkunde', das heißt die
Vermittlung militärkundlichen Einzelwissens" (braucht's nicht,
kommt in der Ausbildungsphase Wehrdienst) "beabsichtigt ist, son-
dern die gründliche Auseinandersetzung" (das ist gut) "mit dem
Auftrag der Bundeswehr im Gesamtzusammenhang der Bemühungen um
die Friedenssicherung. Diese Würdigung" (ist die Auseinanderset-
zung) "soll nicht vor dem Hintergrund eines Feindbildes erfolgen;
nicht Erziehung zum Haß ist das Ziel, sondern Verständigungsbe-
reitschaft unter realistischer Einschätzung der gegebenen Mög-
lichkeiten."
Man kann nur hoffen, daß einige Schüler ihren Kopf noch nicht so
weit unter den Stahlhelm der Freiheit gesteckt haben, daß ihnen
die dargebotene Frechheit noch auffällt. Ganz offenbar geschieht
demokratische Wehrkunde mit einem Feindbild im Vordergrund. Ein
klareres Feindbild, als die BRD und die NATO haben, kann man sich
doch gar nicht vorstellen. Dieses wird den Schülern im Unterricht
warm empfohlen:
- "Nach dem zweiten Weltkrieg hat es nicht an Versuchen der So-
wjetunion gefehlt, Ihren Machtbereich in Europa noch über das be-
reits kontrollierte Gebiet hinaus auszudehnen. Die Bundesrepublik
Deutschland im Zentrum Europas dem militärisch überlegenen Ost-
block unmittelbar benachbart, war dabei besonders bedroht."
Lernzielkontrollfragen folgender Art sind verboten: Wer hat eine
Wiedervereinigung Deutschlands verhindert? Wer hat denn den kal-
ten Krieg erfunden? Wer bestreitet heute noch der DDR die Exi-
stenz und rechtmäßige Staatlichkeit auf deutschem Boden? Wer be-
streitet dem ganzen Ostblock das Recht, sich als souveräne Staa-
ten aufzuführen?
- "Angesichts der Tatsache, daß die Sowjetunion trotz aller Ent-
spannungsgespräche ihr militärisches Potential vermehrt, setzt
eine realistische Politik zur Sicherung des Friedens auch weiter-
hin die Verteidigungsbereitschaft des Westens und damit einer ab-
wehrbereiten Bundeswehr voraus"
Verbotene Lernzielkontrollfrage: Aber warum hat denn der Westen
in dieser Zeit ausgiebig aufgerüstet, etwa um des Gleichgewichts
willen?
- "Der Herrschaftsanspruch des Kommunismus bedroht die freie
Welt." (Die den Kommunismus ja nur am liebsten von der Erde ver-
tilgt sähe) "Die zahlenmäßig konventionelle Rüstung der Staaten
des Warschauer Paktes übertrifft die der NATO-Staaten bei weitem"
(obwohl unser Leo Spitze ist); "bei den nuklearen Waffen hat die
Sowjetunion gleichgezogen." (Unverschämt die Russen, sich Waffen
anzuschaffen und so unseren Sieg in Frage zu stellen.)
Falsche Lernzielkontrollfrage: Warum zielt der Herrschaftsan-
spruch des freien Westens auf die ganze Welt?
Das Lernziel besteht also in der gar nicht neuen, aber unangeneh-
men Weisheit, daß es notwendig ist, für das Vaterland oder die
Freiheit, wie es immer heißt, sein Leben hinzugeben. Der vorge-
stellte Grund ist ebensowenig originell: Nicht weil die BRD und
der Westen beanspruchen, die ganze Welt nutzen zu können, und so
vor allem den Osten bedrohen, der sie nicht einfach läßt, sondern
weil die Russen, die Unfreiheit, der Kommunismus, den armen eige-
nen Staat bedrohen.
