Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
zurück
Marxistische Schulzeitung Bremen, 04.11.1980
Veranstaltung der Marxistischen Gruppe:
25 JAHRE FRIEDENSARMEE - WAS HAT DIE BUNDESWEHR ZU VERTEIDIGEN?
Wäre es nach den Wünschen eines prominenten Nachkriegspolitikers
gegangen, stünde jetzt die Mehrheit der männlichen Nachkriegsge-
nerationen e i n a r m i g da. Jedem Deutschen, so hatte er
(wer war das wohl?), kurz nach Gründung der Republik und einige
Jahre vor der Wiederaufrüstung gesagt, sollte der Arm abfallen,
mit dem er wieder zu einer Waffe greift. Das wollte er später
nicht mehr so wörtlich verstanden wissen. - Was wäre unser schö-
nes 'Modell Deutschland' auch mit lauter einarmigen Arbeitern,
Leistungssportlern, Verkehrspolizisten, Banditen usw... Wahr-
scheinlich nur eine halbe Sache.
Inzwischen sind einige Jahre ins Land gegangen. Die Bundeswehr
ist aus "unserem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken" (Wenn
die Denken wegzukriegen wäre!), sie hat am 12. November sogar ihr
25-jähriges Jubiläum, und im Unterschied zum 10-jährigen wird es
groß gefeiert. Der Fortschritt ist unverkennbar, nicht nur was
die Aufrüstung der Bundeswehr, sondern auch was die Gewöhnung der
Deutschen an den Gedanken ihres E i n s a t z e s betrifft.
Was ist denn die öffentliche Debatte der vier Parteioberen über
die Frage, ob die Bundeswehr auch außerhalb des NATO-Bereiches
eingesetzt werden soll? Ist es nicht das in schöner Eintracht
voraretragene Bekenntnis, "die Jungs", wenn es geboten erscheint,
aufs Schlachtfeld zu schicken - natürlich n u r (!) im Natobe-
reich?
Und was ist mit den faschistischen Sprüchen von Vätern und Groß-
vätern, man solle erst selbst einmal die Knochen hinhalten, ehe
man die Schnauze aufreißt? Wer käme je auf die Idee, dies als
Aufforderung bzw. Beihilfe zu Körperverletzung oder Totschlag zu
werten?
Oder: Was würde geschehen, wenn im politischen Unterricht jemand
seine Staatsbürgerschaft mit der Bemerkung diskreditiert, er habe
es sich schließlich nicht aussuchen können, wo er geboren worden
ist, und deshalb solle man ihn gefälligst mit "Deutschland" in
Ruhe lassen? So ist nämlich die F r i e d e n s e r z i e-
h u n g nicht gemeint.
Das wußte z.B. der ehemalige Bundespräsident Scheel besser: "Die
Erziehung zum Frieden", stellte er klar, "schließt die Bereit-
schaft ein, dafür auch in den Krieg zu ziehen!"
Es wäre ja auch zu blöd, die ganzen schönen Tornados, Leopard-
Panzer, Mittelstreckenraketen usw. in die Gegend zu pflanzen, um
sie n i c h t zu benutzen. Fragt sich nur, warum es die offi-
zielle Ideologie immer noch gibt, die Aufrüstung sei ein Mittel,
um Kriege zu verhindern?
G l a u b e n tut es doch ohnehin niemand. Was soll also die
Spinnerei, jeder Soldat und jede Nuklear-Waffe sei ein Stück
Friedensgarantie?
Übrigens hält auch niemand die Bundeswehr gefördertes Projekt für
Hobby-Techniker, wie dies die Bundeswehr - die natürlich am al-
lerwenigsten daran glaubt - in ihren Anzeigen erzählt. Sind da
die Reklamefachleute der Bundeswehr durchgedreht oder wie oder
was?
"Ihr Arbeitsplatz Bundeswehr
Hobbys Kosten - Ihres bezahlen wir.
Als Abiturienten mit Interesse für Technik bietet Ihnen die Bun-
deswehr Chancen. Sie können Offiziersanwärter werden, an der Bun-
deswehrhochschule ein technisches Fach studieren. Beispiel Ma-
schinenbau. (Wenn Sie sich für mindestens 12 Jahre verpflichten).
Danach können Sie im technischen Dienst des Heeres aufsteigen.
Z.B. bei der Instandsetzungstruppe. Der Dienst ist vielseitig und
abwechslungsreich. Sie tragen schon in jungen Jahren die Verant-
wortung für den einwandfreien Zustand technischer Geräte. Sie
sind Praktiker und Theoretiker zugleich und in hohem Maße Manager
Ihrer Einheit. Kurz und gut: Keine leichte Aufgabe, aber eine, in
der man sich bewähren kann.
