Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus


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DIE BUNDESWEHR REISST DIE KLAPPE AUF

"Wir haben mitgeholfen, das Tor zu öffnen. 9. November 1989: Zum erstenmal nach vier Jahrzehnten liegen sich Deutsche und Deutsche unter dem Brandenburger Tor in den Armen. Mauern und Grenzen trennen sie nicht mehr. In einer friedlichen Revolution erkämpfen sich die Bürger der DDR Freiheit, Menschen- rechte und Demokratie. Zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie haben sich 16 Staa- ten im NATO-Bündnis zusammengeschlossen. Sie bekennen sich zu dem Grundsatz, niemanden zu bedrohen oder anzugreifen. Gleichzeitig aber lassen sie auch keinen Zweifel daran, daß sie sich bei einem Angriff verteidigen können und verteidigen werden. Ihr Friedenswille und ihre Festigkeit, beide zusammen haben dazu beigetragen, daß Fortschritte auf dem Weg zu Entspannung und Ab- rüstung erreicht wurden. Daß ein starres System sich öffnet. Daß Demokratie wächst, wo 45 Jahre lang Diktatur geherrscht hat. Unsere Bundeswehr war und ist Kernstück des Bündnisses in Mit- teleuropa. Auch ihr ist es zu danken, daß militärische Gewalt als Mittel der Politik aussichtslos wurde. Und so ist es auch ihr Verdienst, daß der Eiserne Vorhang verschwindet. Und daß sich Deutsche aus Ost und West endlich wieder unter dem Brandenburger Tor begegnen können. Die Bundeswehr." (Anzeige der Bundeswehr in Zeitschriften und Illustrierten) Die PR-Strategen auf der Hardthöhe kümmern sich auch in schwerer Zeit darum, den W e h r w i l l e n des Publikums bei Laune und die Bundeswehr bei voller Manneskraft zu halten. Angesichts einer internationalen Lage, in der der bisherige F e i n d durch kampflosen R ü c k z u g glänzt und nicht gerade einen an- griffsdrohenden Eindruck macht, greift sie zu dem Einfall, gerade damit Reklame für die demokratische Wehrmacht und ihre Unverzichtbarkeit zu machen: Wir haben mitgeschossen! pardon: mitgeholfen und einen ersten vorzeigbaren S i e g deutscher Waffen seit 1871 errungen. Das geht so: Erstens soll die DDR-Bürger, die sich letztes Jahr gegen die SED-Regierung auf die Straße begeben haben, nichts an- deres bewegt haben als die Durchsetzung des NATO-Auftrags östlich der Elbe. Und weil die Bundeswehr eine NATO-Armee ist, erfüllten die Demonstranten in Leipzig deren Kampfauftrag. Nur gerecht, daß sie jetzt zum Dank dafür als BuWe h.c. in die NATO angeschlossen werden. Zweitens sollen sich NATO und Bundeswehr ihren ganzen mi- litary buildup überhaupt nur deswegen zugelegt haben, um damit n i e m a n d e n zu bedrohen, geschweige denn anzugreifen. Und ausgerechnet das hat dann so durchschlagend auf "niemand" ge- wirkt, daß die Sowjetunion dem Verlust ihres Ostblocks zugestimmt hat. Drittens soll der Unterschied, daß die NATO beim Aufrüsten ihre Festigkeit unter Beweis gestellt hat, während die So- wjetunion jetzt f r e i w i l l i g abrüstet, ihr Sowjetsystem zersetzt und sich hinter die Grenzen von 1939 zurückzieht, ein- deutig f ü r die Festigkeit des Westens sprechen und beweisen, daß die Entspannung s e i n Verdienst ist. Viertens soll das Militär als Mittel der Politik ausgerechnet dadurch "aussichtslos" geworden sein, daß das NATO-Militär der NATO-Poli- tik als Grundlage und Rückendeckung gedient und angeblich zu ih- rem durchschlagenden Erfolg verholfen hat. Fünftens darf daraus keinesfalls der zutiefst logische Schluß gezogen werden, daß sich dann die Bundeswehr und die anderen NATO-Armeen selber zur logi- schen Unmöglichkeit verurteilen. Statt dessen besteht die Bundes- wehr darauf, daß der ganz und gar unmilitärische und gewaltfrei errungene Triumph über den Ostblock hinter dem "Eisernen Vorhang" ein Erfolg ihrer militärischen Gewalt wäre. Geständnis oder Ange- berei? Auf alle Fälle soll jeder D e u t s c h e der bewaffneten Macht in der Nation dankbar sein, daß er unterm Brandenburger Tor Deut- schen begegnen kann. Das hätte er zwar immer schon gekonnt mit- tels eines Sichtvermerks der DDR-Grenzorgane, aber Bundeswehr sei Dank gibt es die demnächst nicht mehr. Dafür bloß noch die Bun- deswehr. zurück