Die Lerninhalte
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Argumente gibt es keine dafür, daß es notwendig ist; für die
wirtschaftlichen und politischen Feldzüge und Ambitionen seines
Staates auf der ganzen Welt (wovon der normale Untertan nie und
nimmer etwas hat) seinen Kopf hinzuhalten. Wenn man aber den
Glaubensgrundsatz gelehrt hat, daß im Westen seinen Lebensunter-
halt zu verdienen und dabei demokratisch regiert zu werden, der
Wert der Freiheit ist, während im Osten der Unwert der Unfreiheit
herrscht; wenn man darauffolgend das Dogma vermittelt hat, die
völlig unimperialistische Politik des freien Westens gäbe nie
einen Grund für Kriege ab, bedrohe niemanden, während der gewalt-
same Kommunismus des Ostens nach der freien Welt greife, den
Frieden bedrohe - dann und unter dieser Voraussetzung erscheinen
alle Lerninhalte konsequent aufgebaut, eben ein einziges Lügenge-
bäude.
Obwohl mit allen Strategien und Waffen des Erstschlags ausgerü-
stet, mit der Vorneverteidigung und der Neutronenbombe, ist die
"Bundeswehr ausschließlich eine D e f e n s i v a r m e e", ja
selbst die Vereinigung zur NATO, die von Anfang an den militäri-
schen Zweck verfolgt, den kommunistischen Machtbereich fertigzu-
machen, wird als purer Beweis der Selbstverteidigung hingestellt:
"Durch den Beitritt zum Verteidigungsbündnis der NATO hat die
Bundesrepublik Deutschland den Defensivcharakter ihrer Streit-
kräfte unterstrichen. Die Bundesregierung gab im Zusammenhang der
Beitrittsverhandlungen eine Gewaltverzichtserklärung ab."
Eine schönere Gewaltverzichtserklärung als den Beitritt zu einem
Militärbündnis mit weltweitem Auftrag gibt es ja wohl nicht! Von
Gewaltlosigkeit ist deshalb auch kaum die Rede, wenn die Bundes-
wehr ihren Auftrag bescheinigt bekommt - selbst nicht bei Unter-
stellung der harmlosesten Absichten der BRD und unter Weglassung
ihrer imperialistischen Zwecke, die bekanntlich nicht nur bis zum
persischen Golf und bis ans Horn von Afrika reichen.
"Im Frieden besteht der Auftrag der Bundeswehr darin, gemeinsam
mit den Truppen unserer Bündnispartner durch ständige Einsatzbe-
reitschaft einen Gegner davon abzuhalten, militärische Gewalt an-
zudrohen oder anzuwenden."
Defensivauftrag Nr. 1, damit sich der Gegner die politischen und
wirtschaftlichen Erpressungen gefallen läßt. Solange er klein
beigibt, sichert die Bundeswehr den Frieden.
"In Krisenzeiten trägt die Bundeswehr dazu bei, daß die politi-
sche Führung frei handeln kann, ohne sich einem fremden politi-
schen Willen unterwerfen zu müssen; damit schützt sie vor dem
Versuch politischer Erpressung."
Defensivauftrag Nr. 2, damit die eigene Regierung die Freiheit
behält, weiter zu erpressen. Das heißt nämlich Freiheit: Dem Geg-
ner seinen Willen aufzuzwingen, damit dieser es sich dreimal
überlegt, sich dagegen zu wehren.
"Im Verteidigungsfall hat sie gemeinsam mit den Bündnispartnern
die Unversehrtheit des Territoriums der Bundesrepublik zu erhal-
ten oder wiederherzustellen."
Defensivauftrag Nr. 3: Im Verteidigungsfall wird selbstverständ-
lich hinter dem Eisernen Vorhang gekämpft und sich das ganze
deutsche Territorium wiedergeholt, in den Grenzen von..., ganz
nebenbei das Krebsgeschwür Kommunismus ausgemerzt, wenn's klappt.
Und 5 Sätze weiter kommen die Kultusminister mit der unverfrore-
nen Lüge daher, die ganze Armee die laufende Aufrüstung und die
neuerlich beschlossenen, bedrohlichen Waffen gegen die Russen
seien allesamt nur dazu da, nicht eingesetzt zu werden:
"Die Streitkräfte müssen kämpfen können, um nicht kämpfen zu müs-
sen. Die gemeinseme Sicherheitspolitik im Nordatlantischen Bünd-
nis und die Einsatzbereitschaft aller Streitkräfte rechtfertigen
die Erwartung, daß der Krieg vermieden wird."
