Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 14, 06.05.1980
Anläßlich der Rekrutenvereidigung wird
!GESUCHT!
der Bremer Bürger
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- dem bei der Kennzeichnung der Bundeswehr als Friedenstruppe
einfällt, daß es mit dem Frieden wohl so eine Sache ist, wenn er
mit schöner Regelmäßigkeit zu Kriegen fährt, nach deren Beendi-
gung der hinterbliebene Rest erneut ganz offen für den Frieden
sein darf;
- den der Spruch des Bundeskanzlers am 1. Mai kalt läßt, Iran und
Afghanistan seien eine Herausforderung für das ganze deutsche
Volk, weil er viel zu viel an sich denkt, als daß er ständig Her-
ausforderungen annehmen würde, die die Politiker in die Welt set-
zen;
- der nichts hält von einer bundesdeutschen Friedensmission, weil
er für die Größe, zu der es die BRD mit "deutscher Wertarbeit"
gebracht hat, selbst zuviel tun mußte, als daß er anderen den Ge-
nuß solcher Größe wünschen würde;
- für den die Politik der Entspannung nur die fortschrittlichere
Fortsetzung des kalten Krieges ist, weil er weiß, daß Abrüstungs-
gespräche und Osthandel nicht gemacht werden, damit er abends
friedlich in seiner mit russischem Erdgas gewärmten Bude einen
Wodka trinken kann;
- der also von der Solidarität der Völker gar nichts hält, weil
ihm nicht in den Kopf will, warum die Bürger enger zusammenrücken
sollen, damit ihre Staaten aufeinander losgehen können.
...der Bremer Bürger
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- der sich bei der Vereidigung von Rekruten - "Ich schwöre, der
Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die
Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen." - fragt,
warum man bei der Geburt immer ein ganzes Vaterland gratis und
ungefragt dazubekommt, dem man dann sein Lebtag so oder so dienen
darf;
- dem bei solchen Schwüren auffällt, daß Treue immer dann gefragt
ist, wenn es sich todsicher für den zur Treue Verpflichteten
nicht lohnt; dem also nicht einleuchten will, daß man umso tapfe-
rer ist, je weniger man vom Leben hat;
- dem bei CARSTENS nicht allein dessen braune Vergangenheit ein-
fällt, sondern dem es reicht, daß dieser Mensch der demokrati-
schen Gegenwart präsidiert;
- der sich beim Anblick von NATO - Generälen nicht fragt, ob
seine Steuergroschen vielleicht anderswo besser angelegt wären,
sondern der darüber nachdenkt, warum sich ein ganzer Berufsstand
von Krieg und Frieden ernährt;
- dem beim Anblick von Rekruten nicht nur die Erinnerung an seine
eigene Dienstzeit kommt, sondern die Frage, warum der Staat jedes
Jahr einige Zehntausende auf alles verzichten läßt - außer auf
den aktiven Einsatz für den Staat;
- der also die Rekrutenvereidigung im Weserstadion weder für ein
sehenswertes Schauspiel hält, noch für eine Wiederauferstehung
der Wehrmacht, sondern für ein recht deutliches Zeichen, wie weit
es die bundesdeutsche Demokratie in Sachen Krieg und Frieden ge-
bracht hat;
- der sich deswegen auch nicht in den Streit einmischt, ob die
Rekruten nicht besser ohne großes Zeremoniell in der Kaserne
Schwanewede vereidigt worden wären, weil er von Militärs und Po-
litikern auch dann nichts hält, wenn sie in der Öffentlichkeit
weniger Aufhebens von der Rekrutierung des männlichen Nachwuchses
machen.
...der Bremer Bürger
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- dem nach alledem anläßlich eines Flugblatts über die BRD und
die aktuellen Fortschritte in Sachen Krieg & Frieden nicht die
Frage nach Afghanistan in den Sinn kommt, weil er sich sein Ur-
teil über CARTER, SCHMIDT, CARSTENS oder APEL nicht dadurch neh-
men lassen will, daß auch ein Urteil über BRESCHNEW fällig ist;
- der es sich schenkt, einem Flugblattverteiler mit einem zacki-
gen "Geh doch nach drüben!" zu kommen, weil ihn die hiesige Demo-
kratie zu sehr ärgert, als daß er sie mit einem Blick über die
Mauer hochleben lassen wollte.
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