Wenn Sie dieses Angebot reizt, Schicken Sie uns bitte den Coupon.
Sind Sie 16 Jahre oder älter, dann sollten Sie außerdem mit Ihrem
Wehrdienstberater im Kreiswehrersatzamt sprechen."
Ein wenig intellektueller, deswegen aber nicht weniger verrückt,
gibt es das Friedensgeseiche als philosophische Kriegsbezweife-
lung! Heute sei der Krieg doch "sinnlos" geworden! Angesichts der
ungeheuren Zerstörungspotentiale könne
einfach "kein vernünftiger Mensch ernsthaft" an Krieg denken!
Warum denken sich Menschen solche Märchen aus, wo es doch überall
auf der Welt Kriege g i b t, die bekannten und z.T. demokra-
tisch gewählten Kriegstreiber keineswegs irre sind, das gegensei-
tige Abschlachten wohl nie etwas mit "Sinn" zu tun hat und außer-
dem Jimmy CARTER vor einigen Monaten in seiner Direktive 59 vor
aller Welt klargestellt hat, daß neuerdings ein Atom-Krieg von
den Amis sehr wohl (siegreich) geführt werden kann?
Ebenfalls nicht viel besser ist die kritische Beteiligung der
neuen "F r i e d e n s b e w e g u n g" an dieser allgemeinen
Einstimmung auf den nächsten Weltkrieg. Warum setzt diese Bewe-
gung, die bekanntlich etwas g e g e n Bundeswehr, Nato, Atom-
waffen usw. hat, ausgerechnet auf einen Frieden, aus dem
bekanntlich immer nur Kriege herauskommen? Natürlich dementieren
ihre Anhänger lebhaft, daß sie mit Frieden dasselbe meinen würden
wie Schmidt und Strauß. Deswegen e r f i n d e n sie sich auch
einen Frieden, den es nie gab und nicht gibt, und tragen ihn als
ihr G l a u b e n s b e k e n n t n i s spazieren. Ist es da
noch ein Rätsel, warum solche Friedensbewegung alle Vereine mit
direktem Kontakt zum "Allermächtigsten" anlockt wie Kuhscheiße
die Fliegen, warum sie eine gute Presse bekommen und warum. der
"oberste Friedensstifter der BRD sogar Verständnis für die Sorgen
und Ängste der Jugend" bekunden kann?
Was tun? Etwa - frei nach Otto - einen Brief an Apel schreiben
(siehe Kasten)? Oder den Kriegsdienst verweigern? Ob der strapa-
ziöse "Dienst am alten und hilflosen Menschen" irgendetwas bringt
außer billigen Sozialarbeitern mit einem (eingebildeten) ruhigen
Gewissen? Wird dadurch der nächste Krieg etwa unwahrscheinlicher?
Und wer kann nach den verschiedenen Novellierungen des Kriegs-
dienstverweigerungsrechts noch an dem Selbstbetrug festhalten,
daß der Staat die Sicherstellung des Nachwuchses für seine Armee
dem "Recht auf Kriegsdienstverweigerung" unterwerfen würde?
***
An den allerobersten General
(von allen)
Betrifft: Ich möchte nicht in den Krieg.
Sehr geehrter Herr General!
Ich möchte hiermit gern den Wehrdienst verweigern. Ich habe zwar
noch keinen Einberufungsbefehl von Ihnen, doch ich möchte jetzt
schon verweigerns - freiwillig. Ich möchte nämlich keine falschen
Hoffnungen aufkommen lassen - ich meine, daß Sie und Ihre Freunde
von der Generalität sich auf Irgendwelche kriegerischen Handlun-
gen einlassen, weil Sie auf meine Mitarbeit zählen - ich meine,
wenn Sie bei Ihrer Kriegserklärung gleich berücksichtigen könn-
ten, daß ich nicht - ich meine, nicht das deutsche Volk erklärt
den Krieg, sondern: "Das deutsche Volk außer Herrn Brendel er-
klärt Ihnen hiermit..." Falls das nicht zuviel Umstände macht -
nein? Ich glaube, Sie haben ganz fest mit mir gerechnet, wie? Se-
hen Sie, das wußte ich! Deswegen schreibe ich Ihnen ja auch jetzt
schon - nicht erst dann, wenn's richtig losgehen soll - ich
meine, wenn ich dann erst verweigern würde, dann wären Sie doch
mit recht sauer, oder? Das aber möchte ich auf keinen Fall, ganz
herzlich
Ihr Berthold Brendel
zurück