Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 54, 11.05.1982
       
       Wochenschau
       

FREGATTE IM ZWIELICHT?

Letzte Woche wurde die auf der Vulkan-Werft gebaute Fregatte "Bremen", "das modernste und kampfkräftigste Schiff der Bundesma- rine offiziell in Dienst gestellt. Ein weiterer Schritt der bun- desdeutschen Aufrüstung ist vollzogen. Insoweit kein besonderes Vorkommnis. "Und doch schien wenige Tage nach dem Verlust des britischen Zerstörers vor den Falkland-Inseln alles ein wenig an- ders." Waren angesichts einiger hundert Toter Zweifel aufgekommen an den Zwecken einer Staatsmacht, die so lässig mit dem Leben ih- rer Untertanen kalkuliert? Gab es eine Stimmung, die sich über den Krieg und die dafür bereitgestellten Mittel aufregte? Oder auch nur den Hinweis, daß man aufpassen müsse, sich zukünftig nicht selbst an einem Krieg zu beteiligen? Nichts dergleichen; stattdessen kam der "unsichtbare Schatten über dem Marinestütz- punkt Wilhelmshaven" durch folgendes Bedenken zustande: "Kommt den Überwasserstreitkräften noch die gleiche Bedeutung zu, nachdem die 'Sheffield' von einer einzigen, von einem argentini- schen Flugzeug aus schätzungsweise 30 Kilometer Entfernung abge- schossenen Rakete vernichtet wurde?" So also geht Kritik im Modell Deutschland 1982: Der Krieg und die Politik, die mit ihm kalkuliert, stehen außer Frage. Kritik regt sich lediglich noch in einer Hinsicht: in Bezug auf unzureichende Mittel für den zu erwartenden Ernstfall: 'Sind wir auch für alle Eventualitäten moderner Kriegsführung gewappnet?', lautet das von oben ausgegebene Bedenken, das prompt aus Volkes Mund zurücktönt und den angemessenen Bescheid bekommt: Die neue Fregattengenera- tion erhält ein Abwehrsystem, "das den Besatzungen die Chance gibt, die selbständig ihr Ziel suchenden Angreifer-Raketen selbst im letzten Augenblick abzufan- gen." Da können "wir" ja beruhigt sein: Bremen ist nicht Sheffield, die Bundeswehr auch an dieser Front gefechtsklar! (Alle Zitate: Weser-Kurier vom 8. Mai) zurück