Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Wochenschau
SOLDAT UND GESELLSCHAFT
Bundesminister APEL hebt den "Traditionserlaß" der Bundeswehr
auf, um ihn mit dem "Geist und Toleranzgebot unseres Grundgeset-
zes zu verbessern", so sieht seine Abschmetterung der Kritik an
der öffentlichen Zurschaustellung deutscher Verteidigungsfähig-
keit und -bereitschaft aus. Der matten "bloßen" Zustimmung des
Bürgers zur bundesdeutschen Wehrmacht - ohne besonderes Engage
dafür zu sein, weil sie eben zum Staat dazugehört - ist damit
höchst offiziell ein Ende gesetzt. Was ab jetzt ansteht, ist das
öffentliche Bekenntnis aller Gesellschaftsmitglieder zu
i h r e r Bundeswehr und deren neudefinierter "demokratischer
Tradition".
Daß das allenthalben geschieht, dafür sorgt der Staat dankens-
werterweise gleich selbst: in Schulen steht künftig Wehrkundeun-
terricht auf dem Programm, die Rekrutenvereidigungen werden dem-
nächst auch in Betrieben stattfinden, um "unsere Verbundenheit
mit den arbeitenden Menschen darzustellen" (APEL) und überhaupt
finden zum Zwecke der "Verbesserung des Verhältnisses zwischen
Staat und Gesellschaft" verstärkt solche Propagandaveranstaltun-
gen der Bundeswehr statt wie kürzlich die Tagung "Soldat und Ge-
sellschaft", auf der 53 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens
ihre tiefe Verbundenheit mit dem bundesdeutschen Militär zur
Schau stellten.
Ganz vorne dran der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für
Friedens- und Konfliktforschung und Bonner Politologieprofessor
JACOBSEN. Den Auftrag seines Kriegsministers, den "Hinweis auf
die Friedenssicherung als Existenzgrund und als prägendes Element
sowohl für das Selbstverständnis der Soldaten als auch für die
Traditionspflege der Bundeswehr" in den Vordergrund der Propa-
ganda zu stellen, wiederholte er so prompt, als hätte er ihn
selbst erfunden: "Die Bundeswehr", so verkündete er auf der Ta-
gung, "muß ihre eigene Tradition begründen, weil sie primär der
Friedenserhaltung dient und sie als höchste Aufgabe die Pflicht
zum Frieden hat, während die Wehrmacht im Dritten Reich als Armee
zum Kriege mißbraucht wurde." Überflüssig zu fragen, wie ein
Mensch darauf kommt, den kriegerischen Einsatz des Militärs frü-
her als "Mißbrauch der Armee" zu entdecken. Umgekehrt jedenfalls
verwechselt JACOBSEN genausowenig wie seine staatlichen Auftrag-
geber die "Pflicht zum Frieden" mit dem Nicht-Gebrauch der Armee
und ihrer Waffen, sondern bejammert in aller Öffentlichkeit den
"mangelnden Selbstbehauptungswillen dieser Gesellschaft", in der
die Frage, lieber rot oder lieber tot zu sein, Oberhaupt als eine
"Alternative" diskutiert wird. Als ob die Politiker nicht längst
entschieden hätten, daß für das "freie Individuum" nur "tot" in
Frage kommt und dafür alles Nötige bereits vorbereitet haben:
"Die gewünschte (!) freie Entwicklung des Individuums braucht die
Bundeswehr zum Schutz vor fremder Gewalt." (JACOBSEN)
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