Damit auch der letzte daran glaubt, die demokratische Friedensar-
mee sei etwas anderes als die Armeen zu Wilhelms und Adolfs Zei-
ten, werden die bodenlosesten Vergleiche zum Lerninhalt gemacht.
"Daß wichtige Entscheidungen von den demokratisch verantwortli-
chen Politikern und nicht von der militärischen Führung getroffen
werden", soll die Bundeswehr ins rechte demokratische Licht rüc-
ken. Sie ist bloß ein grundgesetzlich verbrieftes demokratisch
kontrolliertes Mittel der Politik. Aber was heißt "bloß"! Als ob
nicht auch in der Vergangenheit die Politiker sich ihres Mittels,
des Militärs, bedient hätten oder es einen Unterschied mache, ob
einmal ein General im Amt des Politikers die Zwecke des Staates
verfolgt (Hitler machte sich zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht,
und der Kanzler ist im Verteidigungsfall Chef der Bundeswehr);
als ob eine Bundeswehr unter dem Primat der Politik nicht für den
Einsatz, also zum Kriegführen vorgesehen wäre.
Unterstützung erführen die Politiker, die neuerdings das Militär
nicht einsetzen, sondern in Schach halten, durch das Volk als
Kontrollinstanz. Da macht es nichts, daß es nicht gefragt wurde,
als bald nach dem Kriege die Bundeswehr eingerichtet wurde, und
auch nicht gefragt werden wird, wenn der Verteidigungsfall be-
schlossen wird:
"Neben die unmittelbare parlamentarische Kontrolle tritt die Kon-
trolle durch die demokratische Öffentlichkeit. Sie hat wie in je-
dem anderen Bereich der Politik zur Voraussetzung, daß die Bürger
über ausreichende Kenntnisse und Informationen verfügen, um
sachgerecht urteilen zu können. Auch aus diesem Grund kommt der
Behandlung von Fragen der Friedenssicherung und Bundeswehr in der
Schule große Bedeutung zu. Sie soll auch dazu beitragen, daß die
Bundeswehr von der Bevölkerung als notwendiger Teil ihrer demo-
kratischen Ordnung akzeptiert und nicht gesellschaftlich isoliert
wird."
Ein starker Kontrolleur, diese demokratische Öffentlichkeit: In
der Schule wird den Leuten die Notwendigkeit der Bundeswehr bei-
gebracht, und mit diesem sachlichen Urteil ausgerüstet kontrol-
liert das Volk seine als notwendig angesehene Bundeswehr, am be-
sten durch Demonstrationen für ihre Stärke und feierliche Verei-
digungen. Schließlich bekommt die Wehrmacht ihren letzten fried-
lich/demokratischen Schliff durch die NATO verpaßt. Die Bundes-
wehr ist
"in ein System der kollektiven Sicherheit eingebettet. Darin
liegt such ein Schutz vor mißbräuchlichem Einsatz zu nationali-
stischen oder antidemokratischen Zwecken."
Das größte, mächtigste und waffenstarrendste Militärbündnis, das
die Geschichte je gesehen, ist wirklich der Garant dafür, daß die
BRD nur mit den Bündnispartnern ihre nationalen und imperialisti-
schen Zwecke gegen den Osten verfolgt - sehr viel effektiver, als
das Großdeutschland vermochte.
Die Unterrichtsverfahren
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bieten sich auf der Grundlage des klar umrissenen Lernziels und
der eindeutigen Propaganda der Lerninhalte geradezu an. Durch
alle Fächer - von Sozialkunde über Deutsch und Geschichte bis zu
Religion und Geographie, wo der liebe Gott die richtige Deutsch-
landkarte absegnet - wird ohne Umschweife auf das Ziel zumar-
schiert. Ja keine Zweifel an der Streitmacht säen! So darf die
Wehrdienstverweigerung, dieses hehre Grundrecht, nicht vergessen
werden. Aber aufgepaßt, deutscher Lehrer, nicht überbetonen!
"Die Behandlung der Möglichkeit (?) der Friedenssicherung darf
nicht zu einer Abwertung dieses Grundrechts führen." (Schließlich
dient ja der ganze Wehrunterricht der Klarstellung des Unter-
schieds zwischen Rechten und Pflichten. Deshalb gilt auch:)
"Andererseits ist zu beachten, daß die allgemeine Wehrpflicht
eine kollektive Pflicht, die Wehrdienstverweigerung ein individu-
elles Grundrecht darstellt."
