Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR IDEOLOGIE - Mit der Bombe Frieden machen
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Wochenschau
REICHSPRÄSIDENT A.D. KARL DÖNITZ
Der letzten Dienstag von 4000 alten und jüngeren Kameraden zur
letzten Ruhe begleitete Großadmiral war von den deutschen Führern
in diesem Jahrhundert der erfolgloseste, was man schon daran
sieht, daß er das Amt des höchsten Staatsrepräsentanten nur
knappe zwei Wochen bekleiden konnte, weil ihn das
Territorium, über das er Souveränität ausübte durch äußere Ein-
wirkung flöten ging. Dabei muß er - nach allem was man so in den
Nekrologen liest - das Zeug zum Staatsmann 1. Klasse gehabt ha-
ben: "Der Marinehistoriker Michael Salewski zählt Dönitz zu den
ganz wenigen Feldherrnpersönlichkeiten, die auch in der
Niederlage, einer totalen und blutigen Niederlage,
das Vertrauen derer behielten, die er in einen sicheren Tod
schickte." (Spiegel, Nr.1-2/1981) Doch was nützt es einem schon,
von Freund und Feind "als einer der größten Militärführer des
Jahrhunderts" gelobt zu werden, wenn man das ganze Blut für eine
Niederlage fließen läßt? Dönitz wurde so zur "tragischen Figur",
während unser amtierendes Staatsoberhaupt, das in Habitus und
preußischer Tradition seinem Vorgänger bis zur Frisur ähnelt,
nach Ablauf seiner Amtszeit sofort eine ehrenvolle Pension kas-
sieren wird, ohne - wie Dönitz - erst 10 Jahre Knast absitzen zu
müssen. Das Urteil der Geschichte ist hart, aber gerecht und weil
Dönitz einem Staat diente, der sich vor ihr durch ihren Untergang
blamierte, feierte die Bundeswehr sein Begräbnis offiziell nicht
mit, obwohl doch mit dem Leichnam des Großadmirals keineswegs der
Geist mit zu Grabe getragen würde, der die Sache, für die er "bis
zum bitteren Ende" focht, auch heute noch mit Leben erfüllt:
"Leider ist die Bereitschaft zum Opfern, die Bereitschaft der
Führer, den Einsatz des Lebens zu fordern, und die Bereitschaft
der Geführten, ihr Leben in die Schanze zu schlagen, seit dem
Zweiten Weltkrieg in Europa dramatisch geschwunden." Diese Klage
in der "Welt am Sonntag" mag zwar als vorgezogener Nachruf auf
den toten Dönitz passieren, die Praxis unserer Demokratie und ih-
rer Wehrmacht samt Bündnis widerlegt sie ganz undramatisch. Die
Klage eines altes Marine- im Fernsehen gegen Bundesregierung und
Bundeswehr wegen des ausgefallenen Staatsbegräbnisses ("Diese
Herren können dem Großadmiral nicht mal ein Glas Wasser rei-
chen!"), reibt sich an Formalia: Der Herr wird noch, angenehm
enttäuscht werden.
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