Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Die Ideologie der Woche
"BUNDESWEHR IN DER LEGITIMATIONSKRISE"
Seit einigen Wochen macht sich die Öffentlichkeit von "Bild" bis
"Spiegel" freiwillig gleichgeschaltet Sorgen konstruktiver Art um
die Schlagkraft der Bundeswehr. Der Trick, mit dem man sich für
die Förderung der Wehrbereitschaft starkmacht, ist so einfach wie
billig: Die Öffentlichkeit erfindet sich 1000 Probleme, unter
denen unsere Wehrmacht leide, und stellt damit ihre Debatte unter
das Motto: 'Wir stärken die Akzeptanz der Bundeswehr in der Be-
völkerung.
Problem Nr. 1: "Das Feindbild schwankt...
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Ständig neue Abrüstungsschritte und Verhandlungsangebote Gor-
batschows, mit denen er die westliche Propagandalüge von der An-
griffsgefahr aus dem Osten entkräften möchte, haben ihre Wirkung
auf deutsche Politiker nicht verfehlt. Die sehen sich genötigt,
ihrer stattfindenden Aufrüstung eine aktualisierte Begründung
nachzuschieben und die Landesverteidigung von alten Propagandalü-
gen zu befreien. Das geht z.B. so:
"Wer den Willen zur Landesverteidigung davon abhängig macht, ob
und in welchem Umfang eine Bedrohung von außen tatsächlich gege-
ben sei, der stellt die eigene Souveränität in das Belieben ande-
rer Mächte." (Scholz)
Dabei hat es doch umgekehrt zu sein!
Oder so:
"Ich brauche nicht zu wissen, wogegen ich bin, wenn ich weiß, wo-
für ich bin." (Generalinspekteur Wellershof)
So sehr dafür ist der Mann, daß er auch ohne Feind eine ganze Ar-
mee in Stellung bringen will? W o f ü r mag der Gute sein?
Problem Nr. 2: Kampfflieger fallen vom Himmel...
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und eine empörte Öffentlichkeit fragt sich: "Muß das denn sein!"
Es handelt sich dabei um eine Beschwerde in der literarischen
Form der rhetorischen Frage. Politiker sind gradlinig genug, dar-
auf eine Antwort zu geben: "Aber klar! Und wer da noch weiter
fragt, stellt gleich die ganze Bundeswehr in Frage!" So sieht
sich das aufgeregte Publikum gezwungen, bei seiner Beschwerde zu
unterscheiden: Gegen die Bundeswehr wollte es ja wirklich nichts
eingewendet haben. Gegen eine Luftwaffe, die sich der Natur der
Sache nach in der Luft tummelt, auch nicht. Gegen Tiefflüge nur,
daß sie so laut sind, vor allen für Witwen und kleine Kinder. Und
genaugenommen hauptsächlich, daß da gelegentlich ein Kampfflieger
herunterfällt, obwohl er dafür gar nicht gebaut ist. Dagegen
hilft natürlich nur eins: Mehr üben! Und außerdem soll sich die
Fernsehnation zur besten Sendezeit mal anhören, was man als
Kampfpilot für Sorgen hat: Mit Mach 1,5 200 Fuß über dem Boden
sein Leben riskieren und dann immer noch von den Leuten angepin-
kelt werden, deren Beschwerderecht man verteidigt.
Problem Nr. 3: ...und der Verteidigungsminister trudelt."
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Eine "Wunderwaffe" (AZ) hätte er sein sollen, und statt dessen
muß die Öffentlichkeit ständig ausbessern, was der "Minister für
Verwirrung" (SZ) angeblich anrichtet. Er sei inkompetent, bringe
sich und seine Mitarbeiter unverdrossen in Schwierigkeiten und
erleide "eine Schlappe nach der anderen". Ein schönes Plädoyer
für eine korrekte Amtsführung zur Stärkung der Verteidigungsbe-
reitschaft. Da hält der Herr Minister das Tiefflugverbot für un-
sinnig, will mit dem Modernisierungsbeschluß für Kurzstreckenra-
keten nicht noch bis zum Frühjahr warten, fördert nach Kräften
den Jäger 90 und zieht eine Wehrdienstverlängerung um 3 Monate
noch in diesem Jahr durch und der Öffentlichkeit ist das nicht
"Fingerspitzengefühl" genug. Wer allerdings einen geschickten Mi-
nister will, wer sich nichts Idealeres vorstellen kann als eine
unwidersprechliche Bundeswehrführung und wer sich um mangelnde
Wehrbegeisterung (= "Motivation") sorgt, der braucht keine
"psychologische Verteidigungstruppe", der ist selber eine.
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