Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Habt ihr es nun endlich kapiert oder nicht?
IHR SOLLT EURE WEHRMACHT EHREN!
Unsere Demokratie ist sehr unzufrieden mit ihren schlappen Bür-
gern. Am 25. Geburtstag der Bundeswehr hat sich deswegen der
Staat einmal gründlich beschwert. Politiker und Generäle haben
sich mit ein paar mutigen Journalisten zusammengetan und das Mi-
litär gefeiert, und dem Volk daheim haben sie bei dieser Gelegen-
heit einmal kräftig die Meinung gesagt. Und das ging so:
1. Vom "Sinn des Dienens"
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Der Staat gibt sich alle Mühe, den Leuten Geld aus der Tasche zu
ziehen, um unsere NATO-Streitmacht gescheit auszubauen; Jahr für
Jahr plagen sich die tapferen Beamten auf den Kreiswehrersatzäm-
tern herum, bis sie wieder einen Jahrgang gemustert und eingezo-
gen haben. Und was ist der Dank dafür? Keiner außer den Politi-
kern und Militärs ist begeistert, wenn sie ihr "demokratisches
Recht auf die Feier des 25. Geburtstags der Bundeswehr" wahrneh-
men. Ein Demonstranten, die vom Militär offenbar überhaupt nichts
Gutes erwarten, erlauben sich sogar die Frechheit, die vielen
Pausen bei der Abwicklung des Großen Zapfenstreichs schamlos für
Sprechchöre auszunützen. "Aufhören!" haben sie gebrüllt - ausge-
rechnet jetzt, wo es richtig losgeht!
Und auch das übrige Volk hat ziemlich versagt. Statt sich zu Tau-
senden durch die Polizeiabsperrungen zu kämpfen und mit seinen
jungen und alten Soldaten zu feiern, ist es daheimgeblieben. Kein
Verständnis für die Opfer, die der Staat den Soldaten abverlangt.
Das haben die jungen Kämpfer doch verdient, daß sie fürs Dienen
gefeiert werden. Wenn schon sonst ihr Lohn so knapp bemessen ist,
kann man doch bei der Ehre etwas zulegen. Wie hat ein Unteroffi-
zier so schön gesagt: "Der Mensch braucht die Pflege, nicht das
Material."
Also, vorerst zum letzten Mal! Der Staat zieht die 19jährigen
ein, gibt ihnen die nötige Pflege von der Grundausbildung bis zum
Manöver und die Bürger meinen glatt, sie hätten ihre Pflicht ge-
tan, wenn sie ihre Kinder und ihr Geld zur Verfügung stellen. Man
muß ja zweifeln, ob sie das überhaupt freiwillig tun! Der "Sinn
des Dienens" besteht doch nicht darin, daß man sich mühsam die
paar Steuerkröten aus der Tasche ziehen läßt. Er liegt - wie das
Wort "Dienen" schon sagt - darin, daß man immer, und ohne Wenn
und Aber, zu Opfern bereit ist. Also nicht immer fragt, ob mit
der "Verteidigung der Freiheit" auch wirklich die eigene Haut und
das Wohnzimmer gemeint ist.
2. "Nicht nur im Kopf, auch im Herzen"
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von Jung und Alt hat die Bundeswehr verankert zu sein, ließ ein
wehrhafter demokratischer Politiker sein Volk wissen. Der gute
Mann hat bemerkt, daß der Verstand selbst bei bundesdeutschen
Wählern noch zu gut funktioniert, als daß sie mit großem Hallo
nach Krieg schreien. Das ist ihm aber gar nicht recht. Daß sie
b l o ß mitmachen, die Bürger, ist den Herren in Bonn einfach zu
wenig. Sie wollen vor allem auch "die Gefühle der jungen Menschen
beanspruchen", wenn es um die Vorbereitung des nächsten Krieges
geht - und deshalb kommt ihnen die Tradition des großen Zapfen-
streiches nebst öffentlichem Gelöbnis gerade recht. Das ist doch
so recht was fürs Gemüt: Fackelschein, flott aufmarschierende Re-
kruten, ein geblasener Choral des Inhalts "Ich bete an die Macht
der Liebe" - wenn das keine gefühlvolle Einstimmung aufs Sterben
ist!! Jahrzehntelang sind solche schönen Bilder dazu mißbraucht
worden, vor totalitären Staaten zu warnen und zu sagen: "Seht, so
wickeln die den Menschen ein und nehmen ihm seine Freiheit!". Das
muß aufhören.
