Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 05.11.1981
Wochenschau
TÜRKEN IN DIE BUNDESWEHR?
Der Wehrdienst ist zwar die vornehmste aller staatsbürgerlichen
Pflichten, um sich zum Töten und Vernichten abrichten zu lassen,
braucht man aber nicht unbedingt ein vollwertiger Staatsbürger zu
sein. Dies die Folgerung aus einer Rede des Bundeswehrgeneralin-
spekteurs Jürgen Brandt vor der Kornmandeurstagung in Ingolstadt,
in der er "die Einberufung ständig in der Bundesrepublik lebender
Ausländer forderte". (Reuter vom 26.10.) Endlich mal ein Durch-
bruch für die Türken in Sicht, denen die CDU/CSU noch vergangene
Woche wieder einmal das kommunale Wahlrecht vorenthielt. Auch
Frauen will Brandt sich freiwillig verpflichten lassen, um ihre
Diskriminierung wenigstens auf dem Feld der Ehre zu beenden. Als
Ausgleich für die Staatsbürger 1. Klasse, die jungen Männer, die
als Spätfolge der Pille immer rarer werden sollen, forderte der
General eine "Verlängerung der Wehrpflicht von derzeit 15 auf
mindestens 18 Monate." Der oberste Haudegen der Nation sorgt sich
auch um den Kampfgeist in der Bevölkerung. "Die Friedensdiskus-
sion ist nicht unsere Diskussion," (sie lenkt womöglich ab vom
Erlernen des Kriegshandwerks!) "sie darf aber nicht ohne uns ge-
führt werden." (Zur Friedensdiskussion antreten!) Der Befehlsha-
ber wandte sich ferner scharf gegen "Minderheiten mit der Arro-
ganz desjenigen, der sich im Besitz der Wahrheit glaubt und der
sich einer dialektischen Auseinandersetzung entzieht", um darauf
den obersten Dialektinger zu setzen, mit dem der Krieg materiell
und ideell vorbereitet wird: "Der Auftrag (der Bundeswehr) lau-
tet, Friedensdienst zu leisten mit dem Ziel, einen Krieg zu ver-
hindern." Damit der so verhinderte Krieg auch erfolgreich gewon-
nen werden kann, schloß Brandt mit einem Tagesbefehl an die in-
nere Führung der Truppe: "Offiziere und Ausbilder müßten den Sol-
daten das Gefühl geben, daß sie gebraucht und nicht nur verwaltet
werden." Das ist in dem Sinne gemeint, daß die Wehrmacht so ver-
waltet werden muß, daß sie im Ernstfall auch zu gebrauchen ist.
Nicht besonders originell, aber sehr-dialektisch.
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