Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
zurück
Wochenschau
DER NATO-JAGDBOMBER ÜBER LINZ AM RHEIN
war selbstverständlich ein "bedauerliches Unglück", sagen die be-
rufsmäßigen Heuchler, also die politisch Verantwortlichen, und
schrecken nicht davor zurück, aus den 2 Leichen, die dabei ange-
fallen sind, eine Kampagne f ü r den Kampfauftrag der NATO zu
machen. Das geht so:
1. sprechen die "betroffene" rheinland-pfälzische Landesregierung
und das Bundesverteidigungsministerium "den Opfern und ihren An-
gehörigen das Mitgefühl und die Anteilnahme über den eingetrete-
nen schlimmen Unfall" aus. Die hohen Herren sind ja nicht geflo-
gen, und ihre Befehlsgewalt über den Luftraum der BRD soll bei
diesem feuchten Händedruck lieber keine Rolle spielen.
2. muß bei allem Schmerz allerdings klar gesagt werden, daß die
Toten von Linz nicht die letzten ihrer Art waren: "Trotz zuneh-
mender technischer Perfektionierung sind Unfälle dieser Art of-
fenbar nicht auszuschließen" (Ministerpräsident Bernhard Vogel).
Weiß der Himmel warum! Auf jeden Fall möchte CDU-Vogel diesen ge-
lungenen Trost mit der Notwendigkeit von Militärunglücken, die
außer dem Schicksal keinen Urheber kennen, als die offizielle
Version gültig wissen, "um dieses Unglück nicht zum Gegenstand
unzutreffender Schreckensbehauptungen werden zu lassen." Woran er
da-wohl denkt?
3. wenden die zuständigen Stellen dieses Dementi gleich offensiv,
b e k e n n e n sich ganz frech zu ihrer Sicherheit, daß so et-
was zu einem Leben unter dem NATO- "Schutzschirm" dazugehört -
und dazugehören m u ß: "Wir haben einen Kampfauftrag, um die
Bundesrepublik zu schützen, und es muß wirklichkeitsnah geflogen
werden" (Heeresamt Köln). Eben! Krokodilstränen für die Öffent-
lichkeit, knallhart in der Sache: "Die NATO-Übung 'Central Enter-
prise 84' wird vom 4.-8. Juni während der Übung am Tage umfang-
reiche Einsätze in allen Höhen fliegen. Im gesamten Übungsgebiet
einschließlich der BRD ist deshalb mit erhöhtem Flugbetrieb und
Fluglärm zu rechnen, auch in Gebieten, in denen normalerweise (!)
wenig militärischer Tiefflug durchgeführt wird", teilte das Ver-
teidigungsministerium tags drauf der Presse mit. Genau, das ist
die richtige Lehre aus solchen "Unglücken": üben, üben, üben -
und darum ist
4. an der "erschütterten Anteilnahme" über den Absturz von Linz
eines leider auch echt: aus dem geheuchelten Bedauern über die
unabdingbaren faux frais des NATO-Kampfauftrags, für den die Her-
ren in Bonn einstehen, spricht die unverhohlene Absicht, ähnliche
"Vorfälle dieser Art" auch einmal als 'heldenhaften Dienst am Va-
terland' in die Geschichte eingehen zu lassen. Das wird dann al-
lerdings weder ein unbeabsichtigtes "Unglück", noch am Rhein
sein.
zurück