Noch Fragen? Ist doch wohl klar, was hier vorgeht! Es ist doch
wohl der Wehrdienst, der "die Grundrechte einschließlich des
Grundrechts auf Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen
schützt", während das individuelle Grundrecht die kollektivisti-
sche Pflicht, in den Krieg ziehen zu müssen, kaum zu schützen
vermag.
Lieber soll man weniger über die Gewissensheinis als mehr mit der
Bundeswehr reden und sie als anschauliches Unterrichtsmaterial
einsetzen. Von Soldat zu Schüler läßt sich so manches sagen, nur
darf nichts Verbotenes passieren:
"Bei der Zulassung von Schulbüchern ist darauf zu achten, daß das
Thema der vorliegenden Empfehlung und den Lehrplänen gemäß darge-
stellt wird. Der Friedensbegriff, der in den Schulbüchern verwen-
det wird, sollte die in der Empfehlung dargestellten Wertbezüge
enthalten."
Truppenbesuche, auch mit Gewehr Anfassen und so, dürfen selbst-
verständlich nur "sachlich und ohne Werbung" geschehen.
An diesem ausgefeilten Bildungswesen wird die deutsche Nation ge-
nesen. Es verdient die Note 1, so wie schon vor dem Erscheinen
der vorliegenden Empfehlung angehende Abiturienten in Bayern eine
gute Note bekamen, wenn sie folgende "verteidigungspolitische
Konsequenzen" hinschrieben:
"Notwendigkeit der Einbindung in ein mititärisches Bündnissystem;
Abhängigkeit von einer Großmacht mit entsprechenden nuklearen Ab-
schreckungskapazitäten (USA); Anstreben einer zuverlässigen Ein-
beziehung der Bundesrepublik Deutschland in das Abschreckungskon-
zept der Großmacht USA; Vorneverteidigung; Interesse an der Sta-
tionierung zahlreicher Truppen aus dem Bündnis in der Bundesre-
publik Deutschland; Interesse an der nuklearen Präsenz der USA in
der Bundesrepublik Deutschland." (Hinweise zur Korrektur)
Dem Kultusminister Hans Maier (CSU) trug dies in der Presse die
Schelte ein
"von bayerischen Abiturienten bei der Lösung einer Aufgabe im
Fach Sozialkunde zum Thema Sicherheitspolitik" verlangt zu haben,
"daß sie im Sinne des NATO-Doppelbeschlusses argumentieren."
Maier konterte mit dem erlesenen Argument, daß seine Aufgaben-
stellung keineswegs eine pluralistische Beantwortung verbiete,
weil es den Prüflingen zur Erlangung des Klassenziels durchaus
möglich gewesen wäre, statt dem Standpunkt der Bayerischen
Staatsregierung denjenigen der deutschen Bundesregierung auszu-
führen!
Wirklich nicht schwer, in der BRD die Reife bescheinigt zu bekom-
men!
Bei dem Bemühen, die M i l i t a r i s i e r u n g des Nach-
wuchses dadurch zu befördern, daß in den Schulen der Nation mit
dem Thema auch der Geist der "Schule der Nation" um sich greift
und festen Fuß faßt, ist Bayern auch darin vorbildlich, als es
zur Kontrolle der Erreichung des Lernziels den Lehrern ein paar
unbezahlte Sonderaufgaben zuteilt:
"Auf Anweisung des Kultusministeriums sind die Schulleiter auf-
gefordert worden, den Bezirksregierungen Aktivitäten an ihren
Schulen zu melden, die dem Thema Friedenssicherung und Abrüstung
gewidmet sind. Dazu wurde den Lehrern ein Katalog übermittelt, in
dem diverse Aktionsstunden, Seminare, 'Friedensfeste' und Demon-
strationen aufgeführt sind und über deren Durchführung im Bereich
der Schulen die Aufsichtsbehörde unterrichtet werden muß."
(Süddeutsche Zeitung vom 18./19. Juli 1981)
Neben der Wehrkrafts- gilt nun auch der Lehrplanzersetzung die
Aufmerksamkeit der zuständigen Aufsichtsbehörden.
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