Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus


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KLEINERE DRANGSALE DES DEMOKRATISCHEN MILITARISMUS

Willi Weiskirch hat's auch nicht leicht. Als Wehrbeauftragten des Parlaments gibt's ihn überhaupt nur wegen der von der BRD erfun- denen I d e o l o g i e, ihre Bundeswehr sei nicht einfach die Neuauflage der alten Reichswehr, sondern da tummelten sich lauter "Bürger in Uniform". In der Pflege dieser Ideologie besteht Willi Weiskirchs Geschäft. Dauernd muß er feinsinnige Entscheidungen der Art treffen, wann ein "rüder Umgangston" von Vorgesetztem zu Untergebenem zum militärischen Drill dazugehört, also keiner ist, bzw. wann er nicht nötig ist und deswegen die Menschenwürde des in der Uniform steckenden Bürgers verletzt. Jahr für Jahr inspi- ziert er die Truppe, listet Beschwerden über Schikanen aller Art auf und prüft, ob diese oder jene Maßnahme fürs Disziplinieren von Zivilisten nötig war, denen immerhin der Wille zur Fraglosen Unterordnung erst einmal mit dem entsprechenden Drill beigebracht sein will. Das jahrelange Dokumentieren von Verstößen gegen die Bürgerwürde in der Uniform hat Weiskirch, typisch berufsblind, verwechselt mit dem Auftakt zur Abschaffung solcher Mißstände. Deswegen hat er seinem diesjährigen Bericht wieder ein Jammern darüber beige- fügt, daß seine "Mahnungen offenbar in den Wind geredet waren". Diese persönliche Unmutsbezeugung und seine Kritik in Sachen Men- schenführung bei der Bundeswehr, die selbst vor "höchsten Füh- rungsebenen" nicht halt macht und "den Typ des Vorgesetzten" an- prangert, der "in kühler Distanz zu seinen Untergebenen selbst- herrlich und selbstgerecht, vielfach gepaart mit starkem Ehrgeiz, regiert", rief ein paar Generäle auf den Plan. Sie attackierten Weiskirch wegen seiner "unausgewogenen und verallgemeinernden An- merkungen", die ein "falsches Bild von den Streitkräften in der Öffentlichkeit" erzeugten und damit zu einem "erheblichen Ver- trauensverlust" für die Bundeswehr führten. Daß es die vom Wehr- beauftragten beanstandeten Phänomene gibt, wurde dabei gar nicht bestritten. Sie gehören zur Bundeswehr wie die Henne zum Ei. In der demokratischen Imagepflege der Bundeswehr, im Bild vom 'Bürger in Uniform', das durch den Wehrbeauftragten und sein uni- formes Beschwerdewesen gepflegt wird, witterten die Generäle wie- der mal eine Herabsetzung der "Uniform", die doch für sich und ohne jeden politischen Rechtfertigungsschnörkel Vertrauen und Ehrerbietung verdiene. Diese Beschwerde war dem Parlament einen Tag der Aufregung wert. Die haltlose Übertreibung, es drohe die Wiederkehr "Weimarer Ver- hältnisse", ging bruchlos über in eine allgemeine Abregung. Scholz erinnerte die Generäle an den Dienstweg und gab ihnen in der Sache recht. Damit ist wieder einmal bewiesen: Unser Militarismus ist unerschütterlich zivil. zurück