Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Eine demokratische Affäre
DIE INNERSTE SICHERHEIT
Verlauf und Abwicklung der Tripel-Affäre Kießling/Wörner/MAD (die
SPD möchte das Ganze zu gerne noch um Helmut Kohl zum Skandal-
Vierer vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuß komplet-
tieren) haben mit einem Fall von mutmaßlicher Liebe unter Männern
nur noch sehr unmaßgeblich zu tun. Die gesamte bundesdeutsche Öf-
fentlichkeit legt inzwischen nur noch von einer sehr
d e m o k r a t i s c h e n Verirrung Zeugnis ab: Sie ist in
ihre W e h r m a c h t v e r l i e b t. Diese Liebe ist vor-
sätzlich blind gegen den Charakter ihres Lustobjekts: Wofür der
Staat sich überhaupt den Berufsstand 'General' geschaffen hat, zu
dessen Ehre ein "geordnetes" Geschlechtsleben gehört; wozu Bun-
deswehrgeneräle eine der größten Vernichtungsmaschinerien der
Welt kommandieren; warum erwachsene Männer in den Kampf geschickt
und zum Töten abkommandiert werden - das genießt ein Kavalier als
P a t r i o t i s m u s und ist stillschweigend d a f ü r.
Ebenfalls zählt es zu den prinzipiell geschätzten Eigenschaften
eines Kriegsministers, "im Interesse der Sicherheit" auch nur das
geringste Sicherheitsrisiko auszumerzen. Das diktieren die Maß-
stäbe einer k r i e g s b e r e i t e n Truppe, und das ist die
Bundeswehr in den 80er Jahren. Manfred Wörner ist jetzt an eben
diesem Maßstab gescheitert: Zu hart aus falschem Anlaß - er hätte
genausogut auch aus dem umgekehrten Grund in die Schußlinie gera-
ten können! So kommt auch in Sachen MAD niemand auf den für Demo-
kraten abwegigen Gedanken, dem Dienst seine "Abschirmung" und
das, was da abgeschirmt wird, vorzuwerfen. Daß die freiheitlich-
demokratische Grundordnung ohne Spitzel und Spione nicht geht,
ist der tragende Konsens der Debatte. Nur kompetent, effizient
und gegen echte Gefahren für die Bundeswehr müssen sie vorgehen.
So kann sich die Bundesregierung inzwischen lässig an die Spitze
der "Kritik" ihres eigenen Instruments setzen und "schonungslose
Aufklärung" zu dem Ziele versprechen, es b e s s e r zu gestal-
ten. Von wegen also "Gefährdung der Sicherheit" durch
"Verunsicherung der Bundeswehr": Was die i n n e r s t e
S i c h e r h e i t der Republik garantiert, ein schlagkräftiger
Gewaltapparat und die einschlägigen Männer an seiner Spitze, das
wird auf jeden Fall R e s u l t a t dieses "Skandals" sein, und
das ist auch sein Ausgangspunkt:
"Besonders in Moskau wird man dieses selbstzerstörerische Hick-
hack mit Genugtuung verfolgen. Gefordert ist jetzt der Bundes-
kanzler, von dem die Bevölkerung erwartet, daß er dem Skandal ein
schnelles Ende bereitet. Er sollte jetzt auf den Tisch hauen,
wenn er dazu die Kraft hat." (Bild am Sonntag)
E i n V o l k - ohne öffentliche Reibereien einig gegen den
wirklichen Feind; ein R e i c h - ohne Skandale und Konflikte;
eine W e h r m a c h t ohne Schwachstellen in der Sicherheit
und bei der Feindabwehr; und kernige F ü h r e r, die "unser
Vertrauen" verdienen, weil sie das in der D e m o k r a t i e
noch besser schaffen.
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