Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus


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BUNDESWEHRPLANUNG STEHT: LAUTER TRIUMPHE FÜR DEN FRIEDEN

Das Bundeskabinett hat letzte Woche Verteidigungsminister Wörners "Bundeswehrplanung bis in die 90er Jahre" für Gerät und Personal verabschiedet. Plan und öffentliche Berichterstattung dazu brach- ten wieder eine ganze Reihe Klarstellungen. 1. Die Wehrmacht wird geplant bis in die 90er Jahre - also steht es für ihre Macher felsenfest, daß ihr Gerede von der "Abrüstung als unverrückbarem Ziel" die reine Augenwischerei ist. Sie wehren sich ja aufs heftigste dagegen, daß auch bloß die mindeste "Verminderung der Kampfkraft" eintritt. 2. In puncto "Personalplanung" wurde in aller Öffentlichkeit deutlich gemacht, wie das "Problem" von den angeblich "aussterbenden Deutschen" im Kern gemeint ist. Da haben die pflichtvergessenen Deutschen Anfang der 70er Jahre doch glatt bei ihrem Nachwuchsbedarf den Kriegführungsbedarf des Vaterlands au- ßer acht gelassen! Doch dieses läßt sich nicht übertölpeln und nimmt sich vom Volkskörper, was ihm zusteht: der Kriegsdienst wird verlängert, und die Gedienten müssen weitaus öfter zu Reser- veübungen einrücken. Das kann ja auch ihrer Fertigkeit im Kriegs- handwerk bloß zugutekommen. 3. Denn eines darf einfach nicht sein in der friedliebenden BRD: daß am Plansoll in Sachen S i e g f ä h i g k e i t auch nur ein Jota zurückgenommen wird. Was heißt hier "zurückgenommen"? Wenn der Manfred von der Bundeswehr schon sein Wort darauf ver- pfändet, daß mit dem neuen Kabinettsbeschluß die "Friedensstärke" der jetzigen 495.000 Mann-Armee auch ab 1989 nicht wesentlich un- terschritten wird, dann redet er damit einem ziemlich grandiosen Zuwachs der Kriegskapazität der neuen deutschen Wehrmacht das Wort. Schließlich steht der "Fortschritt der Technik" gerade beim Kriegsgerät in vorderster Front, und die Werbefilme von Bundes- wehr, Krauss-Maffei und MBB zeigen doch immer so eindrucksvoll die "Rationalisierungs"-Erfolge im Panzercockpit und dergleichen. Im Unterschied zur deutschen Wirtschaft wird beim deutschen Mili- tär aber deswegen keiner entlassen. Im Gegenteil! 4. Und vielleicht hat es ja was mit dieser gesteigerten Bedrohung zu tun, die von unserer niedlichen Bundeswehr a u s g e h t, wenn der "Verteidigungsbedarf" der NATO nie gesättigt ist! Je länger, desto dreister wirkt jedenfalls die öffentliche Beteue- rung des "rein defensiven Charakters" der westdeutschen Armee. Wo die derart aufgerüstet wird, daß ihr Kriegspotential so manche gegnerische Atomwaffe aufwiegt, da wird natürlich nur löblicher- weise "die Atomschwelle heraufgesetzt"; und wo die Planung der G e f e c h t s k l a r h e i t so weit gediehen ist, daß sie die Aufstockung des Munitionsvorrats und die Aufmöbelung des Sa- nitätsdienstes gebietet, da sind "wir" natürlich die puren "bloß" konventionellen und "bloß" vorneverteidigenden Unschuldslämmer. 5. feiert beim künftigen vollständigen Einziehen eines Soldaten- jahrgangs die G e r e c h t i g k e i t wahre Triumphe: Pfaf- fen, Polizisten, Feuerwehrleute, Jungverheiratete und andere Scheuermänner...: keiner soll sich da der nationalen Solidarität noch entziehen können, wenn die Heimat zu den Waffen ruft... 6. Der Kießling-geschädigte Minister Wörner schließlich ist aus der Affäre "Bundeswehrplanung", die gar keine war, hervorgegangen wie eine Eins: der Koalitionspartner muckt nicht, der Opposition fällt nichts Unsauberes ein, der Kanzler ist zufrieden, das Volk anscheinend auch, weil so "unpopulär" und zupackend von oben e n t s c h i e d e n wurde - die speziell d e m o k r a t i s c h e Methode zur Herstellung von Kriegsbe- reitschaft hat sich einmal mehr bestens bewährt. zurück