3. "Nicht den Diktaturen überlassen"
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darf man die Verherrlichung der eigenen Stärke, die sich am
schönsten in der bedingungslosen Bereitschaft des Soldaten offen-
bart, mit allen Fasern seiner Seele für den Staat, in dem man zu-
fällig geboren ist, zu kämpfen, zu siegen und zu fallen. Wir müs-
sen dankbar sein für diesen mutigen Hinweis eines frei gewählten
Politikers, der endlich einmal gesagt hat, daß eine Demokratie
durchaus dieselben Ziele verfolgen kann wie die verabscheuten to-
talitären Systeme - nur besser. Da war es auch mal an der Zeit,
öffentlich darüber aufzuklären, daß es sich gehört, "ein Gefühl
für den Wehrdienst" zu entwickeln. Wie es das Gefühl heute und
hier schon vorbildlich gibt, ist auch schon vorgeführt worden -
an zwei jungen Rekruten, "die noch nicht einmal so alt sind wie
unsere Bundeswehr". Einer hat auf die Frage.
"Wie fühlen Sie sich bei dieser Veranstaltung, die Ihretwegen (!)
stattfand?"
schon ganz richtig geantwortet:
"...sehr beeindruckt, ziemlich fasziniert vom großen Aufgebot an
Feldjägern und Polizei."
Daran hätte auch unser Adolf selig, die "schlechte Tradition",
seine Freude haben können - und die matten Bundesbürger können
sich getrost eine Scheibe abschneiden. Auf jeden Fall haben sie
ab sofort mit der blöden Vorstellung Schluß zu machen, die ihnen
vor 20 Jahren zur Wiederbelebung des Verteidigungsgedankens ein-
geblasen worden ist: mit der vom "Bürger in Uniform", der eigent-
lich nichts anderes wäre als ein Bestandteil des "öffentlichen
Dienstes". Ein
4. Mann der Front
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der Herr General Steinhoff mit dem zerbombten Gesicht, hat klar-
gestellt, daß er den Vergleich unserer Soldaten mit Eisenbahnern
"makaber" findet. Die arbeiten nämlich bloß für Geld, während von
den Soldaten für nichts ganz andere Sachen verlangt werden:
"jahrelang schon in Friedenszeiten mit anderen in einer Stube le-
ben, wo der eine Schweißfüße, der andere wer weiß was für Eigen-
heiten hat", also ohne die geringsten Annehmlichkeiten immer nur
Dienst und Gehorsam. Das klang ziemlich glaubwürdig bei dem alten
Haudegen, der sein Gesicht nicht als Argument gegen den Krieg
verstanden wissen will. Umgekehrt möchte er, daß die Jugend von
heute zu lauter "Männern der Front" heranreift; und dafür, daß
sie sich von Staats wegen in den Kampf begeben, also alles liegen
und stehen lassen, will er mit seinem Generalskollegen de Mai-
ziere einen
5. "Dank des Staates"
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an die Soldaten entrichten. Orden sollen sie kriegen, die Diener
und Verteidiger der Freiheit - damit sie wenigstens was haben,
wenn sonst alles hin ist! Richtig verdient haben - so Steinhoff -
diese Anerkennung aber eigentlich nur diejenigen, die wie er tap-
fer die Visage und mehr fürs Vaterland opfern.
Wenn das nicht unterstützenswerte Ziele sind! Die verdienen doch,
wie ein Fernsehfritze richtig bemerkte, die Begeisterung der
"breitesten Mehrheit" des Volkes, oder?
P.S. in Sachen Günter Noris: Wer bisher gemeint hat, nur Schla-
gerflittchen wären aus kommerziellen Gründen, also aus purem Ei-
gennutz in der Lage, künstlich zu grinsen, kann von der Bundes-
wehr noch manches lernen. In der Big Band unseres Militärs zeigen
gestandene Soldaten in Uniform oder im poppigen Monteursanzeug,
daß man auch a u f B e f e h l Grimassen schneiden kann, die
Fröhlichkeit verheißen. So lustig geht deutsches Soldatenleben.
Rührt euch und kauft euch die Platte. Der Erlös kommt über die
Krebshilfe den Strahlenopfern des nächsten Krieges zugute.
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