Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 13.03.1981
Wochenschau
ES WAR SCHON IMMER ETWAS TEURER
die drittstärkste Armee der Welt zu haben. Deswegen hat sich un-
ser Bundesminister der Verteidigung mit einem Rudel Generäle
letzte Woche auf der Hardthöhe zu einer "strenggeheimen Klausur"
zurückgezogen. Der offizielle Titel dieser Veranstaltung
"Erörterung über mögliche Einsparungen bei der Rüstung" ist je-
doch glatt gelogen. Die Bundeswehr ist schließlich kein Arbeiter-
haushalt, der sich mit der Überlegung konfrontiert sieht, ange-
sichts steigender Preise und stagnierender Löhne auf einige Le-
bensgewohnheiten zu verzichten, damit das Geld noch reicht. Die
Bundeswehr ist vielmehr eine staatliche Einrichtung, deren Le-
bensnotwendigkeit für die Demokratie unbestritten ist, weshalb
darüber diskutiert wird, w i e das Geld für ihren Unterhalt
aufgetrieben werden kann und was man sich für ihren Ausbau in Zu-
kunft leisten w i l l. So steht fest, daß die Mehrkosten für
den Tornado aufgebracht werden m ü s s e n, weil "wir" dieses
Fluggerät ganz einfach "brauchen", damit die Wehrmacht ihren
A u f t r a g erfüllen kann. Diskutiert wurde also lediglich
z.B., ob der Auftrag an Krauss-Maffei und andere Firmen, 1800
neue Panzer vom Typ "Leopard 2" in v o l l e m Umfang bestehen
bleibt. Dabei heißt es abwägen. Mit 1800 neuen Leos hätte die
Bundeswehr 8250 Panzer und wäre die drittstärkste Panzerarmee der
Welt auch in den späten 80er Jahren. Die Luftwaffe will neue
Jagdflugzeuge und Flugabwehrraketen, w e i l sonst der Tornado
seine volle Wirkung nicht entfalten kann und die Marine schließ-
lich b r a u c h t unbedingt zwei neue Fregatten, weil sonst
die NATO-Aufträge nicht erfüllt werden können. Minister Apel wies
darauf hin, daß "glaubhafte Abschreckung nicht mit Pfeil und Bo-
gen" gemacht werden kann, weshalb das Beste auf dem Tötungs- und
Vernichtungsmarkt gerade gut genug ist. Das Ergebnis der
"geheimen Klausurtagung" braucht gar nicht veröffentlicht zu wer-
den. Es steht im Prinzip fest: Der Preis der Freiheit wird ent-
schieden höher werden und um die Zahlungsmoral der freiheitslie-
benden Bürger braucht man sich in Bonn die geringsten Sorgen zu
machen. Sie akzeptieren mehrheitlich die offizielle Lüge, daß man
am sichersten überlebt, wenn man alles Menschenmögliche fürs al-
lermodernste Verrecken unternimmt und lassen sich in ihrer Über-
zeugung, die Bundeswehr werde ausgerüstet, um n i c h t zum
Einsatz zu kommen, auch dadurch nicht beirren, daß die Ausgaben
für die Wehrmacht mit der Einsatz b e r e i t s c h a f t der
Armee begründet werden, die u m j e d e n P r e i s erhalten
werden muß.
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